Fast wie in Liliput

von Brigitte Preissler 18. Januar 2011

Die erste Ausstellung im Kunst-Produktionsraum „Lage egal“ thematisiert Mechanismen des Kunstbetriebs.

Die Lage sei egal, sagt Pierre Granoux – weil er im Grunde überall arbeiten könne. Im Wedding, in Charlottenburg oder in Oberschöneweide. Ebenso gut aber auch in Paris oder Rio de Janeiro.

 

Granoux spricht von der Lage seines Produktionsraums. Dieser neue Ort für Kunst in der Danziger Straße heißt nämlich genau so: „Lage egal.“ Das ist zum einen ein ironischer Kommentar zur Gentrifizierungdebatte in Prenzlauer Berg: Die Macher signalisieren damit demonstrativ, dass sie rein zufällig in diesem ach so hippen Bezirk gelandet sind. Zum anderen ist „Lage egal“ aber auch einfach ein hübsches Palindrom – man kann es vorwärts ebenso gut wie rückwärts lesen. 

 

Es darf gefachsimpelt werden

 

Hinter dem Namen verbirgt sich ein Atelier, das Granoux und seine Künstlerkollegen Jofroi Amaral und Jean-François Karst im Mai 2010 angemietet haben. Das französisch-belgische Team versteht diesen Ort als eine Stätte des Austauschs und der Begegnung; hier soll Kunst entstehen, hier darf aber auch ausführlich über sie geredet und gefachsimpelt werden, es geht also um Vermittlung. Und obwohl „Lage egal“ damit keine Galerie im engeren Sinne ist und Amaral, Granoux und Karst sich auch nicht als echte Kuratoren verstehen, gibt es hier jetzt eine erste Ausstellung.

 

Sie bezieht sich selbstreflexiv auf eben diesen Ort, an dem sie stattfindet. Im Mittelpunkt steht nämlich ein Modell der Atelierräume selbst – in verkleinertem Maßstab 3:20. Es ist eine Mischung aus Architekturmodell und Schreibtisch, Amaral, Granoux und Karst haben es selbst gebaut. Wenn man davor steht, kann man gewissermaßen von oben auf einen kleinen Teil des Kunstbetriebs schauen – und dabei zum Beispiel über die gängigen Methoden der Präsentation und Vermarktung von Kunst nachdenken. 

 

Sechs Modell-Kuratoren

 

Im Vorfeld gab es eine internationale Ausschreibung, aus rund dreißig Einsendungen wählten Amaral, Granoux und Karst sechs Künstler aus. Diese haben nun – quasi als Modell-Kuratoren – ihre eigenen Werke in die Ateliernachbildung hinein und darum herum platziert. Die entstandene Ausstellung heißt „3:20“ – wie das dem Modell zugrunde liegende Maßstabsverhältnis. Gut möglich, dass man sich da als Besucher fast auf Jonathan Swifts fiktive Insel Liliput im Südpazifik versetzt fühlt. Macht aber nichts: Die Lage ist ja eh egal. 

 

Lage egal, Danziger Straße 145. Eröffnung der Ausstellung „Lage 3:20#1“ am Mittwoch, den 19. Januar, von 19 bis 23 Uhr. Die Künstler Alexine Chanel (Fr/D), Jacques-Alexandre Gillois (Fr), Clemens Helmke (D), Norvin Leineweber (D), Nicolas Milhé (Fr) und Bruno Nagel (D) werden anwesend sein. Dauer der Ausstellung bis 12. Februar 2011. Geöffnet Do-Sa, 14-18 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 34660831. Weitere Informationen unter www.lage3zu20.de 

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