Clubs nach Weißensee

von Thomas Trappe 22. April 2013

Knaack, Kirche von Unten, Steinhaus: Wie geht’s weiter mit der Clubszene in Prenzlauer Berg? Im Norden, wenn es nach dem Bezirk geht.

Clubsterben im Wandel der Zeit: War es früher üblich, dass Anwohnerbeschwerden zur Schließung von Clubs jugendkultureller Prägung führten, sind es heute Eisdielen, die ob solcher Widerstände das Weite suchen. Und die einzigen Clubs, die noch nennenswerten Protest organisieren können, so scheint es, sind Senioren-Klubs wie die Herbstlaube oder, etwas länger her, die Rebellenhochburg in der Stillen Straße. Ist natürlich Blödsinn: In Prenzlauer Berg tut sich weiterhin was in der Clubwelt: Ein paar kämpfen gegen die Schließung, ein anderer, wiedergeborener, bereitet die Neueröffnung vor. Derweil der Bezirk versucht, bisher unentdecktes Terrain den Clubbetreibern schmackhaft zu machen. Wie sieht es aus an der Club-Front? Ein Update pünktlich zum Beginn der Partyhochsaison.

 

Knaack

Hier wird bereits die Silvesterparty geplant: Am 31. Dezember 2015 soll sie steigen, wie Jens-Holger Kirchner (Grüne), Stadtrat für Stadtentwicklung, zu berichten weiß. Kirchner verhandelt derzeit mit der Black Box Music GmbH und den Betreibern des alten Knaacks über den Neubau in der Eberswalder Straße - dort, wo sich heute die Wendeschleife für die Trams befindet. In diesem Jahr, so Kirchner, sollen die notwendigen Vorbereitungen, unter anderem für Schall- und Brandschutz abgeschlossen sein, im nächsten Jahr soll der Bau beginnen – allerdings müssen dafür erst die Verhandlungen über einen Erbbaupachtvertrag abgeschlossen werden.

Für den neuen Club werden in der Eberswalder Straße, direkt am Mauerpark, Anwohnerparkplätze weichen, zwischen 10 und 30, schätzt Kirchner. Dass es deswegen Beschwerden geben wird, kann sich Kirchner zwar vorstellen. „Aber auf die Argumentation wäre ich sehr gespannt. Man kann nicht ernsthaft auf den Club zugunsten von Stellflächen verzichten.“ Ein anderes Beschwerde-Potenzial schätzt er genauso gering ein. Die Anzahl der Anwohner, die sich durch Lärm belästigt fühlen könnten, sei marginal, da der Eingangsbereich so gelegt werde, dass Anwohner wenig hören. Auch die geplante Brücke zum Mauerpark und der damit einhergehende Außenbetrieb würde kaum für Belästigung sorgen. „Ich sehe das gelassen“, so Kirchner.

 

Das Steinhaus

Das Steinhaus im Gewerbehof „Alte Königsstadt“ an der Saarbrücker Straße kämpft seit Monaten gegen sein Aus. Das Steinhaus ist zwar Genossenschaftsmitglied, ihm wurde aber gekündigt, jetzt warten die Abrissbagger auf ihren Einsatz. Steffen Schulz, Betreiber des Steinhauses, erklärt auf Anfrage, dass es für Mitte Juni nun einen Gerichtstermin gebe. Zuvor seien mehrere Angebote des Steinhauses von der Genossenschaft abgelehnt worden. Dass es das Steinhaus auch noch 2014 geben wird, dafür will Schulz nicht garantieren. Für den 18. Mai ist eine Party angekündigt: „19 Jahre Steinhaus. Maybe the last Dance.“ Damit solle angedeutet werden, dass der 20. Geburtstag vielleicht nicht mehr erlebt werde. „Diesen Sommer machen wir aber auf jeden Fall weiter“, so Schulz. Bei der Genossenschaft in der Saarbrücker Straße war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. 

 

„Kirche von Unten“

Bei der „Kirche von Unten“ (KvU), einem traditionsreichen Jugendclub in der Kremmener Straße, sind inzwischen zwei Bezirke bei der Suche nach einem Alternativstandort involviert: Sowohl Pankow als auch Mitte suchen nach einem neuen Domizil, nachdem am alten Standort der Hausbesitzer den Mietvertrag gekündigt hat. Benny Baupunq (Künstlername) von der KvU berichtet, dass dabei aber noch nicht viel Attraktives herausgekommen sei: So habe es in Mitte ein paar Angebote gegeben, die „einer Besenkammer mit Straßenzugang“ gleichkämen. Jan Schrecker, der sich als Pankower Bezirksverordneter (Piraten) seit Monaten für die KvU engagiert, verwies darauf, dass weiterhin das alte Weißenseer Kulturhaus Peter Edel im Gespräch sei – allerdings sind hier die Vorzeichen nach wie vor negativ, das Haus bedarf noch einer Sanierung.

Seit Mitte Februar, so Benny Baupunq, gebe es nun eine Räumungsklage seitens des Vermieters gegen die KvU. Man befinde sich jetzt im Briefwechsel. Ein Räumungstermin stehe demnach noch nicht im Raum.

 

Überhaupt: Weißensee

Trotz allem: Stadtrat Kirchner glaubt nicht, dass den Clubs der Platz in der Innenstadt ausgeht. Sie müssten nur ihren Begriff von Innenstadt etwas flexibilisieren, sagt er. In einer Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage von Stefan Lenz im Abgeordnetenhaus kam Kirchner zu Wort. Und erklärte, dass im Bezirk Pankow durchaus „weitere Standorte“ gebe, „die sich für Clubs eignen. Viele dieser Flächen und Orte liegen in Gebieten, die von der Clubszene noch nicht entdeckt wurden.“ Vorrangig Areale in Weißensee meint Kirchner, zum Beispiel am alten Sternradio-Kombinat in der Liebermannstraße oder entlang der Straße „An der Industriebahn“. Solche Lokationen seien auch bei der Suche nach einem neuen Knaack-Standort angeschaut worden, so Kirchner. „Ich habe aber den Eindruck, dass das den Clubbetreibern schon zu weit draußen ist.“ 

Flächen, sie werden den Clubbetreibern also quasi nachgeworfen. Und das Land Berlin macht jetzt auch mit. Nachdem es die landeseigenen Grundstücke regelmäßig diversen Nutzern verspricht, zuletzt Studenten, wird jetzt mal den Clubs etwas in Aussicht gestellt. In der Antwort auf die Knaack-Anfrage des Abgeordneten Lenz heißt es, dass „die Überlassung von landeseigenen Liegenschaften – durch Verkauf oder Erbpacht – unter anderem für kulturelle Zwecke verbessert (sic!) werden“ solle. Zudem wird auf das vor wenigen Wochen ins Leben gerufene Programm „Pop im Kiez“ des Musicboards Berlin aufmerksam gemacht. Das soll Clubprojekte fördern, die vorbildhaft „für ein Miteinander von Livemusik und Nachbarschaft“ sind. Die Ausschreibung läuft noch.

 

 

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