Hoffnung für die Herbstlaube

von Juliane Wiedemeier 28. März 2013

Proteste von Rentnern in Pankow erscheinen erfolgsversprechend: Der Bezirk rechnet noch einmal, wie er den Seniorentreff Herbstlaube und das Gründerzeitmuseum doch erhalten kann. 

Der Bezirk Pankow überlegt es sich noch einmal mit der Abwicklung des Seniorentreffs Herbstlaube und des dazugehörigen Gründerzeitmuseums in der Dunckerstraße. „Wir recherchieren und führen Gespräche, und ich bin verhalten optimistisch, dass wir beides erhalten können“, sagt Kulturstadtrat Torsten Kühne (CDU).

Fast ein Jahr ist es her, dass der Bezirk die Zuwendungen für die Herbstlaube gestrichen hat, die ehrenamtlich auch das Museum betreibt. Doch diese Kürzung ging völlig unter im großen Aufschrei zunächst gegen den Kulturabbau, später gegen die Schließung einer weiteren Senioreneinrichtung, der Stillen Straße. Schließlich konnte der Betrieb mit Hilfe von Spenden und Mitgliedsbeiträgen auch vorerst weitergehen. Doch im Mai dieses Jahres soll nun endgültig Schluss sein. Erst im Februar entschlossen sich die Rentner, doch noch öffentlichkeitswirksam mit einem Straßenfest auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Mit dem Ergebnis, dass die Politik nun doch noch einmal den Taschenrechner zückt.

 

Kein Geld für Soziales

 

Aus dem Sozialetat, der die Herbstlaube bis April 2012 unterstützte, ist keine weitere Hilfe zu erwarten. Dafür hat sich nun Kulturstadtrat Kühne der Sache angenommen. Noch vor einem Jahr hatte er mit dem Standort Heynstraße des Museums Pankow eine Ausstellung auf seine Streichliste gesetzt, die ebenfalls den Alltag in der Gründerzeit thematisiert – in der Heynstraße ist eine originalgetreue Fabrikantenwohnung zu besichtigen. Erst nach langen Haushaltsverhandlungen ließ sich die Einrichtung damals erhalten. Nun hängt er sich für das Museumspendant in der Dunckerstraße rein, das sich ebenfalls mit Wohnen und Bauen zur Jahrhundertwende beschäftigt.

„Museum und Herbstlaube kosten pro Jahr derzeit etwa 22.000 Euro, also gar nicht so viel“, sagt Kühne. Erstes Ziel sei nun erstmal, Geld für die Finanzierung beider Angebote bis zum Ende dieses Jahres aufzutreiben. Schwierig ist dabei, dass es nicht aus dem aktuellen Pankower Haushalt kommen kann – dieses Geld ist bereits komplett eingeplant. Falls das gelingt, könnte aber im Haushalt für 2014 eine Förderung für Herbstlaube und Museum eingeräumt werden. Aus welchem Topf die kommen könnte, ist aber noch unklar.

 

Mietverträge sind schon gekündigt

 

Überhaupt hat die Rechnung, trotz des plötzlichen Aktionismus im Amt, diverse Unbekannte. So muss derzeit laut Kühne erstmal im Archiv nachrecherchiert werden, wer eigentlich rein rechtlich für die Ausstellung verantwortlich ist, die seit zehn Jahren als Bestandteil der vom Amt geförderter Seniorenfreizeitstätte einfach so mitläuft. In Folge dessen muss auch geklärt werden, wie die Herbstlaube erhalten bleiben könnte, falls nun das Kulturamt das Museum übernimmt und finanziert. Und zu guter Letzt müssen auch noch die Vermieter mitspielen, denn die Verträge wurden bereits zum Mai gekündigt. „Falls wir neue Verträge zu einer ortsüblichen Miete abschließen müssten, wäre das ganze Projekt gestorben“, meint Kühne.

Noch geht er aber davon aus, dass alle Beteiligten ein Interesse am Weiterbetrieb beider Einrichtungen haben. Ein Vorteil für Museum und Herbstlaube dürfte sein, dass ihr Erhalt diesmal gesondert diskutiert wird und nicht im Schatten der Schließung des Kulturareals Thälmannpark und der Occupy-Rentner der Stillen Straße steht.

Karin Ehrlich, Gründerin der Herbstlaube, setzt auf den neuen Schwung auf der Politik und erklärt sich auch bereit, alles in ihren Möglichkeiten Stehende zum Erhalt beizutragen. „Einen faden Beigeschmack hat das alles für mich aber“, meint sie. „Für den Unterhalt eines Treffpunkts für Senioren hat der Bezirk kein Geld, aber für den Erhalt eines musealen Kleinods schon. Das finde ich schade.“

 

 

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