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Kultur | Kulturtipp

Kunst zum Hören im Wasserspeicher

03.02.2017 | Kristina Auer

Es zirpt, pfeift, rauscht und hallt im Kleinen Wasserspeicher unter dem Park am Wasserturm. Der Künstler Robert Stokowy hat dort seine Klanginstallation aufgebaut. Sie ist nur an diesem Wochenende zu hören.

Kamen die Kirchenglocken jetzt gerade aus dem Lautsprecher oder von draußen? Robert Stokowy schmunzelt. Das ist es, was er mit seiner Installation "Integrated Structure" erschaffen wollte: ein Klangkunstwerk, das sich erst im Zusammenspiel zwischen seiner Komposition und den momentanen Geräuschen des Ortes konstituiert. "Es geht nicht um klangliche Verdrängung", sagt der 28-Jährige.

 

Auditive Annäherung an den Ort

 

"Minimal-invasiv" nennt Stokowy das Werk, das gleichzeitig seine Masterarbeit an der Universität der Künste im Fach Sound Studies ist. Der Künstler will so wenig wie möglich in seine Umgebung eingreifen. Storkowys Installation ist leise und unaufdringlich und fordert genaues Hinhören. Auch muss sich das Publikum eher ruhig und langsam bewegen, um im hallenden Speicher nicht zu viel Lärm zu machen. "Die Gäste haben in der Installation eine Mitverantwortung", sagt der gebürtige Kölner. "Und sie müssen sich auf die Arbeit einlassen". Hier könnt Ihr einen kleinen Ausschnit davon hören, wie die Installation bei unserem Besuch am Mittwoch klang:

Seit Ende September hat Robert Stokowy an "Integrated Structure" gearbeitet. Die Arbeit ist eine auditive Annäherung an den Ort, hinter der auch viel Theorie und Forschung steht. "Ich war viel hier und habe genau gehört und analysiert", sagt Stokowy. Alle Töne, die er in seiner Komposition verwendet, hat er in der Umgebung des Wasserspeichers aufgenommen. "Meine Arbeit entsteht durch den Ort am Ort", sagt der Künstler. "Integrated Structure" wurde ausschließlich für den Kleinen Wasserspeicher komponiert, sie kann nirgendwo sonst funktionieren. "Radikal ortsspezifisch" nennt Stokowy diese Arbeitsweise.

 

"Durchzogen von Geräuschen"

 

Die beiden alten Wasserspeicher in Prenzlauer Berg in der Diedenhofer und der Belforter Straße sind in der Klangkunstszene renommierte Ausstellungsorte. Die Kulturinitiative Förderband und der Verein Singuhr haben hier schon viele Klangkunst-Projekte realisiert. Wer noch nie hier war, hat am Wochenende auch die Gelegenheit, sich die Architektur der wunderschönen alten Bauwerke von innen anzuschauen.

Was den Künstler am Wasserspeicher fasziniert, ist der Kontrast zwischen der vermeintlichen Abgeschlossenheit des Ortes, der architektonisch so massiv und unüberwindbar wirkt, und seiner klanglichen Durchlässigkeit. Denn tatsächlich dringt, obwohl wir uns unterirdisch unter dem Park am Wasserturm befinden, von allen Seiten eine ganze Fülle von Geräuschen herein - Autos, Kinderstimmen, Hundebellen und die besagten Kirchenglocken. "Der Speicher ist durchzogen von Geräuschen", sagt Stokowy. Seine Arbeit macht diese Vielschichtigkeit von Klängen erfahrbar.

 

Am Freitag, den 3. Februar um 18 Uhr ist die Vernissage der Klanginstallation "Integrated Structure" von Robert Stokowy. Die Arbeit ist dort auch Samstag und Sonntag von 12-20 Uhr zu hören, der Eintritt ist frei. Auch im großen Wasserspeicher in der Belforter Straße und anderen Orten präsentieren AbsolventInnen des Masterstudienganges Sound Studies an der UdK ihre Arbeiten. Das ganze Programm findet Ihr hier.

 

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