Fahrradstraße

Ein Netz aus Fahrradstraßen

von Julia Schmitz 21. Juni 2022

Die Stargarder ist schon eine, die Oderberger wird es demnächst: Für Prenzlauer Berg sind noch zehn weitere Fahrradstraßen geplant. In unserer Übersicht zeigen wir euch, was wann umgesetzt werden soll.


Zugegeben, in dem Verkehrswendeprojekt Stargarder Straße war ein bisschen der Wurm drin. Eigentlich wollte der Bezirk die Fahrradstraße schon im Frühling 2020 fertigstellen, nach anderthalb Jahren intensiver Planung. Doch erst durchkreuzte die Pandemie das Vorhaben, dann gab es plötzlich keine Verkehrsschilder mehr. Als diese dann im Dezember 2021 doch aufgehängt werden konnten, waren sie zu klein – was die Polizei Berlin als „nicht rechtssicher“ monierte und vorerst auf eine Kontrolle der neuen Straßenregeln verzichtete.

Mittlerweile hat das Straßen- und Grünflächenamt größere Schilder montiert und auch erste Farbmarkierungen auf dem Boden angebracht. Autofahrer*innen nutzen die Stargarder Straße dennoch weiterhin als Ost-West-Tangente; der Verkehr hat nur geringfügig abgenommen, weshalb nach den Sommerferien eine Verkehrszählung durchgeführt werden soll. Trotz dieses Chaos hat der Bezirk große Pläne: Ein Dutzend Fahrradstraßen soll es in Zukunft allein in Prenzlauer Berg geben.

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Planungen abgeschlossen

Zunächst geht es der Oderberger Straße an den Kragen. Ab Anfang Juli werden auf der breiten Verbindung zwischen Kastanienallee und Eberswalder Straße Parkplätze in Abstellanlagen für Fahrräder und E-Roller umgewandelt; dies soll laut Straßen- und Grünflächenamt bewirken, dass weniger Leute ihre Fahrräder auf den Gehsteigen abstellen; es ergäbe mehr Platz zum Flanieren und für die Gastronomie. Wie üblich erhält die Fahrbahn eine farbliche Markierung als Fahrradstraße. Um das Halten in zweiter Reihe zu verhindern, werden zusätzliche Zonen für den Lieferverkehr eingerichtet. Ende 2022 sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein.

Für die Saarbrücker Straße sind die Planungen zwar bereits abgeschlossen, doch zwei wichtige Punkte bleiben nach wie vor offen: Das Bezirksamt wartet noch auf Zustimmung der die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz. Liegt diese vor, kann es die verkehrsrechtliche Anordnung für die Fahrradstraße sowie eine Finanzierung durch die Senatsverwaltung beantragen.

 

Erste Planungen

Durch die Schwedter Straße geht eine Grenze, nämlich die zwischen den Bezirken Pankow und Mitte. Um aus ihr eine Fahrradstraße zwischen Eberswalder Straße und Schönhauser Allee zu machen, haben sich die beiden Ämter bereits abgestimmt. Die Planungen sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. In der Erich-Weinert-Straße will man damit bis Ende 2022 beginnen.

Angedacht waren auch die Senefelderstraße und die Dunckerstraße (zwischen Stargarder und Wichertstraße und zwischen Wichertstraße und Wisbyer Straße) sowie die Kollwitzstraße. Doch die Überlegungen dazu pausieren vorerst: Beide Strecken liegen auf dem Panke-Trail, den die Senatsverwaltung und die infraVelo derzeit ausarbeiten; eine parallele Planung ist laut Bezirksamt nicht möglich.

Zum Stillstand gekommen ist hingegen die Diskussion um den Vorzug von Radfahrer*innen auf der Hufelandstraße. Dort hatte die SPD-Fraktion bereits Ende 2017 die Einrichtung von Velo-Routen beantragt. Doch die Umsetzung scheiterte bisher an der Frage, was mit dem Kopfsteinpflaster geschieht – denn das ist nicht unbedingt fahrradfreundlich. Einen Asphaltstreifen in der Mitte der Straße oder auf beiden Seiten neben den Parkplätzen lehnte das Bezirksamt ab, mittlerweile liegt das Projekt auch wegen Personalmangels auf Eis.

 

Noch keine konkreten Planungen

Bei der Marienburger Straße wurden die Planungen erst gar nicht aufgenommen, denn auf der Querstraße zwischen Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße liegt ebenfalls holpriges Kopfsteinpflaster. Bei der Umsetzung der Fahrradstraße will man sich am Modell Hufelandstraße orientieren – aber dort geht es ja, siehe oben, erstmal nicht weiter. Gleiches gilt auch für die Wörther Straße.

Und wie steht es eigentlich um die Gleimstraße? Über die diskutieren Pankows Politiker*innen bereits genauso lange wie über die Stargarder Straße. Die konkreten Planungen haben hier allerdings noch nicht einmal begonnen. Der Grund: Die Senatsverkehrsverwaltung muss die Gleimstraße erst aus dem übergeordneten Straßennetz entlassen, was sie erst tun kann, wenn der Bezirk die verkehrlichen Auswirkungen auf die Nachbarstraßen ausgewertet hat. Mit dem Gleimtunnel und der im Stadtteil Wedding gelegenen Rügener Straße bildet sie allerdings eine wichtige Ost-West-Verbindung; Verkehrszählungen hatten 2018 ergeben, dass der tägliche Autoverkehr rund 60 Prozent ausmacht.

Wird sie dennoch aus dem Straßennetz genommen, dann hat der Bezirk die Zuständigkeit für den Abschnitt zwischen Gleimtunnel und Schönhauser Allee und kann unter anderem die Beschilderung veranlassen. Aktuell liegt das Projekt noch auf dem Tisch der Koordination Infrastruktur-Standortentwicklung (KIS), der Schnittstelle zwischen den verschiedenen Fachämtern und den Senatsverwaltungen; einen genauen Zeitplan gibt es nicht.

 

Foto: Große Schilder auf der Senefelder Straße weisen auf die Zufahrtsbeschränkungen in der Stargarder Straße hin / Foto: Julia Schmitz

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