Klavier

Ein Klavier, ein Klavier

von Julia Schmitz 23. März 2021

Nach dem langen Corona-Winter dürstet es die Menschen nach Kultur und Gemeinschaft. Die Pankower SPD-Fraktion will deswegen Klaviere in den öffentlichen Raum stellen – zur Nutzung für alle.


Musik über Kopfhörer lauschen ist keine schlechte Sache. Aber ist es nicht noch schöner, jemanden live auf einem Instrument spielen zu hören? In Zeiten der Pandemie ist das für die meisten von uns nicht möglich, ausgenommen für jene, die mit Musiker*innen zusammenleben – denn alle kulturellen Veranstaltungen sind bis auf weiteres abgesagt.

Doch mit dem nahenden Frühling und Sommer kann – und muss – das Leben wieder nach draußen verlegt werden, und wenn es nach der Pankower SPD-Fraktion geht, wird es dann musikalisch: In der kommenden Bezirksverordnetenversammlung beantragen sie, dass an ausgewählten Orten im Bezirk und für einen begrenzten Zeitraum Klaviere aufgestellt werden. Und dann soll jeder nach Lust und Laune darauf klimpern dürfen.

 

Klavier auf Weltreise

In anderen Städten und Ländern wird diese Idee längst umgesetzt. 2008 begann der britische Künstler Luke Jerram damit, erste Tasteninstrumente auf öffentliche Plätze oder Märkte zu stellen; schlichte Pianos, gekennzeichnet allein mit dem Satz „Play me, I’m yours“ – viele von ihnen wurden später von lokalen Künstler*innen gestaltet und somit auch noch eine Art lebendiger Skulptur.

Über 2000 Klaviere sind seitdem rund um den Globus gereist und wurden von erfahrenen oder weniger erfahrenen Musiker*innen in New York und Tokio, Brisbane und Barcelona, London und Luxemburg genutzt. Im vergangen Sommer nahmen mit Augsburg und München zum ersten Mal zwei deutsche Städte an dem Kunstprojekt teil.

Unbewachte Klaviere mitten in Berlin, kann das gutgehen – oder fallen die Instrumente schneller dem Vandalismus zum Opfer, als jemand Beethovens Für Elise intonieren kann? Genau das will die SPD-Fraktion, sollte ihr Antrag vom Bezirksparlament durchgewunken werden, in einer Gesprächsrunde diskutieren. Auch das Thema Lärmbelästigung, das gerade im Zusammenhang mit den Straßenmusiker*innen im Mauerpark immer wieder für Streit sorgt, muss bedacht werden. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage: Wer soll die Klaviere eigentlich bezahlen?

 

Klavier in Melbourne, Australien / Foto: Chris Brown

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