Colosseum

Kauft Berlin das Colosseum?

von Julia Schmitz 25. Februar 2021

Auf dem Areal des Colosseums soll ein Bürokomplex entstehen. Um das zu verhindern, fordern die Bezirksverordneten das Bezirksamt auf, endlich einzugreifen.


„Wir haben das Gefühl, dass es in der Sache nicht richtig vorwärts geht – und dass ein eindeutiges Bekenntnis fehlt, dass dieser Ort für den Bezirk sehr wichtig ist und man dort dauerhaft kulturelle Nutzung sichern will“, sagt Fred Bordfeld von der Pankower Linksfraktion. Er hatte am Mittwoch den Antrag „Berlin kauft das ‚Colosseum“ in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eingebracht, der das Bezirksamt auffordert, „sich auf allen Ebenen dafür einzusetzen, das Gesamtensemble des teilweise denkmalgeschützten Kulturstandortes für das Land Berlin zu erwerben.“

Kurz nachdem das Kino mit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 den Spielbetrieb einstellen musste, wurde bekannt, dass die Erbengemeinschaft um Artur Brauner Insolvenz angemeldet hatte – und das Colosseum seine Türen auch nach Ende des ersten Lockdowns nicht wieder öffnen würde.

Einen kleinen Skandal gab es daraufhin um das Stadtentwicklungsamt unter der Leitung von Vollrad Kuhn (Grüne), der bereits Ende 2019 einen Bauvorbescheid für das Areal an der Schönhauser Allee bewilligt hatte – und zwar ohne zu überprüfen, welcher bedeutende Ort sich hinter der angegebenen Hausnummer versteckt. Und ohne die Bezirksverordneten vorab darüber zu informieren, wofür ihm die BVV später eine Rüge erteilte. Mitarbeiter*innen des Kinos und Anwohner*innen organisierten daraufhin Demonstrationen, die weit über den Kiez hinaus Zuspruch fanden und auch von Politiker*innen von Land und Bund unterstützt wurden.

Doch die mehrfachen Versuche, die Erbengemeinschaft mit dem Bezirk an einen Tisch zu setzen, um über die Zukunft der teilweise denkmalgeschützten Immobilie als öffentlich nutzbaren Kulturstandort zu sprechen, liefen bisher ins Leere. Forderungen nach einem schnellen Durchgreifen kommen daher nicht nur von der Linksfraktion, auch die SPD unterstützt den Antrag: „Es geht darum, mal eine Schippe draufzulegen. Die Gespräche haben bis jetzt nichts bewirkt; wir wollten klarmachen, dass wir dieses Gebäude erhalten wollen“, sagt Annette Unger (SPD) und betont weiter: „Gerade in Zeiten der Pandemie, wo wir ganz viele Kultureinrichtungen verlieren werden, wäre es auch einfach ein gutes und starkes Zeichen, einen Schritt weiter gehen und mit der Landesebene zu versuchen, diesen Standort zu erhalten und ein neues Stück Kultur zu schaffen.“

Die CDU wiederum stand dem Antrag ablehnend gegenüber und wollte ihn vor einer endgültigen Entscheidung erstmal in die Ausschüsse überweisen. „Ich glaube nicht, dass der Bezirk Pankow mit den zur Verfügung stehenden Mitteln in der Lage ist, diesen Standort zu übernehmen und selbst zu bewirtschaften“, kritisierte Fraktionsvorsitzender Johannes Kraft. Zwar setze sich seine Partei ebenfalls für den Erhalt des Colosseums ein, doch sehe er in dem Vorschlag der Linksfraktion erhebliche Risiken: „Ohne einmal ausführlich darüber gesprochen zu haben, wie eine tatsächliche Nutzung aussehen soll, was an dem Ort möglich und notwendig ist und welche laufenden Kosten auf den Bezirk zukommen, kann man so einen Antrag doch nicht beschließen!“

Der Großteil der Pankower Bezirksverordneten sah das jedoch anders: Mit 29 Ja-Stimmen, 16 Gegenstimmen und 5 Enthaltungen stimmten sie der Drucksache mehrheitlich zu. Der Ball liegt also erstmal wieder beim Bezirksamt, das nun handeln muss – und vielleicht das Land Berlin tatsächlich davon überzeugen kann, den Kulturstandort Colosseum durch Kauf des Gebäudes langfristig zu retten.

 

Titelbild: Julia Schmitz

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1 Kommentar

Koch, Klaus - Dieter 26. Februar 2021 at 15:48

Das „Colosseum“ muss erhalten bleiben. Es gehört einfach zum Prenzl. Berg. Ich würde es sogar als Kulturerbe bezeichnen.

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