Die Online-Revolution

von Juliane Wiedemeier 15. November 2012

Ins Museum zu gehen und trotzdem vor dem Computer sitzen zu bleiben, das ermöglicht das Google Cultural Institute. Dessen neuester Zuwachs: Eine Ausstellung zur Revolution 1989 in Berlin. 

Ein Museumsbesuch im Winter hat einen großen Haken: Den Weg dorthin. Mal regnet es, mal ist es eisig, erst werden die Füße in den Winterstiefeln nass und dann sind die Stiefel im Museum angekommen viel zu warm. Von der Unmöglichkeit, einen dicken Wintermantel in dem dafür vorgesehenen Schließfach zu verstauen, ganz zu schweigen. Zum Glück bietet auch da das Internet Abhilfe mit den Online-Ausstellungen des Google Cultural Institutes. Seit vergangener Woche kann man sich dort auch über den Fall der Mauer und die Rolle, die die Bewohner des Prenzlauer Bergs dabei spielten, informieren.

 

Von Klick zu Klick zur Revolution

 

Konzipiert hat die Ausstellung mit dem Titel „Revolution in Berlin“ die Robert-Havemann-Gesellschaft, die seit 1990 die Geschichte der Opposition in der DDR dokumentiert und vermittelt. Anhand von Fotos und Originaldokumenten wird erläutert, wie es von der Aufdeckung der Wahlfälschung über Montagsdemos und Mahnwachen zum Fall der Mauer kam. Mit einem Klick kann man sich die Zeitung der Umweltbibliothek „Telegraph“ heranzoomen, in der von den Besetzern der Prager Botschaft berichtet wird, oder das Gedächtnisprotokoll einer Festnahme am 8. Oktober in der Stargarder Straße. Von Menschen aus der ganzen Welt können die 70 Exponate nun betrachtet werden. Neben Deutsch ist die Ausstellung auch in Englisch verfügbar.

„Für uns als Archiv ist das Cultural Institute eine gute Möglichkeit, Teile unserer Sammlung auch Menschen zu zeigen, die unser Haus nicht besuchen können, weil sie weit entfernt leben oder vielleicht niemals ein Archiv betreten würden“, sagt Tom Sello von der Havemann-Gesellschaft. Zudem hoffe er, dass so internationale Historiker, Ausstellungsmacher und Publizisten auf die Bestände der Gesellschaft aufmerksam würden.

 

13 Ausstellungen zum Fall des Eisernen Vorhangs

 

Insgesamt sind in der vergangenen Woche zum 23. Jahrestag des Mauerfalls 13 Ausstellungen zum Ende des Kalten Krieges online gegangen, an denen neben der Havemann-Gesellschaft auch das DDR-Museum beteiligt ist. Erzählt werden die Geschichte der Teilung Berlins und die Erfahrungen des britische Korrespondenten Peter Millar im Ost-Berlin der 1980er Jahre, aber auch die Ereignisse in Rumänien und Polen. Auf einem Zeitstrahl wurden die neuen Ausstellungen eingeordnet neben dem bereits vorhandenen Material zu Ereignissen wie dem Spanischen Bürgerkrieg, der Lebensgeschichte Anne Franks oder der Nelson Mandelas.

Zwar muss man sich erst an die Navigation gewöhnen, mit der man in der Zeit und von Ausstellung zu Ausstellung reisen kann. Ist das verstanden, funktioniert das Angebot aber fast wie ein normales Museum – mit dem kleinen Unterschied, dass man nicht selbst an Schautafeln vorbeizieht, sondern die Tafeln an einem selbst. Weil Google es mit seinen Cultural Institute gleich mit der kompletten Weltgeschichte aufzunehmen versucht, geht es zwar nie allzu sehr ins Detail. Doch einen soliden Überblick liefern die Ausstellungen definitiv, ganz bequem von zu Hause aus.   

„Revolution in Berlin“ beim Google Cultural Institute

 

 

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