Von Pfeifen und Kohle

von Juliane Wiedemeier 24. Mai 2013

Das hat das MachMit! Museum für Kinder nun davon, dass es in einer alten Kirche residiert: Seine Orgel muss saniert werden. Das kostet doch mehr, als gedacht.

Im Erdgeschoss bauen zwei Jungs aus ein paar Steinbrocken eine Brücke nach Art der alten Römer. Im ersten Stock toben Kinder durchs Kletterregal. Und dazwischen steht die alte Orgel und sieht ziemlich traurig aus. Mit rot-weißem Absperrband wurde der Spieltisch mit seinen Tasten und Pedalen ordnungsgemäß abgezäunt. Eigentlich sollte die Besucher des MachMit! Museums für Kinder schon seit über einem Jahr hier etwas über Musik und Orgeln und alte Kirchen lernen können. Doch dann ist offensichtlich etwas schief gelaufen.

Man kann ja nicht reingucken in so eine Orgel – zumindest nicht, so lange sie noch zusammengebaut und alle Pfeifen an Ort und Stelle sind. So erkannten die Restauratoren des Instruments erst, als sie schon mitten in der Arbeit steckten, dass das Holz im Inneren doch wesentlich stärker beschädigt war als angenommen. „Um 25.000 Euro wird die Instandsetzung damit teurer“, sagt Dieter Wobig, Sprecher des Museums. Die 86.000 Euro, die man dank einer Förderung der Lottostiftung und mit einem kleinen Selbstanteil bereits aufgetrieben hatte, reichten damit nicht mehr aus. „Das Geld, das wir hatten, ist schon investiert. Nun ist erstmal Baustopp.“

 

Wie kommt die Orgel ins Museum?

 

Doch was macht die Orgel überhaupt im Kindermuseum? Das erklärt sich nur mit einer Gegenfrage: Was macht ein Kindermuseum in einer Kirche? Denn das war der alte Backsteinbau in der Senefelderstraße ursprünglich, bis er der Eliasgemeinde Ende der 1990er zu groß wurde. Auf der Suche nach einem Nachmieter stieß man auf das Museum, das zu dem Zeitpunkt bereits seit ein paar Jahren durch den Bezirk wanderte und sich gerne längerfristig niederlassen wollte. Ein Erbbaurechtsvertrag über 75 Jahre wurde geschlossen mit der Auflage, das baufällige Gebäude zu sanieren. 1,7 Millionen Euro wurden mittlerweile investiert. Letzte Baustelle: Die Orgel.

Ursprünglich wurde das Instrument 1910 von der Stettiner Firma Barnim Grüneberg gebaut – Menschen, die sich mit so was auskennen, wissen um das Renommee des Unternehmens seinerzeit. Während des zweiten Weltkriegs wurden Kirche und Orgel schwer beschädigt; die Orgel später ausgebaut. 1953 wurde sie in reduzierter Form mit einem Teil der ursprünglichen Pfeifen wieder in Stand gesetzt.

 

Unsere Orgel soll begehbar werden

 

Als das Museum die Gebäude übernahm, hat es die denkmalgeschützte Orgel ebenso erhalten wie einen Teil des Wandschmucks – seine Geschichte soll man dem Hauses schon ansehen. Zudem ist geplant, die Orgel als Mittel zur musischen Bildung zu nutzen. Dabei sollen die Kinder nicht nur hören und Tasten drücken, sondern auch die Orgel von innen betrachten können. All das erfordert aber die Restaurierung. Und die erfordert, siehe oben, zusätzliches Geld.

Schon seit April gibt es dafür eine kleine Spenden-Kampagne mit verschiedenen Aktionen; unter anderem kann man Pate für eine der 1800 Orgelpfeifen werden. Zudem gibt es Ende Mai noch mehrere Konzerte und eine Klanginstallation und am 1. Juni ein Spielefest. Mitte Juni ist dann Kassensturz. Weitere Informationen gibt es hier.

 

 

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