Verkehrsinitiative fordert Pop-Up-Kiezblocks

von Sarah Schaefer 7. Mai 2020

Wann kommt Pankows erster Kiezblock? Angesichts der Corona-Krise wollen Verkehrsaktivist*innen nicht länger warten und fordern, dass der Bezirk die Maßnahme zur Verkehrsberuhigung kurzfristig umsetzt.


Los ging es mit Schwung, doch mittlerweile ist es in Pankow still geworden um das Projekt, das Wohngebiete vom Durchgangsverkehr befreien soll: Die Umsetzung eines ersten Kiezblocks lässt auf sich warten.

Dabei wäre genau jetzt der richtige Moment, um loszulegen. So sieht es zumindest das Netzwerk Fahrradfreundliches Pankow, ein Bezirksableger des Vereins Changing Cities. Gemeinsam mit Anwohner*innen und befreundeten Initiativen hatte das Netzwerk in zwei Workshops Vorschläge für insgesamt 18 Kiezblocks in Pankow erarbeitet und dem Bezirksamt im Februar übergeben.

Nun fordert die Initiative Sofortmaßnahmen, um auf das veränderte Verkehrsaufkommen in der Corona-Krise reagieren zu können. „In Zeiten von Corona haben wir deutlich weniger Autoverkehr“, sagt Netzwerk-Sprecher Tobias Kraudzun. „Doch der wird zurückkommen.“ Kraudzun geht davon aus, dass auf der Suche nach Alternativen zum ÖPNV mehr Menschen aufs Auto umsteigen, wenn die Einschränkungen nun nach und nach zurückgefahren werden – mit den entsprechenden Folgen für Pankows Straßen und Kieze. „Wo es vorher schlimm war, wird es deutlich schlimmer werden“, sagt er.

 

Kurzfristige Kiezblocks in fünf Gebieten

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Darum müsse man jetzt die Gelegenheit nutzen, mithilfe der Kiezblock-Strategie Wohngebiete zu entlasten, bevor die Verkehrsmassen wieder anrollen. Das Netzwerk benennt fünf Gebiete, die besonders vom Durchgangsverkehr betroffen und daher die drängendsten Kandidaten für kurzfristig eingerichtete Kiezblocks seien: In Prenzlauer Berg sind das die Gegend um den Helmholtzplatz, der Arnimkiez und der Gleimkiez – aus Sicht der Verkehrsaktivist*innen sollte es vermieden werden, dass sich der Gleimtunnel nach der Zeit der Sperrung wieder als Abkürzung für Autos etabliert.

Das Prinzip der Kiezblocks: Ein System aus Einbahnstraßen, Einfahrtssperren und so genannten Diagonalsperren – oft nur als „Poller“ bezeichnet – leitet Autofahrer*innen so durch die Straßen, dass sie in der Regel wieder dort herauskommen, wo sie hineingefahren sind. Damit sollen die Wohnquartiere unattraktiv für den Durchgangsverkehr werden. Autos sollen allerdings weiterhin erlaubt sein.

Damit unterscheidet sich die Berliner Variante von ihrem Vorbild, den Superblocks in Barcelona: Dort sind nur Rettungswagen oder Fahrzeuge von Gewerbetreibenden erlaubt. Anwohner dürfen in die Superblocks hineinfahren, um ihre Autos abzustellen, meist in unterirdischen Parkhäusern.

 

Mehr Platz auf dem Gehweg vorm Edeka

„Pop-Up-Kiezblock“ nennt Kraudzun die kurzfristige Umsetzung dieser Verkehrsmaßnahme, in Anlehnung an die Pop-Up-Bikelanes – vorübergehend erweiterte Radspuren, die die Bezirke aufgrund der Corona-Pandemie einrichten, um Radfahrer*innen den nötigen Abstand zu ermöglichen. Vorreiter war hier Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow zog später nach. Auch für Anwohner*innen und Kinder schafft der Nachbarbezirk zusätzlichen Platz, indem er an Sonn- und Feiertagen bis zu 30 Straßen als temporäre Spielstraßen freigibt.

Derartige Aktionen sind in Pankow laut Verkehrsstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) derzeit nicht geplant. „In Pankow konzentrieren wir uns auf die Öffnung der Spielplätze sowie vorläufig zwei ‚reguläre‘ temporäre Spielstraßen“, teilt Kuhn auf Anfrage mit. Gemeint sind die temporären Spielstraßen in der Gudvanger und der Templiner Straße. Darüber hinaus werde es „Einzelaktionen“ geben. Unter anderem habe er veranlasst, etwas gegen „die zu geringen Abstände auf dem Gehweg vor der Edeka-Filiale in der Templiner Straße“ zu unternehmen.

 

Bis zu drei Kiezblocks bis Herbst 2021

Die Kiezblocks werden zwar kommen – doch wohl nur auf lange Sicht. Eine interne Arbeitsgruppe des Bezirksamts ist laut Kuhn derzeit damit beschäftigt, die Vorauswahl für Gebiete zu treffen, in denen das Projekt zur Verkehrsberuhigung starten soll. Man freue sich über die „Vorarbeit“ der Anwohner*innen und Initiativen, „da wir im Bezirksamt Pankow personell immer noch sehr knapp aufgestellt sind.“

Deren Entwürfe für die Kiezblocks seien jedoch nur eine Grundlage, nun müssten „vertiefte Untersuchungen“ folgen. Es fehlten Berechnungen unter anderem zu Schleppkurven und Auswirkungen auf Rettungsfahrzeuge. „Das wäre von den Initiativen so auch fachlich nicht zu leisten gewesen.“ 

Realistisch sei es, dass Pankow bis zu drei Kiezblocks bekomme, sagt Kuhn – einen davon möglicherweise noch in diesem Jahr, die anderen wohl bis Herbst 2021.

 

Foto: Im Kreuzberger Wrangelkiez halten Diagonalsperren den Durchgangsverkehr auf. © Kristina Auer

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