Franziska Sattler

Die Dinosaurierfrau

von Julia Schmitz 2. Februar 2021

Franziska Sattler ist Paläontologin für Wirbeltiere – und lädt im Naturkundemuseum jeden Monat zum „Kaffeeklatsch mit Wissenschaft“. Wir stellen euch die „famose Frau“ vor.


„Am liebsten habe ich als Kind mit Plaste-Dinosauriern gespielt. Ich war ungefähr drei Jahre alt, als ich meiner Mutter gesagt habe, dass ich ‚Dinofrau‘ werden möchte“, erzählt Franziska Sattler mit einem Lachen. Der Berufswunsch stand für die 32-Jährige aus Prenzlauer Berg also schon sehr früh fest. Doch wie wird man überhaupt Paläontologin?

Nach dem Abitur bewarb sie sich zunächst für ein Praktikum in der Wirbeltierpaläontologie am Berliner Naturkundemuseum, wo sie kleine Knochen sortierte und katalogisierte – und damit den Grundstein für ihre berufliche Laufbahn legte. „Es gibt keinen spezifischen Studiengang für Paläontologie, man muss entweder Biologie oder Geologie studieren und sich später spezialisieren“, erklärt sie.

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Dies ist ein Text aus unserer Reihe
„Famose Frauen aus Prenzlauer Berg“


Sie entschied sich für eine Mischung aus Beidem, absolvierte zunächst einen Bachelor in Geowissenschaft und dann einen Master in Evolutionsbiologie an der Freien Universität Berlin. Im Rahmen eines Auslandssemesters nahm sie im amerikanischen Montana an Ausgrabungen teil, reiste später mit dem T-Rex „Tristan“ aus dem Berliner Naturkundemuseum nach Amsterdam und untersuchte Dinosaurierspuren in der Nähe von Hannover. Nicht selten war sie dabei die einzige Frau aus dem Fachgebiet.

Eine Thema, das Franziska Sattler sowohl beruflich als auch privat interessiert. Warum sind Frauen in der Wissenschaft weniger sichtbar als ihre männlichen Kollegen? Um im Wissenschaftsbetrieb mithalten zu können und eine Anstellung zu finden, erklärt sie, müsse man regelmäßig wissenschaftliche Arbeiten zu eigenen Forschungen veröffentlichen; was man wiederum nur tun könne, wenn man auch das passende Forschungsumfeld habe – das man oft nur erreicht, wenn man promoviert.

Doch eine mehrjährige Doktorarbeit lasse sich in vielen Fällen nur schwer mit der Familienplanung in Einklang bringen, hinzu komme die in der Wissenschaft gängige Befristung von Arbeitsverträgen auf zwei Jahre, die fehlende Elternzeit sowie die erforderliche Bereitschaft, auch im Ausland zu arbeiten. „Das können oder möchten viele Frauen nicht machen“, sagt sie.

Franziska Sattler

Im Digitalen Kaffeeklatsch mit Paläontologin Franziska Sattler (rechts) / Screenshot: Julia Schmitz

 

Auf einen Kaffee mit der Wissenschaft

Nicht nur, aber auch vor diesem Hintergrund entwickelte Franziska Sattler vor zwei Jahren die Veranstaltungsreihe „Kaffeeklatsch mit Wissenschaft“, die einmal im Monat im Berliner Naturkundemuseum – und seit der Pandemie virtuell – stattfindet und vor allem Wissenschaftlerinnen zu Wort kommen lässt. Bei freiem Eintritt und kostenlosem Kaffee für die Besucher plaudern diese über ihren Fachbereich, sei er noch so speziell: Mal geht es um invasive Pflanzen, Insekten oder Fledermäuse, mal um Autoimmunkrankheiten oder Darm-Mikrobiome – und natürlich auch immer wieder um Paläontologie.

„Das Interesse am wissenschaftlichen Kaffeeklatsch ist von Anfang an groß gewesen. Vielleicht haben sich die Leute auch vorher schon für diesen Themen interessiert, aber durch die Veranstaltung, und jetzt vor allem durch die Übertragung ins Internet, wird das Ganze einfacher zugänglich“, so Franziska Sattler.

Sie möchte bewirken, dass die Forscher*innen aus dem berühmten Elfenbeinturm geholt werden; ihre Arbeit will sie für Jedermann verständlichmachen und zeigen: Wissenschaftler*innen wissen auch nicht alles, sondern sind ganz normale Menschen, denen man bei einem Kaffee Fragen stellen kann. Angesichts der Leidenschaft, mit der Franziska Sattler dieses Projekt verfolgt, kann man sagen: Sie hat ihr Ziel erreicht.

 

Titelfoto: Franziska Sattler

 

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