Bürgerwerkstatt plant Mauerpark trotz eingefrorener Finanzen

von Juliane Wiedemeier 30. August 2011

Die Entscheidung über die weitere Finanzierung der Mauerpark-Bürgerwerkstatt im Hauptausschuss steht an – mal wieder. Die Bürger der Werkstatt arbeiten derweil auch ohne Geld weiter.

Die weitere Finanzierung der Bürgerwerkstatt „Mauerpark fertigstellen“ ist ein Stehaufmännchen: Egal, wie oft die Linke im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses die Vertagung des Themas beantragt, beim nächsten Mal steht es einfach wieder auf der Tagesordnung. Am morgigen Mittwoch um 11 Uhr ist es wieder soweit: Die Abgeordneten sollen entscheiden, ob noch einmal Geld freigegeben wird, damit die Bürgerwerkstatt ihre Arbeit beenden kann. Da die Linke gegen die Arbeit der Bürgerwerkstatt ist, die SPD dafür, und im Koalitionsvertrag für einen solchen Fall die Nicht-Entscheidung vorgesehen ist, ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass vor der Wahl wieder Bewegung in die Sache kommt.

Seit einem Jahr beraten in der Bürgerwerkstatt Bürger aus Prenzlauer Berg und Wedding mit Landschaftsarchitekten und Moderatoren, wie ein erweiterter Park aussehen könnte. Um die Arbeit abzuschließen, müssten noch einmal 200.000 Euro vom Land freigegeben werden, doch genau an dieser Stelle hakt es seit Juni. Die bezahlten Kräfte haben seitdem ihre Arbeit vorerst eingestellt – die ehrenamtlich mitplanenden Bürger waren jedoch nicht so einfach aufzuhalten.

 

Werkstattmitglieder planen Park für Gäste und Anwohner, ohne Bebauung

 

„Wir haben uns dennoch getroffen und in zwei Sitzungen unsere bisherigen Ideen zusammengetragen“, erzählt Alexander Puell, Mitglied der Bürgerwerkstatt. Herausgekommen sei ein Ergebnisbericht, den man auch den Mitgliedern des Hauptausschusses habe zukommen lassen.

In dem Bericht sprechen sich die Bürger der Werkstatt dafür aus, den Mauerpark als spannenden Ort für Gäste aus aller Welt zu erhalten und ihn gleichzeitig in seiner Funktion als Anwohnerpark zu stärken. Gerade auf Weddinger Seite gebe es Akzeptanzprobleme gegenüber der als störende Partyzone wahrgenommenen Grünfläche, heißt es. „Die Mauerparkerweiterung auf Weddinger Gebiet bietet jetzt die Chance, auch deren Bevölkerung mit ihren Nutzungswünschen und Sorgen entgegen zu kommen.“ Der Süden des Park solle daher weiter als Eventfläche erhalten bleiben, während der nördliche Teil mehr der Naherholung der Anwohner dienen solle.

Auffallend in dem Bericht ist, dass im Süden der Erweiterungsfläche keine Bebauung, sondern der Erhalt von Mauersegler und Flohmarkt sowie die Anlage eines Forums vorgesehen sind. Letzteres solle als Ort für wechselnde kulturelle Angebote, aber auch gastronomische Versorgung etabliert werden, so der Vorschlag der Werkstatt-Mitglieder. Im Norden haben sie dagegen die Frage der Bebauung offen gelassen. „Es gibt durchaus Menschen, die für die Schaffung neuen Wohnraums an dieser Stelle sind“, meint Puell. Dagegen spreche jedoch der Erhalt der Kaltluftschneise. „Wir haben hier die Vorarbeit geleistet und würden den weiteren Prozess der Umsetzung gerne kritisch und konstruktiv begleiten.“

 

Stiftung Weltbürgerpark und Bürgerwerkstatt an einem Tisch jetzt denkbar

 

Eine Entwicklung, die sogar die sonst der Bürgerwerkstatt stets kritisch begegnende Stiftung Weltbürgerpark gutheißt, die derzeit Geld für den Kauf der für die Parkerweiterung benötigten Fläche sammelt. „Die Werkstattmitglieder haben sich mit der Entscheidung, erstmal alleine weiter zu machen, von den Moderatoren emanzipiert“, meint Stiftungsmitglied Heiner Funken. Wenn die Unruhe des Wahlkampfs vorüber sei, könne er sich sogar vorstellen, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen und gemeinsam über eine Zukunft des Parks zu diskutieren – ein Schritt, der noch vor kurzem völlig undenkbar schien.

Für eine Fertigstellung der Arbeit der Bürgerwerkstatt ist die Stiftung deswegen aber noch lange nicht, ganz im Gegenteil: Für morgen ruft sie ausdrücklich dazu auf, noch einmal das Thema der weiteren Finanzierung zu vertagen. Mit Unterstützung aus den Reihen der Grünen will sie stattdessen vor dem Abgeordnetenhaus symbolische Mauerpark-Zertifikate verkaufen, um für eine Parkerweiterung ohne Bebauung zu werben. „Auch wenn die Mitglieder der Bürgerwerkstatt mittlerweile vielleicht keine neuen Häuser wollen – im ursprünglichen Plan waren diese vorgesehen, und wenn die Finanzierung nun gesichert wird, gehen wir davon aus, dass eine Bebauung auch kommt“, sagt Funken. Er plädiert dafür, das komplette Thema erst nach der Wahl und dem Abschluss der Koalitionsgespräche wieder anzufassen. Vorher will er auch keine konkreten Zahlen nennen, wie viel Geld die Stiftung für ihr Anliegen bereits gesammelt hat.

Den Hinweis, dass ein gewisser Zeitdruck allein aufgrund der Frist der Allianz Umweltstiftung besteht, die im Falle einer Nicht-Erweiterung im kommenden Jahr ihr Geld zurückfordern wird, weist er zurück: „Die Stiftung hat ihre Forderung schon einmal aufgeschoben – wenn wir im kommenden Jahr einen gangbaren Weg für die Erweiterung aufzeigen können, wird sie das noch einmal tun“, glaubt Funken.

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