Werneuchener Wiese

Bezirk gegen Unterkunft auf der Werneuchener Wiese

von Kristina Auer 5. März 2018

Auf der Werneuchener Wiese soll eine modulare Unterkunft für Geflüchtete entstehen. Der Bezirk hat Widerspruch eingelegt: Der Standort sei „nicht realisierbar“.


Er wolle nicht jeden Tag eine neue „Standortsau“ durchs Dorf jagen, bevor nichts endgültig entschieden sei, sagt Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) auf die Frage, wo neue Geflüchtetenunterkünfte gebaut werden sollen.  Auch wenn noch nichts entschieden ist, soviel scheint klar: Auf der Werneuchener Wiese zwischen Volkdspark Friedrichshain und Kniprodestraße soll es nach dem Willen des Bezirks keine modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) geben.

 

Bezirk macht Alternativvorschläge

Die Senatsverwaltung hatte die Werneuchener Wiese, genannt Kniprodestraße 1-6, Mitte Februar im Rahmen der Benennung von insgesamt 25 neuen Standorten vorgeschlagen. In jedem Bezirk wurden 2 Standorte für neue Unterkünfte ausgewählt, in Neukölln sogar drei. In Pankow traf es die Werneuchener Wiese und die Rennbahnstraße 74 in Weißensee. Wie Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) erklärte, wurden die auserwählten Standorte in einem Quickcheck-Verfahren als am besten geeignet eingestuft.

„Wir haben die Möglichkeit genutzt, innerhalb von zwei Wochen Stellung zu beziehen“, sagte Benn. Der Bezirk habe Alternativvorschläge für modulare Unterkünfte gemacht. „Das Bezirksamt sieht den Standort der Werneuchener als nicht realisierbar an“, so Benn. Zu den Gründen für diese Bewertung machte der Bezirksbürgermeister keine Angaben. Nur soviel: Jetzt müsse abgewartet werden, was der Senat zu tun gedenke. Er hoffe auf die Kommunikationsbereitschaft der Senatsverwaltung, um eine Einigung zu erreichen, so Benn. Senatorin Lompscher hat angekündigt, die Vorschläge zu prüfen und diese im Falle einer Eignung vorrangig zu nutzen. Wenn sie nicht mehr für die Unterbringung von Geflüchteten benötigt werden, sollen die MUFs als integrative Wohnprojekte oder als Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen genutzt werden.

 

Bermuda-Dreieck der Nutzungsideen

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Die Wiese zwischen Volkspark und der Straße Am Friedrichshain gilt als eine Art Bermuda-Dreieck für Planungsvorschläge in Prenzlauer Berg. Seit Jahren wird das Grundstück für eine mögliche Feuerwache freigehalten. Auch Pläne für eine Schule gab es schon einmal, doch auch aus ihnen wurde nichts. Sogar eine Bürgerinitiative wollte sich dem Schicksal der verwilderten Wiese annehmen. Bisher war lediglich die Nutzung als vorübergehender Supermarktstandort erfolgreich. Zuletzt waren Pläne für Urban Gardening auf der Werneuchener Wiese im Gespräch. Vor der Zerstörung im zweiten Weltkrieg standen auf der heutige Wiese Wohnhäuser.

Kurioses Detail: Vor genau zwei Jahren inmitten der Turnhallen-Notunterkünfte und täglich neu ankommenden Menschen war die Werneuchener Wiese schon einmal als Standort für eine MUF im Gespräch – mit genau umgekehrten Positionen: Der damalige Bezirksbürgermeister Thomas Kühne (SPD) sprach sich damals eindeutig für eine Unterkunft auf der Werneuchener Wiese aus. Der Senat verwarf den Standort aber nach kurzer Zeit mit der Begründung, er sei zu klein für eine Unterkunft.

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