Laura findet die Idee mit dem Pfandbecher super. Hat allerdings meistens ihren eigenen mit (Foto: Constanze Nauhaus)

Ordentlich gebechert

von Constanze Nauhaus 22. August 2017

Immer mehr Cafés bieten auch in Prenzlauer Berg Pfand-Kaffeebecher an, was bei vielen Kunden gut ankommt. So richtig begeistert sind manche Cafébetreiber vom Pfand-System allerdings nicht.

„Ach wie cool, ja gerne. Hab‘ meinen nämlich zu Hause vergessen.“ Kundin Nummer Eins nimmt das Angebot, ihren Kaffee statt im Pappbecher in einem Pfandbecher mitzunehmen, schonmal gern an. Normalerweise geht Laura, da ist sie ganz umweltbewusst, nicht ohne eigenen Becher aus dem Haus, verrät sie beim Warten auf ihren Kaffee. Aber da ist sie heute genau im richtigen Café gelandet.

Seit einer knappen Woche sagt das Coffee Star in der Wörther Straße den Pappbechern den Kampf an. Jedenfalls ein bisschen, denn die Einwegbecher bekommt man nach wie vor. Seit vergangenem Donnerstag kann man aber wählen, denn hier gibt es nun auch Pfandbecher. Heißt: Statt eines Pappbechers bekommt der Kunde sein Getränk zum Mitnehmen gegen einen Euro Pfand in einer recyclebaren, schadstofffreien Plastevariante. Der Becher kann dann an allen teilnehmenden Cafés zurückgegeben werden. In Prenzlauer Berg sind das bislang sechs. „Wir haben selbst schon öfter über ein solches Pfandsystem nachgedacht“, sagt Karlheinz Rieser vom Coffee Star. „Aber einerseits wären die Becher in der Anschaffung zu teuer, andererseits das System nur auf unseren Laden beschränkt gewesen.“ So kam dem kleinen Coffeeshop die Anfrage der im Juli gestarteten Initiative Recup gerade recht.

Eine halbe Million Einwegbecher pro Tag

Laut der unabhängig von Recup, aber ebenfalls im Juli gestartenen Aktion „Better World Cup“von Senat, Berliner Stadtreinigung und diversen Umwelt- und Wirtschaftsverbänden landen in Berlin täglich knapp eine halbe Million Einwegbecher im Müll. Um diese Zahl zu minimieren, können sich Kaffeeliebhaber seit einem Monat bei allen Verkaufstellen mit einem „Better World Cup“-Aufkleber an der Tür den mitgebrachten Kaffeebecher befüllen lassen und bekommen dafür Rabatt.

Trotz gutem Gewissen wirkt Rieser nach den ersten Tagen mit Recup-System nicht richtig enthusiastisch. „Es gibt ein paar Nachfragen, aber verhalten. Das System Mehrwegbecher ist noch nicht ins Bewusstsein der Leute vorgedrungen„, meint er. Es sei eben einfacher und komfortabler, einen Pappbecher in den nächsten Mülleimer zu werfen, anstatt einen schmutzigen Plastebecher mit sich herumzutragen. Weiterer Wermutstropfen: Den Recup gibt es bislang nur in einer 300- und einer 400-Milliliter-Variante. „Sämtliche 200-ml-Getränke können wir somit gar nicht im Recup verkaufen“, sagt Rieser. Oder den Becher einfach nur zu zwei Dritteln befüllen? Schaut man genau hin, weist der 300-ml-Plastebecher sogar eine 200-ml-Markierung auf. „Da machen die Kunden nicht mit“, weiß Rieser. „Selbst wenn man’s erklärt – mit nicht voll befüllten Bechern gelten wir als geizig, das kennen wir schon vom Cappuccino im Pappbecher.“

Plaste bleibt Plaste

Was Rieser aber am skeptischsten macht: Er weiß selbst wenig über die Umweltbilanz des Recups. Laut Herstellerangaben mache ein Recup-Plastebecher zwar rund 500 Spülgänge mit, aber sein ökologischer Fußabdruck sei ja hinsichtlich der Herstellung zunächst weitaus größer als der des Pappkollegen. Zumindest nach Angaben des Unternehmens selbst sollen die Recups die momentan nachhaltigste Version wiederverwendbarer Becher sein. „Ich finde die Idee nach wie vor gut“, bilanziert Rieser. „Wir werden mal die Anlaufphase abwarten.“

 

1, 2 oder 3? Ob Ihr wirklich richtig trinkt... (Foto: Constanze Nauhaus)

1, 2 oder 3? Ob Ihr wirklich richtig trinkt… (Foto: Constanze Nauhaus)

 

Barista Lydias Erfahrungen nach den ersten Tagen mit Pfandbechern sind positiver. „Viele sind begeistert und sagen, darauf hätten sie schon lange gewartet.“ Das seien meistens Stammkunden, die sowieso täglich kommen und Recup gegen Recup tauschen. Nur heute morgen sei einer dagewesen, der trotz Nachfrage bewusst die Pappvariante wählte. Grund: „Ihm gefalle das System noch nicht 100%“, erzählt Lydia. Und auch jetzt steht eine junge Mutter am Tresen, die Nein sagt zum Recup. Warum? „Ich nehme eine stinknormale Tasse. Zum Hiertrinken.“ Auch ’ne Idee.

Alle teilnehmendem Cafés unter www.recup.de.

 

Heute schon was fürs Karma getan? Wie wärs hiermit: Unabhängigen Lokaljournalismus unterstützen!

Das könnte Dich auch interessieren

1 Kommentar

Mario 26. August 2017 at 16:07

Maslow ganz oben!

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar