Mauerpark: Das Bauschild steht

von Juliane Wiedemeier 12. Dezember 2012

Heute Mittag ist der Startschuss zur Erweiterung des Mauerparks gefallen. Die Politik verbucht das als Erfolg, für die kritischen Stimmen waren die Bürger zuständig.

Auf der offiziellen Einladung war noch die Rede von einem Spatenstich gewesen. Doch dann musste auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einsehen, dass bei einer geschlossenen Schneedecke da nichts zu machen war. So begnügte man sich mit ein paar Reden und der Enthüllung eines Bauschildes, um den Baubeginn zur Erweiterung des Mauerparks zu markieren. Bagger rollen werden in absehbarer Zeit aber nicht: Bei der Aktion am heutigen Mittwochmittag handelte es sich mehr um einen symbolischen Akt, um dem Ultimatum der Allianz Umweltstiftung Rechnung zu tragen, welche eine Erweiterung des Parks um zwei Hektar bis Ende dieses Jahres forderte. Andernfalls hätte das Land Berlin eine frühere Förderung in Höhe von 2,3 Millionen Euro zurückzahlen müssen.

Provisorisch war am Zugang von der Weddinger Lortzingstraße aus ein kleines Loch in den Zaun geschnitten worden. Auf der Fläche dahinter standen neben dem besagten Bauschild und einem kleinen Rednerpult ein paar Pavillons, unter denen Glühwein und Kuchen verteilt wurde. Presse war da, ein paar Anwohner, und natürlich die politischen Protagonisten, denen es nun auf den letzten Drücker gelungen ist, die Parkerweiterung auf den Weg zu bringen. Diese ist ja durchaus nicht unumstritten, da sie eine dichte Bebauung auf der Fläche nördlich des Gleimtunnels mit sich bringt und das Land Berlin zudem insgesamt 6,3 Millionen Euro kostet. Dennoch ließen die bekennenden Gegner der Aktion diese Gelegenheit, ihrem Unmut auch medial noch einmal Ausdruck zu verleihen, ungenutzt verstreichen.

 

Erweiterung ja, Grillen nein

 

In den Reden, die der großen Bauschild-Enthüllung voran gingen, wurden die negativen Aspekte dieser Erweiterung lieber nicht angesprochen: Berlins Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller (SPD), lobte die entstehende Wohnbebauung. Carsten Spallek (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung aus Mitte, freute sich, dass aus einer Gewerbefläche nun Park und Wohnraum würde. Zudem nutzte er die Gelegenheit, schonmal anzukündigen, dass auf der Weddinger Seite des Parks sicher nicht gegrillt werden dürfe, solange er noch im Amt sei. Henrik Thomsen von der CA Immo pries das lebens- und liebenswerte Wohngebiet, welches die städtebauliche Wunde der Teilung nun bald verheilen helfe. Und sogar Lutz Spandau von der Allianz Umweltstiftung wollte sich an diesem Tag nicht zu sehr darüber ärgern, dass das Land Berlin so unfassbar lange gebraucht hat, um diese schon Mitte der 1990er Jahre beschlossene Vergrößerung des Parks anzugehen. Statt dessen erklärte er diesen Mittwoch zum Tag der Freude und stellte weitere Investitionen der Stiftung in Berlin in Aussicht.

Einzig Rainer Krüger von der Bürgerwerkstatt Mauerpark fertigstellen hatte beschlossen, den Spielverderber zu geben. Zwar freue er sich, dass nun auch die Weddinger bald einen direkten Zugang zu Park hätten, meint er. Bei dem ausgehandelten Deal handele es sich jedoch nicht um einen Tausch von Baurecht gegen Land, sondern es flössen darüber hinaus Steuergelder zum Ausgleich der betriebswirtschaftlichen Verluste der CA Immo. „Das lässt mich diese Erweiterung nicht mit Demut aufnehmen, sondern gibt mir die Möglichkeit zur Kritik“, so Krüger.

 

Wenn Wohnraum, dann bezahlbarer

 

Also forderte er den Erhalt des Grünen Bandes auch nördlich des Gleimtunnels durch einen mindestens 25 Meter breiten Grünstreifen sowie das Engagement von landeseigenen Baugesellschaften und Genossenschaften auf dieser Fläche, damit auch bezahlbarer Wohnraum entstände. Darüber hinaus brachte er den Vorschlag ins Spiel, das leerstehende Parkhaus an der Gleimstraße zu reaktivieren und das entstehende Wohngebiet Auto-frei zu gestalten. Zuletzt wünschte er sich, dass die Bürgerwerkstatt nicht nur bei der Gestaltung des Parks, sondern auch beim Wohnen im Norden mitreden dürfe.

Während Krüger sprach, konnte sich Stadtrat Spallek immer wieder das Grinsen nicht verkneifen. Auch wenn der Startschuss zur Erweiterung des Mauerparks nun gefallen ist: Die wirklichen Diskussionen um deren konkrete Umsetzung zwischen Politik und Bürgern haben erst begonnen. 

 

 

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