temporäre Spielstraße Gudvanger Straße

Hat hier jemand temporäre Spielstraße gesagt?

von Kristina Auer 9. Mai 2018

Wie Prenzlauer Berg daran scheitert, einmal im Monat ein paar Kinder auf einem Stück Straße spielen zu lassen.


Erinnert sich noch jemand an die Idee einer temporären Spielstraße in der Gudvanger Straße in Prenzlauer Berg? An die lang ersehnte gerichtliche Einigung zwischen Bezirk und Anwohnern im letzten Sommer? Die Idee, ein bisschen Straße ab und zu zum Rollern, Malen und Herumrennen für Kinder zur Verfügung zu stellen, schien gerettet – wenn auch nur einmal im Monat, und nur in vier Monaten im Jahr.

 

Temporäre Spielstraße: unerfüllbare Herausforderung für Prenzlauer Berg

Der erste Termin für die temporäre Gudvanger Spielstraße in diesem Jahr ist am Montag schon mal ausgefallen. Was mit den folgenden Terminen am 4. Juni, 2. Juli und 3. September passiert, steht noch in der behördlichen Kristallkugel. „Der Antrag, den das Jugendamt gestellt hat, war rechtlich wohl nicht ganz in Ordnung“, sagt Sozialstadträtin Rona Tietje (SPD). Nach den juristischen Querelen will der Bezirk diesmal auf Nummer sicher gehen, dass es auch wirklich nichts anzufechten gibt an der Gudvanger Spielstraße. Immerhin: „Wir wollen die Spielstraße und setzen alles daran, dass sie bald stattfinden kann“, verspricht Tietje. Am Dienstag hätten sich Jugendamt, Rechtsamt und Straßenverkehrsbehörde noch einmal zur gemeinsamen Beratung getroffen.

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Eher beunruhigend: Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (für AfD) wollte bis Montag noch nichts davon gehört haben, dass überhaupt jemals ein Antrag gestellt worden sei. Das sei auch der Grund dafür, warum die temporäre Spielstraße am Montag ausfallen musste. Sind die so hart umkämpften paar Meter Straßenland für Kinderfreuden etwa einfach im tiefen Dickicht des Behördenurwalds verschwunden? Erst Rechtsstreit, dann Amtsverwirrung – ist das Scheitern eines eigentlich so banalen Gedankens wie einer temporären Spielstraße nicht ein Armutszeugnis für Prenzlauer Berg?

 

Wut-Berger killed the Spielstraße

Drei Jahre ist es inzwischen her, dass tollkühne Kinder-Lobbyisten auf die wahnwitzige Idee kamen, die Gudvanger Nachbarschaft würde ihre Autos zugunsten des Kindeswohls sicher gerne einmal pro Woche woanders parken. Doch die realitätsfernen Hippies von der Spielstraßen-Initiative hatten ihre Rechnung ohne eine ganz spezielle Sorte der Prenzlauer Berger –die Wut-Berger – gemacht. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Es folgten Eilverfahren, Verhandlungen und schließlich im Juni 2017 der umjubelte Vergleich.

Die Initiatoren haben über die Jahre eine eine Art zenbuddhistische Grundhaltung gegenüber ihrem Vorhaben entwickelt, die man auch als heitere Resignation bezeichnen könnte. „Natürlich sind wir sauer“, sagt André Schumacher, müde und ohne einen Hauch von Wut in der Stimme. „Aber wissen Sie, ich kann mich ja nicht ständig aufregen, ich habe keine Lust, mir davon meine Laune versauen zu lassen.“

 

Optimisten entrosten schon mal die Rollschuhe

Es hilft also nur abwarten und zum lieben Behörden-Gott beten. Übrigens: Inzwischen waren vier der amtierenden fünf Stadträte in Pankow schon mal mit dem Thema temporäre Spielstraße betraut. Angefangen im Jahr 2015 bei Torsten Kühne (CDU), wanderte die Straßenverkehrsbehörde nach den Wahlen 2016 zu Daniel Krüger (für AfD). Rona Tietje (SPD) untersteht das Jugendamt, dass die temporäre Spielstraße stellvertretend für die Initiative beantragt hat. Seit 1. Mai 2018 ist die Straßenverkehrsbehörde erneut umgezogen und, nunmehr wacht Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) über sie. Fehlt nur noch Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) – vielleicht ließe sich die Mammutaufgabe temporäre Spielstraße ja meistern, wenn sie irgendwann zur Chefsache erklärt würde?

Nagut, wir wollen optimistisch bleiben. Rona Tietje macht es vor: „Ich gehe davon aus, dass die temporäre Spielstraße noch 2018 stattfinden wird.“ Wir atmen erstmal tief ein und singen ein schwingendes Oooohhhhm. Danach fangen wir vielleicht mal langsam  an, den Rost von den Rollschuhen zu kratzen.

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