Vegane Metzgerei. Was soll das?

von Kristina Auer 14. Dezember 2017

Im Helmholtzkiez hat ein veganer Fleischwarenhandel eröffnet. In der Vetzgerei gibt es „Vurst“ und veganen Weihnachtsbraten. Grund genug, unsere Reihe wieder aufzunehmen und zu fragen: Was soll das?

Frutarier-Witze kennt jeder. Das sind Menschen, die sich angeblich nur von Früchten ernähren, bei deren Ernte keine Pflanze beschädigt wurde. Als klassisches Beispiel gilt der bereits vom Baum gefallene Apfel. In Prenzlauer Berg gibt es jetzt ein Geschäft, dass so klingt, als habe jemand die Frutarier-Logik ernst genommen: In der „Vetzgerei“ werden Pflanzen geschlachtet. Seit Mitte November produzieren die Pflanzen-Metzger Sarah und Paul Pollinger in der Raumerstraße verschiedene Vürste, Streichvurst oder aktuell : veganen Weihnachtsbraten. Wir wollten dringend mehr wissen:

 

Ihr habt einen veganen Fleischwarenhandel eröffnet. Was soll das?

Sarah Pollinger: Schon als Kind und auch noch als Erwachsene habe ich den Besuch in der Metzgerei geliebt: Dass man regelmäßig in ein Geschäft kommt, die Angestellten kennt, beraten wird, probieren und Fragen stellen kann. Als ich angefangen habe, mich vegan zu ernähren, hat mir das gefehlt. Mit der Vetzgerei wollen wir dafür eine Art Ersatz schaffen.

Sarah Pollinger verkauft in der Vetzgerei Tofu- und Seitan-Würste in den verschiedensten Geschmacksrichtungen

Ist eine vegane Metzgerei nicht irgendwie die Antithese zu der Behauptung, dass es sich auch ohne Fleisch ganz gut lebt? Und schmeckt Fleischersatz nicht am Ende einfach immer nur so ähnlich, aber nicht so gut – wie Ersatz eben?

Ganz ohne diese Art Aufschnitt oder Streichwurst würde mir etwas fehlen, das wäre schon sehr schade. Tatsächlich geht es uns aber nicht darum, eine möglichst fleischähnliche Salami herzustellen oder so. Wir wollen eigentlich keinen Ersatz schaffen, sondern eine Erweiterung des Lebensmittelsortiments. Industriell hergestellte Tofuwürstchen schmecken oft alle gleich. Bei uns gibt es die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen, zum Beispiel vegane Würstchen mit Algen, roter Beete, Ingwer oder Mandeln.

Wir haben wegen dieser Nähe zum Fleisch und der Metzgerei auch schon Kritik von manchen Kunden bekommen. Tatsache ist aber, dass es ein gutes Konzept ist. Und zwar gerade deshalb, weil es verständlich macht, was wir hier verkaufen. Das merkt man zum Beispiel auch beim Braten sehr gut: Wenn ich es einen Weihnachts-Röster nenne, weiß keiner, was gemeint ist. Sage ich Seitan-Braten dazu, ist alles klar.

 

Wonach schmeckt denn der Seitan-Weihnachtsbraten, den man bei Euch gerade vorbestellen kann?

Den Seitan-Braten gibt es in zwei Varianten: Einmal mit grob gehackten Backpflaumen und dann noch mit einer Haselnuss-Apfel-Füllung und gerösteten Zwiebeln. Den Braten gibt es als halbes oder als ganzes Kilo und man muss sich das ein bisschen so vorstellen wie einen Fleischkäse. Der kommt in so einer Form und ist fertig gewürzt und dann wird er zu Hause im Ofen gebacken. Der Braten geht beim Backen auf und wird frisch und saftig.

 

Wie typisch Prenzlauer Berg ist die Vetzgerei?

Schon sehr typisch, deshalb sind wir auch hier. In Prenzlauer Berg gibt es schon das Bewusstsein für veganes Essen und hoffentlich recht viele Nachbarn in der Umgebung, die sich über unseren Laden freuen.

 

In unserer Reihe „Was soll das?“ fragen wir regelmäßig Leute, was das soll. Falls Euch etwas auffällt, bei dem Ihr Euch das schon immer gefragt habt, freuen wir uns über einen Hinweis an redaktion@prenzlauerberg-nachrichten.de.

Das könnte Dich auch interessieren

3 Kommentare

Antonietta 14. Dezember 2017 at 8:35

Viele assoziieren mit veganer Ernährung vor allem Verzicht. Ärzte weisen aber darauf hin, dass Veganer keineswegs kränkliche Genussverweigerer sind, sondern gesünder leben als der Durchschnitt. Diese Form der Ernährung könne vor Diabetes, Bluthochdruck und sogar Krebs schützen.

Antworten
Diana 2. Januar 2018 at 9:16

Das ist sehr erfreulich. Schön, dass verschiedene Alternativen in einem Fachgeschäft verfügbar sind. Ich wohne nicht in Berlin aber ich werde bestimmt mal vorbeischauen!

Antworten
Schöpf Angelika 3. Januar 2018 at 8:29

Schönen guten Morgen, haben sie auch einen Onlineshop, wohne in Hamburg und bin seid 3 Jahren Veganerin und würde gerne ihre Ware probieren. Lieben Gruss
Geli Schöpf.

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar