Christian Sauer Immanuelkirchstraße 35

Die Mieter von Prenzlauer Berg – Teil 1

von Kristina Auer 11. Juli 2017

Verdrängung trotz Milieuschutz – in Prenzlauer Berg läuft in Sachen Wohnraum einiges schief. In unserer Serie zeigen wir warum.

Seit Jahresbeginn wird in der Immanuelkirchstraße 35 saniert. Dabei werden mehrere Wohnungen zusammengelegt, obwohl sich das Haus in einem Milieuschutzgebiet befindet. Der Bezirk hat das trotzdem genehmigt.

 

Was passiert:

Das Haus in der Immanuelkirchstraße 35 war bis vor kurzem eines der letzten unsanierten Häuser der Straße. Es steht im Milieuschutzgebiet Winsstraße. In dem Haus sind viele Wohnungen noch ohne Badezimmer, es gibt Etagentoiletten und Duschkabinen in der Küche. Das Haus hat in der Vergangenheit mehrmals den Besitzer gewechselt, zuletzt im Frühjahr 2015. Der neue Eigentümer Röhreke hat drastische Umbauarbeiten an dem Haus beantragt. Darunter fallen nicht nur ein Dachausbau und der Einbau von Badezimmern, sondern auch die Zusammenlegung von bis zu drei Wohnungen. Dass Mieter in ihren vorherigen Wohnungen bleiben können, wird damit ausgeschlossen. Mehrere Mieter müssten sich dann eine der neuen Wohnungen teilen.

 

Der aktuelle Stand:

Der Bezirk hat bereits Ende Januar die Grundrissänderungen genehmigt, obwohl diese in Milieuschutzgebieten eigentlich unzulässig sind. Die Begründung: Die Grundrissveränderungen werden nötig, damit Bäder eingebaut werden können. Dies wiederum müsse genehmigt werden, damit die Wohnungen in einem zeitgemäßen Zustand sind. Die Arbeiten am Haus sind nun schon in vollem Gange. Von den Anfang 2015 noch 18 Mietparteien sind 12 übrig geblieben, die nun auf einer Baustelle wohnen. Allen wurde der Mietvertrag gekündigt. Fünf Mietparteien haben laut Bezirk die angebotenen, sogenannten Umsetzwohnungen angenommen. Die verbleibenden sieben Mietparteien haben teils bereits Räumungsklagen erhalten.

Wohnen auf der Baustelle: Immanuelkirchstraße 35

 

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3 Kommentare

Vollrad Kuhn 11. Juli 2017 at 16:25

Zum Beitrag „Mieter vom Prenzlauer Berg“ Teil 1 von heute: Ich hatte neulich mit Frau Auer telefoniert, ich habe mir wirklich viel Zeit genommen und versucht, auf Ihre Fragen einzugehen und teilweise sehr komplexe Sachverhalte zu erklären. Was ich nicht gesagt habe: Bezirksbürgermeister Sören Benn hat unterschrieben – wir als Bezirksamtsmitglieder unterschreiben keine Baugenehmigungen, das machen die entsprechenden Fachbereiche (ich habe angeordnet, dass in solchen kritischen Fällen ich bzw. mein Vertreter jetzt vorab rechtzeitig einbezogen werden)! Außerdem habe ich nicht gesagt, das der Bezirk alle Maßnahmen genehmigt hat – es gab auch Maßnahmen, die abgelehnt wurden (z.B. Wandheizung im Vergleich Fußbodenheizung). Die Mieterberatung war übrigens in unserem Auftrag von Anfang an einbezogen

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Kristina Auer 11. Juli 2017 at 19:41

Hallo Herr Kuhn,

danke für Ihre Rückmeldung! Die zwei von Ihnen erwähnten Punkte habe ich scheinbar falsch verstanden. Ich habe den Artikel upgedatet und Ihre Anmerkungen eingefügt. Dank und Gruß,
Kristina Auer

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Milieuschutz per du: Räumungsklagen gegen Mieter | Mieterforum Pankow 21. Juli 2017 at 0:42

[…] dafür. Die Gründe und Hintergründe für diese Genehmigung liegen nach wie vor im Dunklen. Zwar räumt heute der zuständige Bezirksstadtrat Kuhn ein, dass diese Genehmigung nicht hätte erteilt werden „müssen“. Aber die Aufklärung […]

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