Endlich wieder nackt

von Brigitte Preissler 20. November 2013

Beatrice Cordua, 72, tanzt wieder im Dock 11. In „Die freudlose Gasse“ geht es um Stummfilm, um Wien und um Freud. Und um „Pipi, Kacka, Kotze“.

Wird sie es wieder tun? Nun, angesichts des obigen Probenfotos aus ihrem neuesten Stück „Die freudlose Gasse“, hat sich die Frage schon erübrigt, ob Beatrice Cordua, 72, auch darin wieder nackt auftreten wird. In Prenzlauer Berg zog sie sich zuletzt 2011 auf der Bühne des Dock 11 aus, als sie mit Thomas Langkau ihr gemeinsames Stück „Das 20. Jahrhundert“ aufführte (wir berichteten).

Seit 1972 macht sie das jetzt schon so. Zum ersten Mal tanzte sie damals auf der Frankfurter Bühne nackt, bei der Premiere von Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ („Das Frühlingsopfer“) unter der Regie John Neumeiers. Cordua verkörperte darin ein Mädchen, das sich bei einem Frühlingsfest russischer Stämme am Ende zu Tode tanzt. Sie tanzte ein frenetisches, ein erschütterndes, ein unvergessliches Solo. Und provozierte damit einen unerhörten Skandal. Jeder, der sich in den 70er Jahren mit Tanz befasste, kannte seither diesen Namen: Beatrice Cordua.

 

Die Cordua zitiert sich selbst

 

Diesen einen, legendären Moment, mit dem Cordua damals Tanzgeschichte schrieb, lassen Cordua, Langkau und Petra Korink nun in „Die freudlose Gasse“ wieder aufleben. Der Titel des Stückes ist Georg Wilhelm Pabsts Stummfilm von 1925 entlehnt (mit Asta Nielsen und Greta Garbo). Es ist, wie Langkau erläutert, eine Szenencollage, die sich mit der künstlerischen Avantgarde jener Zeit befasst – mit dem Medium Stummfilm, mit Wien und mit Freud. Und „infolgedessen auch mit den Themen Pipi, Kacka, Kotze“, so Langkau. Beatrice Cordua verrät uns vorab schon mal, dass sie darin zu Strawinskys Musik ein kleines Stück aus ihrem damaligen Neumeier-Solo zitieren wird.

Ist das Ausziehen auf der Bühne für Cordua inzwischen also zu einer Art Selbstläufer geworden? Zu einer freudlosen Einbahn-Gasse, mit der sie versucht, sich ihren Erfolg von 1972 zu vergegenwärtigen? Oder ist die existentielle Verletzbarkeit eines alten Körpers, um die es Cordua und Langkau in „Das 20. Jahrhundert“ ging, womöglich tatsächlich nicht anders als nackt darstellbar? Wir werden sehen. Premiere ist am Freitag.

Die freudlose Gasse. Ein modernes Ballett von und mit Beatrice Cordua, Petra Korink, Thomas Langkau. Am 22., 23. und 24. November jeweils um 20.30 Uhr im Dock 11. Tickets zu 12/8 Euro unter ticket@dock11-berlin.de oder Mo-So von 9-19 Uhr unter 030-35120312.

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