Tod

Lebensnah bestatten. Was soll das?

von Julia Schmitz 18. August 2018

„Lebensnah – individuelle Bestattungen“ heißt das Unternehmen von Eric Wrede in der Seelower Straße. Ist das ein komischer Trend oder eine ziemlich gute Idee? Wir haben nachgefragt.


„Der Tod muß abgeschafft werden, diese verdammte Schweinerei muß aufhören. Wer ein Wort des Trostes spricht, ist ein Verräter“, lautet ein bekanntes Zitat von Bazon Brock. Aber sollten wir vielleicht eher unseren eigenen Umgang mit dem Thema enttabuisieren? Die meisten von uns beschäftigen sich wohl selten bis gar nicht mit dem (eigenen) Ableben – bis jemand aus der eigenen Familie oder dem Bekanntenkreis das Zeitliche segnet. Ab da an gibt es wichtige Fragen zu klären: Urne oder Sarg? Eiche, Kiefer oder Kirschbaum lackiert? Rote oder weiße Rosen? Wer bereits an einer Beerdigung teilgenommen hat, der wird sich spätestens bei der Trauerrede mitunter über austauschbar klingende Phrasen wundern.

Könnte man diese Zeremonie nicht etwas anders gestalten, eben tatsächlich auf die individuelle Person bezogen, die bestattet wird – mit selbst gestalteter Urne, passender Musik und aufrichtigen Worten? Eric Wrede, Inhaber von „Lebensnah – individuelle Bestattungen“, hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Bei ihm kann man sich sogar Urne oder Sarg selbst gestalten.

 

Lebensnah bestatten – was soll das?

Wie soll man denn sonst bestatten? Das, was seit Jahren gemacht wird, hat so wenig mit Lebensrealitäten oder Wünschen von Menschen zu tun, die gerade jemanden verloren haben. Eine Shoppingtour für den schönsten Sarg ist kein Verabschieden.

 

Wie bestattet man denn lebensnah?

Vor allem mit viel Zeit für Entscheidungen. Kaum einer weiß, was er darf und wichtiger noch: viele wissen nicht, was sie brauchen. Da fängt unsere Aufgabe an. Gemeinsam herauszufinden, was gerade wichtig ist. Abschied ist ein Prozess mit vielen Schritten, der Fokus liegt häufig viel zu sehr auf dem Akt des Beisetzens.

 

Eric Wrede, Inhaber des Beerdigungsinstituts

Wer sich für ihr Unternehmen entscheidet, kann die Beerdigung höchst individuell gestalten – z.B. den Sarg oder die Urne selber bauen. Wie wird das angenommen?

Das ist nur eine kleiner Teil, wichtiger ist, dass man mit uns jeden Schritt mitgehen kann. Bestatten ist keine Raketenwissenschaft. Wer soll denn bitte als letzter Mensch meine Oma ankleiden, wenn nicht ich?

 

Ökologisch abbaubare Särge statt schwerem, lackierten Eichensarg – Nachhaltigkeit spielt bei Ihnen eine wichtige Rolle. Braucht es das, damit sie in Prenzlauer Berg punkten können?

Den Prenzlauer Berg in allen Ehren, aber ökologisches Bewusstsein hat man in allen Bezirken. Das unser Hauptsitz hier ist, ist eher dem Zufall geschuldet und der guten Lage direkt am Ring. Wir arbeiten ja in Berliner Bezirken und auf allen Friedhöfen.

 

Tod und Beerdigung werden in den meisten Fällen noch immer hinter geschlossenen Türen vollzogen. Ist es ihr Anliegen, den Tod gesellschaftlich akzeptabler zu machen?

Eine Familie erzählte mir nach der Beisetzung warum sie sich für uns entscheiden habe: „Sie haben so normal gesprochen!“. Der Tod ist etwas alltägliches, Trauer aber eine Ausnahmesituation. Ich glaube, dass Normalität und vor allem echte Empathie in akuten Situationen helfen!

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