Baustelle Turnhalle Bonhoeffer-Straße

Turnhalle Bonhoeffer-Straße: Stimmt es, dass…

von Kristina Auer 2. Juli 2018

…die Baustelle ruht? Das angrenzende Haus einsturzgefährdet ist? Wir haben recherchiert, was an den Kiezgerüchten dran ist.


Wäre man Sarkast, man könnte sagen: In der Dietrich-Bonhoeffer-Straße steht das Wahrzeichen der Berliner Schulbaupolitik. Aber auch die neutrale Betrachterin muss feststellen: Wo seit zwei Jahren eine Riesen-Turnhalle entstehen soll, klafft nichts als ein tiefes Loch. Mit hohem Bauzaun außenrum, der die Sicht auf das absolute Nichts verdeckt.

 

Baufahrzeuge abgeholt

Kein Wunder, dass die Nachbarschaft stutzt – denn zuletzt war ja von der großen Einigung im jahrelangen Grundstücks-Streit in de Bonhoeffer-Straße die Rede gewesen. Für 770 000 Euro hatte der Bezirk im Herbst 2015 die letzten benötigten Quadratmeter in der Hausnummer 6 erstanden. Stolz verkündete er im August 2016 den Beginn der Bauarbeiten. Eigentlich sollte die Turnhalle mit vier Feldern schon 2019 fertig sein. Stattdessen beobachtete Anwohnerin Carolin, dass von der Baugrube schon länger nichts mehr zu hören und auch keine Veränderung zu sehen ist:

Unter den Anwohnern heißt es jetzt, dass der Bau seit Februar ruht, da das angrenzende Haus einsturzgefährdet sei. Baufahrzeuge wurden abgeholt.

Das schrieb uns Carolin, verbunden mit der Frage, ob wir vielleicht ein bisschen Licht ins Dunkel bringen könnten. Also nachgefragt bei denen, die es wissen könnten: Was ist da los mit der Baustelle und den großen Turnhallen-Plänen?

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Fortsetzung offen

„Laut meiner Informationslage ist nichts beschädigt, allerdings muss das nebenstehende Gebäude gegen Beschädigung abgesichert werden, bevor die Baugrube weiter geschachtet werden kann“, berichtet Michael Waiser von der Elternvertretung des Mendelsohn-Bartholdy-Gymnasiums, zu dem die Turnhalle einmal gehören soll. Man sei sich anscheinend nicht einig, welches Verfahren dazu angewendet werden solle, so Waiser, deswegen passiere momentan nichts. „Wann es weitergeht, ist leider offen.“

Die finale und deprimierende Auflösung bringt Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU): „Mitte Februar diesen Jahres sind leider Probleme bei der Ausführung der Gründungsarbeiten aufgetreten, die zu einer Unterbrechung der Bautätigkeit geführt haben.“ An der Lösung dieser Probleme, werde derzeit noch gearbeitet. Immerhin: „Das Nachbarhaus in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße 5 ist nicht durch bisherige Bauarbeiten beschädigt worden. Es besteht keine Einsturzgefahr.“ Konkret bestehe das Problem darin, dass sich der Nachweis der Standsicherheit des Gebäudes noch in der Prüfung befindet. Der sei für die Fortsetzung der Bauarbeiten unerlässlich und vom Baustatiker eingefordert worden. Es werde gerade daran gearbeitet, ein Ergebnis werde für Mitte Juli erwartet.

 

Bauträger schmeißt hin

Doch Kühne hat noch schlechtere Nachrichten:

Da die Unterbrechung nunmehr länger als drei Monate andauert, hat das mit den Bauarbeiten beauftragte Unternehmen von seinem Recht Gebrauch gemacht, den Vertrag zu kündigen. Demnächst wird die Baustelle beräumt und auch der Kran abgebaut.

Die Ausführungsunterlagen – wohl eine Art Gebrauchsanweisung für Baufirmen – müssten nun angepasst werden, was bis Ende Juli passiert sein soll, so Kühne. Danach werde das Bauprojekt neu ausgeschrieben und an einen Auftragnehmer vergeben.

Um wie lange sich die Fertigstellung verzögere, ist laut Stadtrat Kühne noch nicht genau einzuschätzen, vor 2020 sei jedenfalls nichts zu machen. Auch was die Kosten für den Turnhallenbau angeht, könne man noch nichts genaues sagen. Ursprünglich waren knapp elf Millionen Euro für die Sporthalle eingeplant, nun dürfte es wesentlich mehr werden. Ein neuer Kostenplan könne aber erst nach der Neuvergabe aufgestellt werden.

Gute Nachrichten klingen anders. Wir wollen jetzt nicht noch Öl ins Feuer gießen. Aber: Unser Kollege Thomas Trappe hatte schon 2014 in den Prenzlauer Berg Nachrichten prophezeit, dass „hier eine finanzielle und politische Bruchlandung droht“. Vier Jahre später ist allem Anschein nach genau das eingetroffen.

***

In unserer Rubrik „Gerüchteküche“ gehen wir in loser Folge Gerüchten aus dem Kiez auf den Grund. Was ist Dir zu Ohren gekommen? Erzähl es uns in unserer Umfrage, damit wir herausfinden können, was dran ist!

Teil 1: Stimmt es, dass Bornholm bebaut wird?

Teil 2: Stimmt es, dass die Brücke an der Greifswalder Straße nie mehr geöffnet wird?

Teil 3: Stimmt es, dass in Prenzlauer Berg berlinweit die meisten Fahrräder geklaut werden?

Teil 4: Stimmt es, dass der Wasserturm Nena gehört?

Teil 5: Stimmt es, dass die Bauruine in der Kopenhagener Straße fertiggebaut wird?

Teil 6: Stimmt es, dass die Kirschbäume unter der Bösebrücke im Winter blühen?

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4 Kommentare

Andreas Niebel 3. Juli 2018 at 12:51

Hallo,
meines Wissens steht auch der Bau der Sporthalle der Reinhold-Burger-Schule in der Neuen Schönholzer Straße seit Jahren still. Das ist zwar nicht Prenzlauer Berg, aber der gleiche Bauherr: das Bezirksamt Pankow.
Als nächstes (hoffentlich erfolgreicher) startet im September der Neubau für die Sporthalle der Humann-Grundschule.

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Marlen Nebelung 25. Juli 2018 at 10:24

Hallo, vielen Dank für die Recherchen zu der Dietrich Bonhoeffer Str. Baustelle! Inzwischen sind die Baukontainer und der Kran geräumt. Super wäre es, wenn Ihr demnächst recherchieren könntet, wie das Baugrund-Gutachten, das bis Mitte Juli eingeholt werden sollte, ausfällt. Wir haben – nebenan wohnend – gesehen, dass während der Bauarbeiten an der Grube ein Bagger eingebrochen ist. Es scheint also wirklich unerwartete Instabiliäten im Boden zu geben.
Weiter fände ich interessant, wie auf der Grundlage des Gutachtens dann neue Baukosten zu veranschlagen sind. Was sind verhältnismäßige Kosten für eine Sporthalle? Es kann ja nun nur noch viel teurer werden.
Und: Nicht abgebaut wurde der vor dem Zaun stehende Fussgänger-Bau-Schutztunnel. M. E. wäre es gut, den für die nun absehbar lange Stillstandszeit zurückzubauen, weil er auch potenziell gefährlich ist. Vor einiger Zeit gab es einen kleinen Überfall in der Straße, in der eine Bande die Opfer eingekesselt hat. Die Tunnel wäre für Vergleichbares ein „übel guter Ort“. An wen müsste man sich wenden, um die Tunnel auch noch abbauen zu lassen?

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Kristina Auer 27. Juli 2018 at 16:25

Liebe Marlen, vielen Dank für die vielen Hinweise! Wir werden da sicherlich nochmal nachhaken. Zuständig für den Tunnel müsste das Amt von Herrn Kühne sein. Liebe Grüße, Kristina

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Andreas Niebel 24. August 2018 at 11:43

Hallo,
das Bohrgerät ist wegen eines nicht bekannten alten Bestandskeller eingebrochen.
Der Tunnel wurde vom Bezirksamt Pankow, SE FM, Fachbereich Hochbau mit Sitz in der Storkower Str. 97 aufgestellt.

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