Radweg Schönhauser Allee

Schönhauser Allee: Umbau mit Hindernissen

von Kristina Auer 28. März 2018

Ihr habt es vielleicht schon bemerkt: Der groß angekündigte Umbau der Schönhauser Allee verzögert sich. Die autofreie Ostseite ist anscheinend ganz vom Tisch.


Ihr erinnert Euch vielleicht: Die Schönhauser Allee sollte einst zum Geburtshaus visionärer Verkehrsideen werden. Sitzbänke statt Parkplätze, breitere Gehwege und sogar das Verbannen des gesamten Autoverkehrs ausschließlich auf die Seite westlich der U-Bahn waren im Gespräch. So manchen Autofreund brachte bloß der Gedanke daran zum Kochen, aber die Politik blieb standhaft. Die Schönhauser Allee schaffte es sogar in den Berliner Koalitionsvertrag von 2016: „Die Pläne zum Umbau der Schönhauser Allee werden weiterverfolgt“, heißt es da.

 

Parklets auf der Bergmannstraße, aber nicht auf der Schönhauser Allee

Aufmerksamen Verkehrsteilnehmenden in Prenzlauer Berg dürfte aufgefallen sein: Während die Verkehrswende hin zu mehr Fußgänger- und Fahrradfreundlichkeit in der Kreuzberger Bergmannstraße kürzlich eingeläutet wurde, quetschen sich auf unserer Schönhauser Allee noch immer Fahrradfahrer an Fußgängern an Tramhaltestellen vorbei. Und wo sind jetzt eigentlich die Parklets, die Sitzbänke, die die Schönhauser zu einem Hort der Begegnung werden lassen sollten – eigentlich schon ab Sommer 2017?

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Das fragte sich auch der FDP-Abgeordnete Florian Swyter – und die Senatsverwaltung für Verkehr. Das „temporäre Modellprojekt klimaneutraler Mobilität in der Schönhauser Allee“ habe sich gleich aus einer ganzen Reihe von Gründen verzögert, ist in der Antwort zu lesen. Zuerst mal habe man die Parklet-Produktion für die unterschiedlichen Projekte in der Bergmannstraße und der Schönhauser Allee aneinander gekoppelt, zwecks Wirtschaftlichkeit. Die Ausschreibung sei „komplex“ gewesen, heißt: Es gingen keine Angebote für den Parklet-Bau ein. Dann habe es auch noch Lieferverzögerungen bei Gitterrosten gegeben, so die Senatsverwaltung.

 

Behördenwort des Jahres: „Dauerhaft-temporäre Umgestaltung“

Jetzt gibt es einen neuen Zeitplan für die Umgestaltung: Die erste Phase, in der die Parklets entlang der Straße aufgestellt werden, soll ab April starten, also ab der kommenden Woche. Die Parklets befänden sich aber derzeit noch im Bau.

Parallel wird gerade an einer Machbarkeitsstudie zum Verkehr auf der Schönhauser Allee gefeilt. Erste Ergebnisse sollen ebenfalls bis April vorliegen, so die Senatsverwaltung. Umgestaltungsmaßnahmen Fuß- Rad-, Straßenbahn- und Autoverkehr, die sich aus der Studie ergeben, sollen ab September 2018 starten. Ab dann soll auch die Verbreiterung des Gehweges auf der Seite der Schönhauser Allee Arkaden beginnen. Passieren soll das zunächst provisorisch, „vergleichbar mit einer Baustellensicherung“, heißt es von der Senatsverwaltung. Im kommenden Frühjahr soll diese Testphase ausgewertet und bis Ende August 2019 in eine – Achtung, Behördenperle – „dauerhaft-temporäre Umgestaltung“ umgewandelt werden.

 

Keine Verschwenkung des Autoverkehrs mehr in Sicht

Die Verlagerung des Autoverkehrs auf die Westseite der U-Bahn ist aktuell nicht in Planung. Die Idee sei zwar als langfristige Vision in Workshops des US-amerikanischen Architekten und Stadtplaners Gehl entwickelt worden. Allerdings lägen die kurzfristigen und temporären Umgestaltungen im Vordergrund, so die Senatsverwaltung: „Eine derartige Verschwenkung ist nicht geplant.“

Die Kosten für die Umgestaltung der Schönhauser Allee belaufen sich auf rund 550 000 Euro, hinzu kommen die Kosten für Machbarkeitsstudie und den Architektenworkshop. Das Projekt wird zu 70 Prozent vom Bundesministerium für Umwelt gefördert, den Rest der Kosten trägt das Land Berlin. Der Bezirk Pankow muss also nicht mitbezahlen.

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4 Kommentare

Severin Höhmann 29. März 2018 at 18:39

Da die Autorin annimmt, dass die autofreie Ostseite vom Tisch sei, muss es richtigerweise heißen, sie sei „anscheinend vom Tisch“. „Scheinbar vom Tisch“ bedeutet, dass die Senatsverwaltung mit „Eine Verschwenkung ist nicht geplant“ nur vorgibt, diese Pläne aufgegeben zu haben, aber insgeheim weiter deren Umsetzung verfolgt. „Anscheinend“ statt „scheinbar“ gibt dem Text einen anderen Sinn – deshalb sei mir mein Oberlehrerhinweis bitte verziehen.

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Kristina Auer 1. April 2018 at 12:33

Wird geändert! Was ich meinte ist, dass die Senatsverwaltung zwar momentan nichts derlei plant. Allerdings ist ja von einer langfristigen Idee die Rede. Es wäre ja nicht ausgeschlossen, dass diese irgendwann nochmal aufgegriffen wird…

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Philipp Schwörbel 17. April 2018 at 13:52

Du meinst also anscheinend scheinbar!

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Thomas C 3. April 2018 at 11:30

„quetschen sich auf unserer Schönhauser Allee noch immer Fahrradfahrer an Fußgängern an Tramhaltestellen vorbei“ … auweia

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