Alles Gute, altes Haus!

von Juliane Wiedemeier 10. Oktober 2012

Das Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee feiert in dieser Woche seinen 25. Geburtstag. Ein guter Grund, mal kurz zurückzublicken, aber auch voraus, kurz: für eine Festrede.

Liebes Planetarium,

 

Du altes Haus! Herzlichen Glückwunsch! 25 Jahre schon stehst Du jetzt herum an der Prenzlauer Allee, um uns die Sterne näher zu bringen, und siehst doch immer noch genauso aus wie am ersten Tag. Was zum einen die Kosmetikindustrie sicher noch beschäftigen wird, zum anderen aber tatsächlich keine Schmeichelei ist, sondern die reine Wahrheit. Schließlich sind die blauen Plüschsessel noch die selben wie damals, als Erich Honecker am 9. Oktober 1987 zu Deiner Eröffnung darin Platz nahm. Auch der dreieinhalb Tonnen schwere Sternenprojektor, Typ Cosmorama, aus dem Hause Carl Zeiss ist noch in Betrieb. Und auch von den 69 Diaprojektoren wolltest Du Dich nicht verabschieden, durch die bei aufwendigen Shows bis zu 2000 Dias klappern. Mochte die Digitalisierung auch voranschreiten, Du bist Dir immer treu geblieben. Und wer kann das über 25 Jahre schon von sich behaupten?

Als damals auf dem Gelände eines alten Gaswerks mit dem Ernst-Thälmann-Park eine Wohnsiedlung für 4000 Menschen entstand, warst Du als ihr Freizeitprogramm gedacht. Heute wärst Du sicherlich ein Kino oder ein Supermarkt geworden, doch in der DDR stand man zwar nicht auf Fernreisen, aber auf Astronomie. Deine Ausflüge zu den Sternen waren stets gut besucht, und mit Deinem Café warst Du immer auch Treffpunkt und Anlaufstelle für die Menschen im Kiez. Mit der Wende verlor man dann ein wenig das Interesse an Dir, zumal Du plötzlich nicht mehr das einzige Planetarium in der Stadt warst – die Westverwandtschaft in Form des Planetariums am Insulaner in Steglitz wollte auch finanziert werden. Doch Du hast das alles stoisch überstanden und uns sogar das kurzzeitige Desinteresse verziehen. Was sind in der Welt der Sternenkundigen auch ein paar politische Umbrüche auf dem Planeten Erde?

Nun feierst Du also Deinen 25. Geburtstag, und zwar gleich eine Woche lang – nicht, dass das nicht angebracht wäre. Eine neue Multimediashow hat man zu diesem Anlass zusammengestellt, „Nachtwandler“ ihr Name, dazu kommt ein Abend voller Kurzfilme, und der lustige Mann aus dem Fernsehen schaut auch vorbei. Am Sonntag ist dann noch Tag der offenen Tür – und dann? Wir haben gehört, im kommenden Jahr ziehst Du Dich erstmal zurück, um Dir Fassade und Technik ein wenig aufhübschen zu lassen. Es sei Dir gegönnt, aber bitte versprich, es nicht Brigitte-Nielsen-mäßig zu übertreiben. Wir verstehen, dass Du endlich wieder zu den modernsten Planetarien Europas gehören willst, so wie vor 25 Jahren bei Deiner Eröffnung.

Aber lass Dir nicht Deinen Charme wegsanieren. Der würde uns sehr fehlen.

 

Das komplette Programm der Festwoche zum 25. Geburtstag des Zeiss-Großplanetariums zwischen dem 10. und 14 Oktober steht auf dieser Internetseite.

Unsere ausführliche Reportage zum Planetarium findet sich hier.

 

 

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