Neue Technik, alter Charme

von Juliane Schader 6. September 2013

Einst gehörte das Planetarium zu den modernsten der Welt. Heute ist es eher ein Museum im Museum. 2014 wird es nun modernisiert. Wissenschaftstheater und Kieztreff soll es danach werden.

Tim Florian Horn muss noch eben den Lichtschalter suchen. Drei Monate, nachdem er seinen neuen Job als Leiter des Zeiss-Großplanetariums angetreten hat, findet er sich zwar schon perfekt im Labyrinth der Gänge zurecht, die den Bau durchziehen. Der Schleichweg von seinem Büro in die Technik, der Hintereingang zur Kuppel, alles kein Problem. Doch wo geht hier noch mal das Licht an? Ach da.

Nun ist der große Kuppelsaal, das Herzstück des Planetariums an der Prenzlauer Allee, zumindest matt beleuchtet. In seiner Mitte ist der 26 Jahre alte Sternenprojektor zu erkennen, Typ Cosmorama, dreieinhalb Tonnen schwer und in den Werken des VEB Carl Zeiss Jena gefertigt. Noch schafft es der Koloss, verschiedene Sternenhimmel an die große Kuppel zu projizieren. Doch die Technik ist längst veraltet, die Ersatzteile werden langsam knapp.

 

Unverändert seit 1987

 

Auch der Rest des Raums zeigt, dass die besten Tage hier vorbei sind: Die Sessel sind abgewetzt, der Teppich stumpf, die Computer sind vergilbt und noch stolze Besitzer von Diskettenlaufwerken. Seitdem das Planetarium im Herbst 1987 eröffnet wurde, hat sich hier nicht viel getan. (Mehr zur Geschichte des Hauses finden Sie hier.) Doch das wird sich bald ändern. Im Frühjahr des kommenden Jahres soll das Haus geschlossen und vor allem die Technik generalüberholt werden. Etwas mehr als ein Jahr soll die Sanierung dauern. Der Senat stellt dafür 12,8 Millionen Euro bereit. „Das Planetarium soll das technisch und inhaltlich modernste in Europa werden“, sagt Horn. „Das ist zu schaffen.“

Erneuert wird vor allem die Medientechnik in der Kuppel. Der alte Sternenprojektor wird durch ein modernes Gerät ersetzt, und auch die derzeit noch eingesetzten Dia-Projektoren fliegen raus. Statt dessen wird eine digitale Anlage eingebaut, mit der die komplette Kuppel bespielen werden kann – Fulldome-Technik nennt sich das. Statt auf vorproduzierte Videosequenzen greift diese auf Datensätze zu, mit denen individuell Reisen zum Beispiel durch den Weltraum oder ins Innere der Erde zusammengestellt werden können. „Weltweit gibt es mittlerweile 1100 digitale Planetarien, mit denen wir Datensätze austauschen können“, erklärt Horn. Zudem könnten auch eigene Sätze produziert werden.

 

Weltweit maßgeblich

 

Darüber hinaus wird auch am Haus ein wenig geschraubt. So wird zum Beispiel der Eingangsbereich umgestaltet und auch der Ein- und Ausgang zur Kuppel verändert. Zentral sei jedoch die technische Erneuerung, sagt Horn. „Die Planetarien weltweit schauen auf uns. Für welche Technik und Umbauten wir uns entscheiden, wird maßgeblich sein.“

Horn selbst ist gerade mal 31 Jahre alt und frisch aus San Francisco nach Berlin gekommen, wo er drei Jahre lang bei der California Academy of Sciences gearbeitet hat. Nun ist er dafür verantwortlich, eines der letzten großen Prestigeprojekte der DDR in die Moderne zu führen.

Denn genau das war das Zeiss-Großplanetarium, als es als Teil der sozialistischen Großwohnsiedlung Ernst-Thälmann-Park 1987 auf dem Gelände eines alten Gaswerks eröffnet wurde. Als kulturelles Angebot und Treffpunkt im neuen Viertel war es angelegt – Astronomie war damals noch Schulfach; auf naturwissenschaftliche Bildung wurde großen Wert gelegt. Doch mit der Wende schwanden Interesse und Besucherzahlen. Dann überholte auch noch die technische Entwicklung das Angebot. Mittlerweile wirkt das Planetarium wie ein Museum im Museum. Frischer Wind ist dringend nötig; zu stark wehen soll er aber nicht. „Wir wollen das Haus wiederbeleben, ohne jedoch seine Seele und seinen Charme zu verändern“, sagt Horn. „Wir wollen seine Identität in die Neuzeit retten.“

 

Zurück in die Zukunft

 

Wie das genau funktionieren soll, das überlegen Horn und seine Kollegen gerade noch. Fest steht schon, dass der alte Sternenprojektor im Haus bleiben soll, wenn auch nur als Ausstellungsstück. Zudem würde Horn gerne das Planetarium stärker mit dem Kiez vernetzen. „Wir haben weltweit eines der schönsten Gebäude. Hier gibt es Platz für Büros, Ausstellungen, ein Restaurant und sogar ein Kino“, meint er. Einst habe das Haus als kulturelles Zentrum funktioniert. „Daran wollen wir anknüpfen.“

Helfen soll dabei auch eine inhaltliche Neuausrichtung. „Im Moment widmet sich das Planetarium vor allem der Astronomie. Ich möchte das inhaltlich weiter fassen und es zu einem Wissenschaftstheater ausbauen“, erklärt Horn. Dem Traum von Fliegen könne sich zum Beispiel ein Programm widmen, oder der Erde in seiner einmaligen Funktion als riesiges Raumschiff mit viel Besatzung.

Bis es soweit ist, liegt aber erstmal viel Arbeit vor Horn und seinem Team. Einige der Mitarbeiter sind schon seit der Eröffnung vor 26 Jahren mit dabei. Auf ihre Erfahrung und ihr Herzblut kann ihr neuer Chef nun zurückgreifen. 2015 soll das modernisierte Planetarium seine Türen wieder öffnen. 

 

 

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