Die Mühlen von Prenzlauer Berg

Die Mühlen von Prenzlauer Berg

von Sonja Koller 12. April 2022

Dass in Prenzlauer Berg einst etliche Mühlen standen, ist heute kaum vorstellbar. Doch früher war das Gebiet vor dem „Prenzlauer Tor“ der größte Mehlproduzent Berlins.


Eigentlich ist Prenzlauer Berg urberlinerisch. Das Gebiet war nie ein Dorf , das später eingemeindet wurde, es gehörte von Anfang an zu Berlin. Aber es war nicht immer das schicke Altbauviertel, wie wir es heute kennen. Früher gab es hier vor allem viel Wald, der aber bereits im 13. Jahrhundert gerodet wurde. Es entstand Ackerland, das gemeinschaftlich bestellt wurde. Allerdings sollte nicht nur der Boden der Anhöhe vor dem Prenzlauer Tor die Berliner*innen ernähren.

Seit 1700, noch vor der Industrialisierung, wuchs die Bevölkerung Berlins  beständig. So wurde es in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts immer schwieriger, Berlins Bevölkerung mit Mehl und Brot zu versorgen; die Windmühlen, die innerhalb der Stadtmauern Berlins standen, reichten schlicht nicht mehr aus. Außerdem forderten immer mehr Berliner Fabrikanten, einige der Windmühlen abzureißen. Sie nahmen Raum weg, den die Geschäftsmänner für die Erweiterung ihrer Unternehmen benötigten. Friedrich II., König von Preußen, musste also handeln.
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Die Anhöhe vor dem Prenzlauer Tor wird zum Mühlenberg

Er ordnete an, mehr Windmühlen außerhalb der Stadt  zu errichten. Als besonders geeignet empfand er den Ort vor dem „Prenzlauer Tor“ – die heute Ecke von Torstraße und Prenzlauer Allee –, an dem in der Vergangenheit bereits Wein angebaut wurde. Damals führten nur zwei kleine Wege durch das Ackerland am Gebiet des heutigen Prenzlauer Bergs; einer davon hieß bezeichnenderweise „Verlorener Weg“. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden diese Pfade schlagartig wichtiger, als Müllermeister Christoph Müncheberg die ersten beiden Windmühlen in der Gegend errichtete. Sie standen da, wo heute die Metzer Straße 15/16 verläuft, zwischen Senefelderplatz und Wasserturm.

Das Konzept ging auf, die Mühlen sorgten für mehr Brot. Außerdem wurde aus der Rinde junger Eichen dort Lohe hergestellt: Ein Stoff, der vor allem von Gerbern gebraucht wurde, die diesen nutzen, um Leder zu bräunen und haltbar zu machen. So wurden bereits kurz darauf sechs weitere Mühlen zwischen dem Viereck Prenzlauer Allee, Saarbrücker, Straßburger und Metzger Straße errichtet. Auf den Berg führte eine Straße, die damals Mühlenweg genannt wurde. Heute kennen wir ihn als Straßburger Straße.

In den nächsten sieben Jahren folgten den ersten Windmühlen so viele, dass schließlich über 30 Mühlen auf dem „Mühlenberg“ standen. Die meisten von ihnen befanden sich in der Nähe der ersten erbauten Windmühlen in dem Gebiet, aber auch auf der heutigen Greifswalder Straße gab es sieben Stück. Die Anhöhe wurde schnell zum wichtigsten Mühlenstandort der Stadt. Und das, ohne die Ackergrenzen zu beschädigen oder zu verändern.

 

Die Spuren des alten Ackerlandes

Denn noch bis 1800, also als bereits mehr als die Hälfte der Mühlen Berlins in Prenzlauer Berg standen, befand sich außer ihnen nur Acker auf der Anhöhe. Auf Bildern bis ins Jahr 1847 kann man erkennen, dass der Bereich des heutigen Prenzlauer Bergs immer noch sehr ländlich aussah, außerhalb der alten Stadtmauern befanden sich vor allem Friedhöfe.

Noch heute gleicht das Straßenbild Prenzlauer Bergs jener Version aus der Zeit, zu der hier noch großflächig angebaut wurde.  Die Bebauung hat sich größtenteils an den Grenzen der früheren Felder gerichtet. Die Kastanienallee etwa besteht schon seit zwei Jahrhunderten als Feldweg. Damals war sie noch lehmig und an beiden Seiten mit Gras und Unkraut bewachsen.

Diese Entwicklung ist nicht zufällig und vermutlich auf dem Schreibtisch von James Hobrecht entstanden. Der preußische Städteplaner entwickelte einen neuen Bebauungsplan, der das alte Straßenbild nicht antastete, selbst wenn es nicht in das eigentliche Bebauungsmuster passte. Hobrecht ist auch für die meisten der öffentlichen Plätze  Prenzlauer Bergs verantwortlich. Denn Humann- und Helmholzplatz etwa hat er geplant. Seine Planungen wurden 1862 von vielen Berliner*innen noch als größenwahnsinnig abgetan.

 

Die Windmühlen von Prenzlauer Berg müssen weg

Zu Hobrechts Zeiten kam der Großteil des Mehls in Berlin noch aus Prenzlauer Berg. Aber weil immer mehr auf der Anhöhe erbaut wurden und diese so immer dichter aneinander standen, nahmen sie sich irgendwann gegenseitig den Wind. Auch Brände wurden zu einem immer höheren Risikofaktor. Es wude deutlich: Die Mühlen müssen weg.

Berlin wuchs immer weiter, und das vor allem in nördliche Richtung. Die Wohnungen, die Hobrecht zunächst nur auf einem Plan skizziert hatte, wurden schnell erbaut, die Mühlen mussten nach und nach weichen. Die letzte Mühle von Prenzlauer Berg drehte 1900 ihre Flügel.

 

Titelbild: Der Windmühlenberg vor dem Prenzlauer Tor um 1800 / Foto: Museumsarchiv Pankow

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