Schleifen fahren im Kiezblock

von Sarah Schaefer 13. Februar 2020

Anwohner*innen in Pankow wollen ihre Straßen vom Durchgangsverkehr befreien – und haben konkrete Vorschläge, wie das gelingen kann.


Ach, Barcelona. Dass so viele Prenzlauer Berger*innen in diesen Tagen von der spanischen Metropole träumen, liegt vor allem an der konsequenten Verkehrsplanung der Stadt. Mit so genannten Superblocks hat sie ein System entwickelt, das den Autoverkehr in Wohnquartieren massiv reduziert. Ein Konzept, das weltweit Beachtung findet.

Kann das auch in Pankow funktionieren? Man sollte es zumindest versuchen, finden die Pankower Bezirksverordneten. Im vergangenen Herbst beschlossen sie, dass der Bezirk ein Modellprojekt zu den Superblocks umsetzen soll und schlugen dafür mehrere Kieze vor – ein Großteil davon liegt in Prenzlauer Berg, nämlich Kollwitzkiez, Bötzowviertel/Grüne Stadt, Winsviertel, Helmholtzplatz sowie die Kieze um den Arnimplatz, den Humannplatz und das Gebiet Alter Schlachthof/Blankensteinpark.

Doch dass die Umsetzung des Beschlusses für die bezirklichen Fachämter schwer umsetzbar sein dürfte, war den Bezirksverordneten klar – denn so etwas brauche „sehr hohe finanzielle und personelle Kapazitäten“.

 

Pläne für 18 Kieze in Pankow

Und hier kommen Anwohner*innen und Verkehrsinitiativen ins Spiel. In den vergangenen Wochen haben sich etwa 70 Pankower*innen in Workshops mit der Frage beschäftigt, wie sich das Konzept der Superblocks vor Ort umsetzen lässt. Dazu eingeladen hatten mehrere Initiativen und die Pankower Grünen. In dieser Woche stellten die Teilnehmer*innen die Ergebnisse für 18 Kieze des Bezirks vor.

Das Ziel der Kiezblocks – so der Berliner Name – ist es, den Durchgangsverkehr zu verhindern. Dazu sollen Einbahnstraßen und so genannte Diagonalsperren so eingerichtet werden, dass für Autos kein direkter Weg mehr durch die Kiezblocks möglich ist. Die Straßenführung soll so angelegt sein, dass Autofahrer*innen in Schleifen durch den Kiez geleitet werden und wieder dort herauskommen, wo sie hineingefahren sind.

 

Schutz gegen Ausweich- und Schleichverkehr“

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So könnte das aussehen: Der Arnimkiez mit vier Diagonalsperren auf der Paul-Robeson-Straße.

Wie das konkret aussehen könnte, zeigt das Beispiel aus dem Arnimkiez. Hier sei das Hauptproblem die vielbefahrende Bornholmer Straße am nördlichen Rand des Kiezes, sagte der vortragende Anwohner. Durch die Kreuzung mit der Schönhauser entstehe an den Nachmittagen ein „Dauerstau“. Die Autofahrer*innen versuchten, diesem Stau zu entkommen, was zu einem „entfesselten Ausweich- und Schleichverkehr“ führe. 

Die Arnimkiez-Gruppe habe sich ein Konzept überlegt, das fast dem „Kiezblock aus dem Lehrbuch“ entspreche. Der Plan: Auf der Paul-Robeson-Straße werden vier Diagonalsperren eingerichtet, und zwar an den Kreuzungen zur Malmöer und Driesener Straße sowie an beiden Ecken des Arnimplatzes. Mit diesen Sperren, so der Anwohner, gebe es keine Sackgassen, aber auch nicht die Möglichkeit, den Kiez zu durchfahren. Er gab allerdings zu bedenken, dass sich in der Behmstraße der Betriebshof der BSR befinde und man sicherstellen müsse, dass die BSR-Fahrzeuge nicht zu sehr durch die Sperren eingeschränkt werden.

 

Gründung einer spezialisierten Arbeitsgruppe

Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) nahm die Ergebnisse der Workshops entgegen. „Ihr habt schon einen Teil unserer Arbeit mit erledigt“, sagte er. Kuhn kündigte für Ende des Monats die Gründung einer internen Arbeitsgruppe Mobilität mit einem spezialisierten Team an. „Wir werden mit dieser AG quer zu den Fachbereichen und Ämtern versuchen, solche Projekte zu stemmen“, sagte Kuhn. In den bisherigen Strukturen schaffe man es nicht, diese Vorhaben anzugehen.

Tobias Kraudzun vom Netzwerk „Fahrradfreundliches Pankow“ betonte, dass es wichtig sei, die Pläne zu den Kiezblocks richtig zu vermitteln, um auch die Autofahrer*innen für diese Idee zu gewinnen. Außerdem müsse klar gemacht werden: „Es ist ein Versuch“, so Kraudzun.

 

Foto: nile/Pixabay

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