Bauruine: Stimmt es, dass…?

von Constanze Nauhaus 21. März 2017

Immer wieder haben unsere Leser gefragt, was aus der seit Jahren verrottenden Altbauruine in der Kopenhagener Straße 13 werden soll. Wir haben recherchiert und sind selbst ganz überrascht, was dabei rauskam.

Der Architekt bricht in schallendes Gelächter aus. „Der war gut“, japst er nach einer kleinen Ewigkeit. „Nein, Häuser sollten sich schon selbst tragen, in Berlin und überall sonst auf der Welt auch“, lautet Stephan Thieles lapidare Antwort auf die Frage, ob denn sein Neubau neben der Kopenhagener 13 wirklich die Aufgabe hat, das Nachbarhaus zu stabilisieren. Neben dem schicken neuen Eckhaus „K12 – Haus am Affen“ direkt am Affenspielplatz, in das bald die ersten Bewohner, unten ein Edelitaliener und zudem eine Jugendhilfsorganisation einziehen werden, sieht die Bauruine der Nummer 13 noch viel verwahrloster aus als in den vergangenen Jahren. Viel ist seit unserem letzten Artikel nicht passiert, und der ist schon gute vier Jahre alt. Noch immer verdeckt blaue Plastikfolie den Blick ins Innere, noch immer klebt der Zettel einer längst nicht mehr zuständigen Hausverwaltung an der Tür. Die anfängliche Empörung im Kiez (über Sanierung, Entmietung, Zermürbungstaktik) angesichts des Falles Kopenhagener 13 ist mit den Jahren einer fassunglosen Gleichgültigkeit gewichen. Die Ruine ist fester Bestandteil des Straßenbildes geworden, ruft gemischte Gefühle hervor. Da ist einerseits Kopfschütteln darüber, dass gerade in einem Viertel wie diesem ein Haus jahrelang leerstehen kann, andererseits Resignation. Denn wo, wenn nicht hier.

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Eine Wohnung steht zum Verkauf

 

Und dann das: Das Internet verrät, dass in besagter Bauruine eine Wohnung zum Verkauf angeboten wird. 342.000 Euro für 96 Quadratmeter. Im jetzigen Zustand, versteht sich. Anruf beim in Dahlem ansässigen Immobilienmakler: „Ja, dieses Jahr soll mit den Arbeiten begonnen werden“, verrät Torsten Ferber. Und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. Demzufolge ging der alte Bauherr zu einem Zeitpunkt pleite, als die meisten Wohnungen schon verkauft waren.Der Insolvenzverwalter musste nun die noch in der Insolvenzmasse verbliebenen Wohnungen in Geld verwandeln, um die Gläubiger zu bezahlen. Wie das in solchen Fällen eben läuft. Abgeschlossen sei das Insolvenzverfahren vor etwa zwei Jahren gewesen, und als neuer Bauherr beauftragte die frisch gebackene Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) einen Architekten. Doch auch dieser zweite Anlauf für das Haus zieht sich in die Länge, da den Bau diesmal eine WEG finanziert. Und da muss nicht eine, da müssen die Banken jeder einzelnen Partei zustimmen, Kredite vergeben. Das dauert.

Und die von ihm angebotene Wohnung? Das hässliche Entlein etwa? „Nein, der Voreigentümer wollte dort einziehen, aber wie das so ist. Man kauft die Wohnung, dann passiert ewig nichts, und mittlerweile hat er sich in Kreuzberg eingelebt.“ Für Ferber ist es eines der ungewöhnlichsten Objekte, die er bislang angeboten hat. „Normalerweise kauft man eine fertige Eigentumswohnung oder man kauft sie vom Bauträger.“ Mit einem gewissen Risiko, wie der Fall in der Kopenhagener Straße 13 deutlich macht. „Aber hier kaufen Sie eine Wohnung mitten im Prozess, Sie steigen als Bauherr in eine Eigentümergemeinschaft mit ein.“ Das ist manchen suspekt.

Mehr Fahrstühle als Bewohner gibt es bislang in der Kopenhagener Straße 13 – Blick in den Innenhof von der Dänenstraße aus (Foto: Constanze Nauhaus)

Dass nun tatsächlich gebaut wird, daran hatte im Kiez niemand mehr geglaubt. Ein Antrag auf „Modernisierung und Instandsetzung eines Mehrfamilienhauses mit Anbau von Balkonen und Dachgeschossausbau“ ist bereits 2015 von der WEG beim Pankower Stadtentwicklungsamt gestellt und die entsprechende Genehmigung erteilt worden. Kurz also nach Abschluss des Insolvenzverfahrens. Allerdings liege der Bauaufsicht noch keine Anzeige zum Baubeginn vor.

Aber was hat es mit dem Gerücht auf sich, eine Stützwand sei damals abgesackt, nach dem Einbau einer Tiefgarage? Die Vermutung mangelnder Standsicherheit formulierte Pankows damaliger Bezirksverordneter Michail Nelken (Linke) 2014 in einer Kleinen Anfrage. „Keine erkennbaren konstruktiven Mängel“, so das Bezirksamt damals.  „Man dachte anfangs, dass der immer noch sichtbare Riss an der Seitenwand am Sims von einem Absacken komme. Ist aber nicht so“, ist sich auch Immobilienmakler Ferber sicher, so wie der K12-Architekt Stephan Thiele: „Keine Tragwerksrisse.“ Die Rissanalyse des Prüfstatikers habe ergeben, dass der Riss aufgrund der Verfärbung schon vorher existiert haben muss.

Fazit: Das Haus trägt sich ganz von allein. Und die Risse in der Fassade sollen schon vor dem Einbau der Tiefgarage entstanden sein. Nach Jahren des Leerstands wird – so die Planung – das Haus noch in diesem Jahr seinen zweiten Frühling erleben. Nach der langfährigen Vorgeschichte glauben wir das aber erst, wenn wir den Bauleuten leibhaftig bei dre Arbeit zuschauen können.

In unserer Rubrik „Gerüchteküche“ gehen wir in loser Folge Gerüchten aus dem Kiez auf den Grund. Was ist Dir zu Ohren gekommen? Erzähl es uns in unserer Umfrage, damit wir herausfinden können, was dran ist!

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