Von Menschen und Mietpreisbremse

von Kristina Auer 26. Juli 2017

Wer mit Durchschnittseinkommen auf Wohnungssuche ist, gerät schnell in Verzweiflung. Es kann aber auch gut laufen. Die Geschichte von Simon und Anna macht Mut.

„Das ist der einzige Beitrag, den wir als Mieter leisten können, damit die Mieten nicht immer weiter steigen“, sagt Simon. Und meint die Mietpreisbremse. Echt? Ja, wir wissen, dass es seit 2015 die Mietpreisbremse gibt. Aber sie ernsthaft nutzen?  Mittlerweile bestätigen eigentlich so gut wie alle Zahlen und Experten, dass die Bremse nicht funktioniert: Die Mieten steigen fröhlich weiter, wie nicht erst der kürzlich neu erschienene Berliner Mietspiegel beweist. Anna und Simon, die ihren richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen, haben es trotzdem geschafft, die Miete für ihre neue Wohnung zu senken – und zwar mit der Mietpreisbremse.

Im Mai ist das junge Künstlerpaar zusammengezogen, damit sind beide stolzer Mieter einer 76 Quadratmeter-Altbauwohnung in der Danziger Straße, zwei Zimmer, Einbauküche, Badewanne, Balkon. Er, 30 Jahre alt und Filmemacher, wohnte vorher in einer Einzimmerwohnung in der Lychener Straße. Sie, 29 und früher Schauspielerin ist gerade von Hamburg nach Berlin gezogen und hat eine Social-Media-Agentur gegründet. Typische Prenzlauer Berger, könnte man sagen.

 

170 Euro monatlich weniger durch die Mietpreisbremse

 

Dem Wohnungsglück vorangegangen sind zwei Monate auf der Suche desgleichen, die Simon als Martyrium beschreibt: „Wir haben Löcher gesehen, zu unfassbaren Preisen. Noch dazu wird man behandelt wie der letzte Dreck.“ Dass Bewerber Maklern inoffizielle Provisionen anbieten, sei absoluter Standard, erzählen die beiden. Überraschen wird das niemanden, auch wenn es eigentlich illegal ist.

Aber Simon und Anna hatten Glück: Sie fanden ihre Traumwohnung in der Danziger Straße, noch dazu mit einem netten Makler, der ihnen keine Provision abknöpfen wollte, und wenigen Interessenten. Der Preis: 930 Euro kalt für 76 Quadratmeter. Macht etwas über 12 Euro pro Quadratmeter. Die beiden sagten zu, etwas Besseres würden sie nicht finden, da waren sie sicher.

Trotzdem wollte Simon wissen, in welchem Rahmen die neue Miete im Vergleich zum Mietspiegel liegt – und fand im Internet heraus: Gegenüber der ortsüblichen Vergleichsmiete kostet die Wohnung rund 400 Euro mehr! Simon wandte sich an das Unternehmen Mietbremse 24. Das übernimmt über einen Anwalt den Schriftverkehr mit dem Vermieter und prüft, ob die Mietpreisbremse angewandt werden kann. Denn ganz unkompliziert ist das Gesetz nicht und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

 

„Wir dürfen unsere Ansprüche nicht aufgeben“

 

„Der Anwalt hat bei der Hausverwaltung nachgefragt, wie viel die Sanierung unserer Wohnung gekostet hat“, erzählt Simon. Die habe freiwillig eine Kostenaufstellung geschickt, an der der Anwalt erkennen konnte, dass der Mietpreis tatsächlich zu hoch ist. Die hätte sie eigentlich erst im Falle eines Verfahrens vorlegen müssen. Schon kurz darauf habe die Hausverwaltung das Angebot gemacht, die Miete um 170 Euro im Monat zu senken, wenn auf eine Klage verzichtet werde. Der Mietpreis wurde also auf genau 10 Euro kalt pro Quadratmeter gesenkt. „10 Euro ist gerade so an der Schmerzgrenze“, findet Simon. Um sich die Strapazen eines Gerichtsverfahrens zu ersparen, nahm das Paar das Angebot an.

Anna und Simon ziehen eine positive Bilanz und wollen ihre Geschichte teilen, um anderen Mietern Mut zu machen. „Wir haben mit dem Makler und der Hausverwaltung viel Glück gehabt“, sagt Anna. „Es gibt noch Leute, die korrekt sind und ihre Arbeit richtig machen.“ Das Problem mit der Mietpreisbremse bleibt, dass sie nur einfordern kann, wer schon einen Mietvertrag hat. Trotzdem könne er nur allen empfehlen, die Möglichkeiten zu prüfen, sagt Simon. Das Gute: „Als Mieter hat man kein Risiko, denn grundlos gekündigt werden kann man nicht.“ Das Kostenrisiko liege außerdem allein bei dem Unternehmen, dass sich für die Mietsenkung einsetzt. „Nur bei Erfolg berechnen sie ein Viertel der Jahresersparnis aus der Mietsenkung“, sagt Simon. Klar, die Zeiten seien hart, aber: „Wir dürfen unsere Ansprüche nicht einfach so aufgeben! Das Recht auf Wohnen müsste schon längst ein Grundrecht sein.“

 

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