Greifswalder Straße: Ungeliebter Fußgängertunnel

von Kristina Auer 13. Juni 2017

Robust aber unpraktisch, dreckig und hässlich – die Fußgängerunterführung am Bahnhof Greifswalder Straße ist unbeliebt. Der Senat plant deswegen jetzt einen neuen Fußgängerweg vom S-Bahnhof zur Tramhaltestelle.

Mindestens noch weitere 59 Jahre müsste er eigentlich halten, der Fußgängertunnel unter der Greifswalder Straße. Er ist schließlich aus Stahlbeton, da geht man von insgesamt 90 Jahren Nutzbarkeit aus.  Bisher hat die 1986 erbaute Unterführung gerade mal ein Drittel davon auf dem Buckel.

Die baulichen Details gehen aus einer parlamentarischen Anfrage an die Senatsverwaltung für Verkehr hervor, die der Abgeordnete Tino Schopf (SPD) kürzlich gestellt hat. Eine Anfrage im Bezirk von Schopfs Parteikollegen Roland Schröder musste unbeantwortet bleiben, weil der Senat für das Bauwerk zuständig ist und der Bezirk deshalb keine Aussagen machen konnte. In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) war die Unterführung kürzlich schon einmal Thema, allerdings wegen ihres Müllproblems.

 

Viele Treppen, wenig Sicht

 

Dass die Unterführung tatsächlich noch so lange genutzt wird, ist unwahrscheinlich, und das liegt laut Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) nicht an ihrem Zustand. Es gebe zwar ein paar Feuchtschäden und um tatsächlich noch über ein halbes Jahrhundet durchzuhalten, müsste in den nächsten 5 bis 10 Jahren zwar abgedichtet und Beton, Fugen und Wandverkleidung in Stand gesetzt werden, so Kirchner in seiner Antwort zur Anfrage.

Der eigentliche Grund ist aber, dass der Tunnel massiv unbeliebt ist. Es gibt viele Treppen herauf und herunterzusteigen – sogenannte „verlorene Höhen“. Für Fahrradfahrer, Kinderwägen oder Rollstuhlfahrer ist die Unterführung damit sowieso Tabu. Staatssekretär Kirchner räumt außerdem ein, dass „die subjektive Sicherheit für Nutzende beeinträchtigt [ist], da die Unterquerung nicht weiträumig eingesehen werden kann.“ Soll heißen, es fühlt sich nicht besonders angenehm an dort unten. Deshalb nützen die meisten lieber die nördlich gelegene Fußgängerampel.

 

Direkte Verbindung von der S-Bahn zur Tram zu teuer

 

Um Alternativen zum Tunnel auszukundschaften, hat die Senatsverwaltung also bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) eine sogenannte Variantenuntersuchung Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Eine direkte Verbindung vom S-Bahn-Gleis zu den Tramhaltestellen wäre zu teuer und wird deshalb nicht weiter verfolgt. Stattdessen soll es jetzt ein „lichtsignalgesicherter und barrierefreier Fußgängerüberweg“ werden – die Vorentwurfsplanung sei bereits abgeschlossen, so der Staatssekretär. Was dann aus dem unterirdischen Stahlbetontunnel werden soll, ist noch unklar. Wir möchten allerdings vorschlagen: ein Fahrrad-Parkhaus! Zumindest Kirchner müsste die Idee gefallen: Denn der Senat würde an der Greifswalder Straße zwar gerne neue Fahrradstellplätze bauen, bisher sei aber kein Platz dafür.

 

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2 Kommentare

Andy 2. Februar 2020 at 1:21

Unbeliebt? Tatsächlich? Ich sehe immer scharenweise Menschen den Tunnel nutzen und bin selbst auch froh, nicht auf die Grünphase der Ampel warten zu müssen. So erreiche ich die Tram/ S-Bahn wenigstens noch pünktlich.

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John 3. Februar 2020 at 21:59

Das ist wirklich eine sehr schlechte Entscheidung! Ich kann Andy nur Recht geben. Ich kann aus eigenem Erfahren bestätigen, dass z.B. frühs ca. 70 bis 90 oder mehr Fahrgäste aus der Straßenbahn direkt in den Tunnel strömen. Man stelle sich das einmal vor, wenn alle über die Ampel gehen müssten. Da kann Gedränge auskommen, was es im Tunnel auf einem direktem Wege nicht wirklich gibt.
Es hat über 30 Jahre auch so funktioniert! Nur weil man wahrscheinlich Jahre lang nicht in den Tunnel investiert hat, duckt man sich nun unter den Deckmantel der Barrierefreiheit weg, um einen Grund für den Zuschüttung nennen zu können!

Das ist in der Tat eine undurchdachte Entscheidung in Hinsicht auf die stätig wachsenden Bevölkerungszahlen (bzw. und Umsteiger).

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