Gründung war gestern

von Ute Zauft 30. November 2011

In Prenzlauer Berg wird nicht mehr gegründet, sondern Gewinn gemacht. Trotzdem ist der Kiez weiterhin ein beliebter Standort für kreative Medienunternehmen.

Der Chef kommt mit dem Rad, später geht’s weiter zum Notar, auch per Velo. Hargen Bartels ist Eigentümer der Backfabrik, dem räumlich größten Anbieter von Büro-Lofts in Prenzlauer Berg. Ganz klar, warum ihm und vielen seiner Mieter der Standort so gut gefällt. „In zwölf Minuten bin ich von zu Hause hier, und in weiteren zwölf Minuten bei den Anzugträgern in Mitte.“ In der Backfabrik gibt es 26.000 Quadratmeter Bürofläche, die sich derzeit rund 35 Mieter teilen. „Seit 2006 sind wir voll vermietet“, so Bartels. Neue Interessenten schaffen es nur schwer auf die Warteliste, denn viele der jetzigen Mieter wollen expandieren.

Und dabei hatte es gar nicht so gut angefangen. Die Backfabrik hatte 2002 Eröffnung, also kurz nachdem die erste Internetblase geplatzt war. Zwischen elf und 14 Euro kostet inzwischen der Quadratmeter, ein Preis, den die Mieter bereitwillig zahlen. Mit Studi- und Schüler-VZ sitzen beispielsweise ehemalige Start-Ups in der Backfabrik, die irgendwann so etabliert waren, dass sie von Holtzbrinck aufgekauft wurden. „Gründung war gestern“, sagt Bartels, „zumindest an diesem Standort.“ Die neuen Start-Ups gehen seiner Erfahrung nach inzwischen nach Weißensee oder Treptow, wo sie für drei bis vier Euro Gewerbefläche mieten können.

 

Internetfirmen wollen ‚open space‘ statt Bürozelle

 

Einer der letzten großen Anbieter für Office-Lofts wurde erst vor zwei Jahren in der Greifswalder Straße eröffnet. Eigentümer der ‚fabrik‘ ist ein britisches Familienunternehmen, Projektentwickler eine Hausverwaltung am Ku’damm. Acht Firmen sind hier derzeit angesiedelt, fünf davon seien sogenannte Internet-Start-Ups, so Clemens Stahr vom West-Berliner Projektentwickler Klingsöhr. „Die kreativen Unternehmen legen Wert auf Loftstrukturen und ‚open spaces‘, die wollen keine abgeschlossenen Räume.“

 

6.000 Quadratmeter der ehemaligen Zigarettenfabrik sind bereits saniert und größtenteils vermietet, weitere 10.000 Quadratmeter im zweiten Hinterhof sollen Ende 2012 fertig sein. Auch hier geht man mit der Zeit und plant mit Weitsicht: Im hinteren Bereich soll der Standard noch höher sein. „Viele der Start-Ups werden ja von internationalen Firmen gekauft, und die erwarten einen höheren Standard als kleine Neugründungen“, so der Projektverantwortliche Stahr. Die Preise reichen derzeit von elf bis 20 Euro pro Quadratmeter.

 

Gewerbefläche wird knapp in Prenzlauer Berg

 

Hargen Bartels von der Backfabrik ist ein alter Hase im Prenzlauer Berger Immobiliengeschäft und sich sicher, dass hier – was die Gewerbeflächen angeht – nicht mehr viel Luft nach oben ist. Einige Firmen bekommen das schon zu spüren. Die Plattform für Online Spiele ‚GameDuell‘ kommt mit ihren 170 Mitarbeitern in der ‚fabrik‘ an der Greifswalder Straße inzwischen in Platznot. „Wir haben viele internationale Mitarbeiter und da der  Prenzlauer Berg schon fast weltweit eine Marke ist, konnten wir mit einem attraktiven Standort werben“, so Franziska Holtz von GameDuell. Doch hier im Kiez konnte das 2003 gegründete Unternehmen keine passende Fläche mehr finden, ab kommenden Januar müssen die Mitarbeiter nun jeden Morgen zum Gendarmenmarkt.

 

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