Berliner Stegreifredenmeister. Was soll das?

von Sarah Schaefer 16. September 2019

Wer teilnimmt, darf kurz überlegen – und muss dann drauflos reden: In der Danziger Straße steigt der Berliner Stegreifredenwettbewerb. Äh, was? Wir haben nachgefragt.


Vor Publikum reden – und dann noch aus dem Stegreif: Für viele Menschen ist das der Horror. In Prenzlauer Berg kommen regelmäßig Menschen zusammen, die genau das zur ihrer Disziplin machen: die Berliner Redekünstler. An diesem Freitag veranstalten sie den Stegreifredenwettbewerb 2019. Wir haben von Redekünstlerin Lydia Strutzberg erfahren, wie der Wettbewerb abläuft, wie man eine gute Rede übt – und was es mit dem „Äh“-Zähler auf sich hat.

 

Sie suchen den Berliner Stegreifredenmeister. Was soll das?

Wir wollen die Leute dazu animieren, spontan zu reden, sich herauszufordern und über sich hinauszuwachsen. Bei uns geht es darum, sich weiterzuentwickeln und viel Spaß dabei zu haben.

 

Wie läuft ein Stegreifredenwettbewerb ab?

Wir bereiten Fragen vor, die nicht immer ganz ernst gemeint sind, zum Beispiel: „Wie fühlst du dich als Kühlschrank?“ Die Teilnehmer des Wettbewerbs ziehen eine Frage, haben 30 Sekunden Zeit, in sich zu gehen, und müssen dann reden – eben aus dem Stegreif. Die Rede sollte nicht länger als zwei Minuten dauern. Am Ende entscheidet das Publikum, wer die beste Rede gehalten hat. Die Erfahrung zeigt: Klamauk kommt eher nicht so gut an.

 

Der Wettbewerb ist eine Veranstaltung der Berliner Redekünstler. Sie treffen sich zweimal im Monat, um voreinander Reden zu halten. Wie übt man eine gute Rede?

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Wenn jemand bei uns mitmachen möchte, versuchen wir vorab zu klären, was ihm oder ihr besonders wichtig ist: Möchte die Person an ihrer Körpersprache arbeiten oder die Ausdrucksweise verbessern? Darauf achtet die Gruppe dann bei der Rede besonders und gibt wohlwollende Kritik. Unsere Mitglieder übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Zum Beispiel gibt es den „Äh“-Zähler, der klingelt, wenn ein Redner „äh“ sagt – aber nur bei den ersten drei „Ähs“, danach wird eine Strichliste geführt.

 

Für viele Menschen ist es ein Alptraum, eine Rede vor anderen zu halten. Kommen Leute zu Ihnen, die gegen diese Angst ankämpfen?

Lydia Strutzberg in Aktion Foto: Redekünstler

Ja, das sind die Besten! Diese Leute sind immer super vorbereitet und halten die besten Reden. Bei unseren regelmäßigen Treffen muss man nicht aus dem Stegreif sprechen, man kann auch vorbereitete Reden halten. Unsere Gruppe ist ein geschützter Raum, in dem man sich ausprobieren kann. Es ist schon vorgekommen, dass Leute nach vorn gegangen sind, um zu reden, und dann gar nichts gesagt haben. Das ist auch in Ordnung.

 

Es geht also nicht nur darum, bei der Arbeit bessere Power-Point-Präsentationen zu halten?

Es geht darum, besser frei zu reden und sich persönlich weiterzuentwickeln. Das kann einem privat helfen und natürlich auch beruflich. Und Power Point gibt es bei uns nicht!

 

Der Stegreifredenwettbewerb findet am Freitag, 20. September, um 19 Uhr im Veranstaltungsraum in der Danziger Straße 50 statt. Wer teilnehmen möchte, kann sich hier anmelden. Reden sind auf Deutsch und auf Englisch möglich.

 

In unserer Reihe Was soll das? fragen wir regelmäßig Leute, was das soll. Falls euch etwas auffällt, bei dem ihr euch das schon immer gefragt habt, freuen wir uns über einen Hinweis an diese Adresse.

 

Foto: Hugo Ataide/Pixabay

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