Wir expandieren und fragen Papa nach dem Mauerfall

von Kristina Auer 12. November 2017

In dieser Woche drehte sich bei uns viel um den 9. November, ein wichtiger Jahrestag gerade in Prenzlauer Berg. Außerdem machen wir den Faktencheck am Thämannpark und expandieren nach Mitte.


Liebe Mitglieder und Abonnenten!

Der 9. November 1989 muss in Prenzlauer Berg ein aufregender Tag gewesen sein! Erinnert Ihr Euch noch, wie und wo Ihr diesen Tag erlebt habt? Meine Kollegin Constanze Nauhaus und ich waren damals gerade mal drei Jahre alt, da ist es mit den Erinnerungen nicht weit her. Deshalb haben wir Euch gefragt, unsere Leser. Und Constanze ihren Papa, der einiges zu erzählen hat in unserem:

 

Thema der Woche: Mit Papa beim Mauerfall

  • Papa, wie war das damals? Am 9. November 1989 wurde die Welt für viele über Nacht zu einer anderen – gerade auch in Prenzlauer Berg. Constanze Nauhaus hat ihren Vater Kilian gefragt, woran er sich erinnert.
  • Mauerfall in Prenzlauer Berg: Wir wollten auch von Euch wissen, wie Ihr diese aufregende Nacht vor 28 Jahren erlebt habt. Gleich zur Bornholmer gerannt? Am nächsten Morgen in einer anderen Welt aufgewacht? Hier kommen Eure vier schönsten Geschichten.

 

Und was war sonst los in Prenzlauer Berg?

  • Prenzlauer Berg expandiert: Wenn im Stadtteil nicht mehr genug Platz ist, müssen wir uns eben vergrößern. So macht es jetzt die Staatsgalerie Prenzlauer Berg, die nach zweijähriger Pause wiedereröffnet – in Mitte!
  • Fakten-Check Thälmannpark: Großer Aufruhr in diesen Tagen um den alten Güterbahnhof am Thälmannpark: Es werden doch keine Wohnungen gebaut, hieß es. Wir erklären mal kurz, was stimmt und was nicht.
  • Vollmond ist gerade vorbei, dafür kehrt Jupiter nach langer Unsichtbarkeit an den Himmel über Prenzlauer Berg zurück. Außerdem: Ein geflügeltes Pferd und schwer erkennbare Fische in der Sternenkolumne aus dem Zeiss-Großplanetarium im November.

 

Kurznachrichten

  • Sturmschäden: Der Bezirk warnt weiter vor dem Betreten der baumreichen Grünflächen im Bezirk, weil Äste und Teile von Baumkronen nach den Herbstürmen lose und noch nicht gesichert sind. In Prenzlauer Berg geht es hauptsächlich um den Volkspark und alle öffentlichen Friedhöfe. Für Notfallmaßnahmen wurden 609 000 Euro bereitsgestellt, die Arbeiten sind aber noch nicht abgeschlossen.
  • Ämterüberlastung: Krankheitsbedingt muss das Pankower Gewerbeamt in der Fröbelstraße von 13. bis 24. November geschlossen bleiben.
  • Nein zu Gewalt an Frauen: Zum Aktionstag gegen Gewalt an Frauen sind am 25. November berlinweit Veranstaltungen geplant. In Prenzlauer Berg beginnt die Aktion „Für ein Zuhause ohne Gewalt“ schon am 24. September. In den Schönhauser Allee Arkaden gibt es Informationen zum Thema häusliche Gewalt von Mitarbeitern von Antigewaltprojekten, der Berliner Polizei, der Pankower Gleichstellungsbeauftragten Heike Gerstenberger und Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke).

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Unsere Fundstücke für Prenzlauer Berg:

  • Vorbei: Daniel Brühls Tapasbar Gracia in der Göhrener Straße muss nach nur 9 Monaten wieder schließen, berichtet die Berliner Zeitung.
  • Kastanienallee: Dass sie tot ist, schreiben unsere Kollegen in letzter Zeit. Immer mehr kleine Läden machten zu und würden durch Ketten ersetzt. Auch die Abendschau war jetzt zu Besuch.
  • Auf Nummer sicher: Wo in Berlin sich der Immobilienkauf noch lohnt, hat der Spiegel herausgefunden. Ratet mal, in welchem Stadtteil eine Investition als besonders sicher gilt. An alle Wohnungseigentümer: Herzlichen Glückwunsch! An alle anderen: seufz.
  • Illegaler Sperrmüll: Dessen Entsorgung kostete Berlin im letzten Jahr 4,3 Millionen Euro, schreibt die Bildzeitung. Besonders absurd: Direkt vor dem Recyclinghof in der Behmstraße werde außerhalb der Öffnungszeiten massenhaft Müll abgeladen.

 

Kriminelles und Unschönes aus dem Kiez:

  • Am Sonntagmorgen hat ein Mann Polizeibeamten vor einem Imbiss in der Prenzlauer Allee mehrfach den Hitlergruß gezeigt und wurde vorläufig festgenommen.
  • In der Nacht zum Dienstag ist in der Hanns-Eisler-Straße ein Transporter ausgebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, der polizeiliche Staatsschutz ermittelt.
  • In der Nacht zum Donnerstag haben Polizeibeamte einen 27-jährigen Motorraddieb festgenommen. Sie hatten ihn beim Schieben einer gestohlenen Maschine beobachtet.

 

Diese Berliner Themen sind wichtig für uns:

  • Geschützte Fahrradstreifen: Sie sollen tatsächlich kommen, und zwar mit Pollern und grünem Belag. Die Berliner Zeitung zeigt, wie das aussehen wird.
  • Sanierungsstau an Schulen: Um den abzubauen, sollen die Bezirke künftig enger zusammen arbeiten, berichtet der Tagesspiegel. Der rbb hat mit Pankows Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) gesprochen. Die Berliner Zeitung hat das marode Schadow-Gymnasium in Zehlendorf besucht.
  • Bürgerämter-Chaos: Gebannt ist es nicht, weiß auch Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD). Als Verursacher sehe er jahrelange Sparmaßnahmen und die Bezirksreform von 2000, sagte er der Berliner Morgenpost. Anstatt die Bürokratie grundlegend umzubauen, müssten die bestehenden Strukturen besser ausgestattet werden.

 

*** Umfrage ***

Und, war hier nun früher alles besser? Schlechter? Oder vielleicht schlesser? Um jetzt weder in nostalgische Lamoryanz noch in pseudofreshen verbalen Aktionismus zu verfallen, haben wir einfach mal eine Umfrage erstellt:
War hier früher alles schlesser?
Und: Was soll sich ändern, was soll bleiben, wie es ist? Das könnt nur Ihr wissen, die Prenzlauer Berger – egal, ob Ihr seit zwei, zwanzig oder fünfzig Jahren hier lebt. Aus Euren Antworten werden wir die drei Themen basteln, die von Euch als wirklich heißer Stoff gehandelt werden. Und nur Ihr, unsere Abonnenten, dürft anschließend darüber abstimmen, was wir letztendlich recherchieren.

 

Gedenken in Prenzlauer Berg:

Der 9. November ist nicht nur der Jahrestag des Mauerfalls, sondern auch der Pogrome von 1938. Der Bezirk gedenkt jedes Jahr mit Kranzniederlegungen auf den Jüdischen Friedhöfen in Weißensee und Prenzlauer Berg. Auch die Prenzlauer Berger erinnern an die Verbrechen des Nazis-Regimes, beispielsweise mit Blumen und Kerzen wie an diesem Stolperstein.

 

Termine und Tipps:

  • Freitag, 10. NovemberStummfilmkonzert in der St. Augustinuskirche – gezeigt wird der Stummfilm Christus von 1916, begleitet von Orgelimprovisationen im Wechsel mit chorischen Elementen; am Pfefferberg Theater finden seit gestern die Luftartistik-Festspiele statt;
  • Samstag, 11. November: Lesung aus dem japanischen Krimi „Der Sonnenschirm der Terroristen“ bei Fräulein Schneefeld & Herr Hund; für die Vorstellung „Das gute Leben“ im Ballhaus Ost haben Leon Ullrich und Johann Kuithan viele Gespräche mit Pankowern und Prenzlauer Bergern geführt.
  • Dienstag, 14. November: Am Pfefferberg Theater öffnet wieder der Glaspalast mit Märchenvorführungen.
  • Mittwoch, 15. November: In der Gesprächsreihe „StadtWertSchätzen“ wird in der Notkappelle/Salon des Réfusés in der Prenzlauer Allee über gegenwärtige Strategien zum Wohnungsbau diskutiert. Zu Gast sind u.a. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) und Peter Weber vom Vorstand der Selbstbau Wohnungsgenossenschaft.
  • Donnerstag, 16. November: Beim Prenzlauer Berg – Erzählsalon des Rohnstock Verlags in den Schönhauser Allee Arcaden könnt Ihr Euch die schönsten Kiezgeschichten anhören und erzählen; um Leben und Werk der Schriftstellerin Angela Rohr geht es bei einer Buchvorstellung in der Bettina-von-Arnim-Bibliothek.

 

Das habt Ihr vielleicht verpasst:

  • Erste Stunde: Welt retten – Beziehung verbessern, Traumjob finden, Selbstvertrauen entwickeln: Die „School of Life“ lehrt Großstädter, ihr Leben zu optimieren. Und trifft damit in Prenzlauer Berg einen Nerv.
  • Haus und Hirschhof – Die Bauarbeiten für das Nachbarschaftshaus auf dem neuen Hirschhof verzögern sich seit Monaten. Ende November könnte es tatsächlich fertig werden.
  • Baustart am Mauerpark – Für Autos, Fahrradfahrer und Füßgänger wird es am Mauerpark noch enger: Am 6. November starten die Bauarbeiten für den unterirdischen Stauraumkanal.

 

Unser Zitat der Woche:

  • „Wir liefen die Osloer Straße vor. Als so besonders aufregend erwies sich diese Straße zwar nicht, und unser Versuch, eine Flasche Sekt zu kaufen, scheiterte am mangelnden Westgeld. Aber es waren unzählige Leute unterwegs, und alle waren völlig außer sich vor Begeisterung. Eure Generation, für die offene Grenzen eine Selbstverständlichkeit sind, kann dieses Gefühl von „es ist nicht zu fassen“, das wir damals alle hatten, wahrscheinlich nicht recht nachvollziehen. Aber so war es. Jahrelanger Gefühlsstau löste sich nun auf.“

 

Das sagt Kilian Nauhaus über den 9. November 1989, an dem er als einer der Ersten an der Bornholmer Straße nach Westberlin durchgelassen wurde. Unsere Redakteurin Constanze Nauhaus hat ihren Papa gefragt, wie das mit dem Mauerfall damals eigentlich so gelaufen ist.

Und ich koche mir jetzt direkt nochmal eine schöne Kanne Ingwertee und mache ein Dampfbad – und denke dabei ganz fest daran, dass es auch irgendwann wieder Frühling wird. Das hat sicher erkältungsbekämpfende Wirkung!

Bleibt gesund und lasst es Euch gut gehen!

Eure Kristina Auer & die ganze Redaktion

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