Noch immer keine Hilfe für Sportvereine

written by Kristina Auer 15. März 2017

Durch die Turnhallen-Notunterkünfte sind vielen Sportvereinen, auch in Prenzlauer Berg, große Verluste entstanden. Eine Million wollte der Senat zur Entschädigung bereitstellen. Bisher ist kaum etwas ausgezahlt worden.

Eigentlich sollten die Sportlerinnen und Sportler schon längst wieder in den Hallen in der Wins-, Wichert- und Malmöer Straße trainieren können. Ursprünglich wollte der Senat schon im letzten Sommer alle Turnhallen wieder an die Bezirke zurückgeben. Nachdem der Auszug der Geflüchteten aus den Turnhallen sich mehrmals verzögerte und schließlich in einem Hauruck-Verfahren kurz vor Weihnachten durchgezogen wurde, wird in diesen Tagen saniert. Laut jetzigem Zeitplan sollen spätestens zum Beginn des neuen Schuljahres alle Hallen wieder für den Sport nutzbar sein.

 

Vereine kurz vor der Insolvenz

 

Die Sportvereine in Prenzlauer Berg stehen nach wie vor vor einer Zerreißprobe. „Es geht durchaus so weit, dass einige Vereine kurz vor der Insolvenz stehen“, sagt der Vizepräsident des Bezirkssportbundes (BSB) Pankow Carsten Maaß. Auch Pfeffersport, der mit rund 4 600 Mitgliedern einer der größten Vereine in Berlin ist und hauptsächlich in Prenzlauer Berg trainiert, ist stark betroffen. „Wir haben im letzten Jahr insgesamt 60 000 Euro Verlust gemacht“, sagt Pfeffersport-Geschäftsführer Jörg Zwirn. „Unser gesamtes Polster ist aufgebraucht.“ Von den rund 1 300 Trainierenden, die von den Hallenschließungen in der Malmöer, Wichert- und Winsstraße betroffenen sind, seien inzwischen über 350 Mitglieder ausgetreten. Besonders viele Verluste habe es bei den Angeboten für Kinder in der Winsstraße gegeben, weil kein geeignetes Alternativangebot gemacht werden können. „Gerade Kinder müssen dort zum Sport gehen, wo sie wohnen“, sagt Zwirn. Weiter entfernte Trainingsorte zu besuchen sei für viele Familien logistisch einfach nicht machbar.

Bereits vor einem Jahr hatte die Senatsverwaltung für Inneres und Sport angekündigt, die betroffenen Vereine zu entschädigen und eigens dafür einen Fonds von einer Million Euro eingerichtet. Laut Zwirn wurde bisher aber nur ein Bruchteil der Summe – rund 38 000 Euro – überhaupt verteilt. Das Problem sind strenge Kriterien: Die Senatsverwaltung bezahlt die Vereine nur für erhöhte Miet- oder Transportkosten. „Hallen kann man aber meistens gar nicht mieten“, sagt Zwirn. Der Schaden für Pfeffersport ist stattdessen durch den Mitgliederverlust, Personal- und erhöhte Materialkosten entstanden. Sowohl das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) als auch die Senatsinnenverwaltung haben die Forderungen des Vereins nach Ausgleichszahlungen in entsprechender Höhe bisher abgelehnt. Stattdessen hat der Verein lediglich 5 000 Euro für Miet- und Transportkosten erhalten.

 

Kriterien für Entschädigung zu eng gefasst

 

Der Bezirkssportbund Pankow hat sich deshalb bereits im Dezember mit einem offenen Brief an Bürgermeister Michael Müller gewandt. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Richtlinien für den Kostenersatz so eng gewählt wurden, dass dieser Fond nicht oder nur zu kleinen Teilen abgerufen werden konnte“, heißt es darin. Die Vereine stünden vor existenziellen Problemen, schreiben die Autoren weiter. „Leider kam bisher keine Antwort vom Bürgermeister“, sagt Pfeffersport-Geschäftsführer Zwirn. Falls keine finanzielle Hilfe von den Behörden kommt, will Pfeffersport diese auf Schadensersatz verklagen.

In dem Brief fordert der Bezirkssportbung außerdem eine bessere Kommunikation von Seiten der Senatsverwaltung. „Wir bekommen Informationen ausschließlich über Dritte„, heißt es. Jörg Zwirn nennt die Vorgehensweise der Behörden „geheimsdienstartig“.

Immerhin: Inzwischen gibt es einen Antrag im Abgeordnetenhaus, die Vereine bei den entstandenen Verlusten unbürokratisch finanziell zu unterstützen. Es gehe auch darum, die Willkommensleistung der Berliner Sportvereine zu würdigen, heißt es in dem Antrag. Die meisten Sportvereine bieten integrative Sportangebote für geflüchtete Menschen aus der Nachbarschaft an.

 

Bezirk will Sportentwicklungsplanung verbessern

 

Im Bezirk wird derweil über die Vergabe von Sporthallenzeiten diskutiert. Auch hier übt Pfeffersport-Geschäftsführer Zwirn scharfe Kritik: „Es hat in Pankow keine inhaltlich sinnvolle Vergabe gegeben, seit der letzte Kaiser abgedankt hat“, sagt er. Die Vergabe sei planlos und intransparent und funktioniere nach dem Prinzip „bloß nichts verändern“. Außerdem werde auch hier nicht mit den Vereinen kommuniziert. „Wenn es zum Beispiel neue Turnhallen gibt, müssen die Vereine erst nachforschen, sonst bekommen sie überhaupt nicht mit, welche Sportstätten es überhaupt gibt“, sagt Zwirn.

Wohl auch deshalb hat die Grünen-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Januar einen Antrag gestellt, die Vergabe von Sportstätten durch das Sportamt transparenter zu organisieren. Er wird derzeit im Sportausschuss behandelt. Auch der Bezirkssportbund hat im Februar in einer Dialogveranstaltung zwischen Vereinen und dem neuen Sportstadtrat Torsten Kühne (CDU) über die Sportentwicklungsplanung diskutiert. „Es wurde früher schon mal ein Sportentwicklungsplan erarbeitet“, sagt BSB-Vizepräsident Maaß. „Der wurde allerdings in einer Schublade abgelegt und nie umgesetzt.“ Ziel sei es nun, einen neuen Plan aufzustellen und im Zuge dessen im Pankower Sportamt eine neue Stelle zu schaffen. Der neue Sportplaner soll dafür Sorge tragen, dass die Planung dann auch umgesetzt wird. Letzten Endes gehe es um die Versorgung mit Sportangeboten in allen Kiezen und damit um das direkte Wohl der Bevölkerung, so Maaß.

 

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