Neuer Alter Schlachthof: hip ab 2021

von Sarah Schaefer 22. März 2019

Eine internationale Unternehmensgruppe verkündet den Baustart für Büros am Alten Schlachthof. Die Initiative nichtnochncenter glaubt nicht an eine Umsetzung – und hat ganz andere Pläne für das Gelände.


„Baustart für Bürogebäude am Alten Schlachthof“ verkündete die Unternehmensgruppe HB Reavis kürzlich. Man habe „mit dem Neubau eines Bürogebäudes mit einer Größe von rd. 52.000 Quadratmeter Geschossfläche“ begonnen.

Das klingt nach Aufbruchsstimmung auf einem Gelände, das bislang vor allem als Problemkind von sich reden machte. Der vorherige Investor hatte geplant, ein Kongress- und Shoppingcenter zu bauen, in die bestehenden Hallen sollten Gastronomie und Handel einziehen. Die Pläne wurden wieder verworfen, es wurde still um den Alten Schlachthof – abgesehen natürlich von dem Brand im April vergangenen Jahres, den die betroffene Halle überstand, ohne dass der Denkmalschutz verloren ging. Der Verdacht der Brandstiftung habe sich nicht erhärtet, sagte ein Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft den Prenzlauer Berg Nachrichten Ende vergangenen Jahres.

 

Fahrradparkplätze und Fitness-Center

Nun also nimmt sich die Unternehmensgruppe HB Reavis, laut Eigenbeschreibung ein „internationaler Workspace-Anbieter“, die Fläche vor. Man setze mit dem neuen Konzept vor allem auf Büroflächen, verbunden mit Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten, sagt eine Sprecherin der Unternehmensgruppe auf Nachfrage. Sie betont, dass das neue Konzept eine deutlich geringere Verkehrsbelastung nach sich ziehe. Es seien weitaus weniger Parkplätze für Autos vorgesehen. Stattdessen soll es über 700 Fahrradparkplätze geben, „für die Bewegung der Zukunft“.

Hip und urban soll es werden. Man wolle die „Berliner Kreativ- und Technologie-Szene fördern“, für die Freizeitgestaltung seien „nette Cafés, aufregende Bars, Fitness Center und angesagte lokale Einzelhändler“ vorgesehen, heißt es von der Unternehmensgruppe.

 

Auf dem Gelände sind vereinzelt Bauarbeiter zu sehen. Foto: Sarah Schaefer

 

HB Reavis macht außerdem konkrete Ansagen für die Fertigstellung der Gebäude: Der Neubau und die drei größeren Bestandshallen sollen nach Aussagen der Sprecherin bis Mitte 2021 bezugsfertig für die künftigen Gewerbemieter sein. Zum Zeitplan für die etwas kleinere vierte Halle an der Hausburgstraße könne man noch keine Aussagen machen.

Eigentümerin des Areals ist HB Reavis nicht: Das ist, wie die Sprecherin bestätigt, weiterhin die UBX 2 Objekt Berlin. „HB Reavis hat als Projektentwickler Anteile hieran erworben“, sagt die Sprecherin.

 

Die Frage nach dem „nachhaltigen Baubeginn“

Wer einen Blick auf das Areal wirft, sieht vereinzelt Bauarbeiter auf dem Gelände und auf den eingerüsteten Hallen. Container wurden aufgestellt, Bagger und Kräne fahren umher. Geht’s jetzt also endlich voran am Alten Schlachthof?

Filip Stahl von der Initiative nichtnochncenter zeigt sich unbeeindruckt. Dass jetzt tatsächlich gebaut wird, daran glaubt er nicht. „Außer einer Grube und ein paar Baggern sehe ich noch nichts“, sagt er. Baumaßnahmen seien auf dieser Fläche schon oft angekündigt worden, bislang ohne nennenswerte Ergebnisse.

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Die Frage, ob tatsächlich gebaut wird, ist für Stahl und seine Mitstreiter entscheidend. Denn innerhalb eines Jahres nach Erteilung der Baugenehmigung muss laut Kaufvertrag ein „nachhaltiger Baubeginn“ feststellbar sein. Wird diese Frist nicht eingehalten, ist es möglich, dass das Land Berlin vom Kaufvertrag zurücktritt – auf diese Option setzt die Initiative.

 

Filip Stahl von der Initiative nichtnochncenter Foto: Sarah Schaefer

 

Die Verkündung des Baubeginns soll erst mal dabei helfen, überhaupt Mieter zu finden, vermutet Stahl. Das könne schwierig werden: Die Mietpreise seien hoch, außerdem befinde sich das Gelände aus Sicht des Einzelhandels schlicht „auf der falschen Seite“ der Landsberger Allee. Workspaces gebe es in der Nähe schon zur Genüge, findet Stahl: „Co-working, wie originell. So viel Co kann doch gar nicht geworkt werden“, sagt er spöttisch.

 

Keine Angaben zu potenziellen Mietern

Tatsächlich äußert sich die Sprecherin von HB Reavis zurückhaltend auf die Frage, ob es bereits potenzielle Mieter für die Flächen gebe. Die Makler seien dabei, „die Fühler auszustrecken“, etwas Konkretes könne man noch nicht sagen.

Stahl und seinen Mitstreitern von nichtnochncenter schweben statt Büros, Geschäften und Cafés ein Treffpunkt für die angrenzende Wohnsiedlung vor, mit Proberäumen für Bands, Ateliers für Künstler, Gewerberäumen für lokale Handwerker, Urban Gardening und Sportangeboten. Eine Nutzung dieser Art sei auch ohne aufwendige Sanierung der alten Hallen möglich, sagt Stahl. Vielleicht sei hier sogar eine Schule denkbar.

Die Ankündigung des Baustarts wirft bei der Initiative und bei Bezirkspolitikern Fragen auf, denen sich das Bezirksamt demnächst werde stellen müssen, kündigt Stahl an. Aufgeben will er noch lange nicht.

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