Des Kaiser’s neues Kleid

von Juliane Wiedemeier 10. September 2013

Das Grundstück samt Kaufhalle am Teutoburger Platz wird verkauft. Kein Grund zur Sorge, sagt der Noch-Besitzer: Der Supermarkt wird wohl bleiben, als Mieter im mehrstöckigen Neubau. Anderen Märkten könnte es ähnlich gehen.

4500 Quadratmeter großes Grundstück in Prenzlauer Berg unweit des Alexanderplatzes zu verkaufen, voll erschlossen, keine Bodenbelastung, Neubebauung erwünscht – kaum war diese Anzeige für das Gelände des Kaiser’s Supermarkts am Teutoburger Platz online gegangen, da liefen im Pankower Bezirksamt die Telefone heiß. Nach dem 60ten Anruf habe man aufgehört, zu zählen, sagt Jens-Holger Kirchner (Grüne), Stadtrat für Stadtentwicklung. Zu beantworten war immer die gleiche Frage: Was ist auf dem Grundstück erlaubt, was darf gebaut werden? An Begehrlichkeiten mangelt es schon einmal nicht.

Derzeit gehört das Areal noch der TLG Immobilien, der Nachfolgerin der Treuhand. Diese war nach der Wende für die Privatisierung von DDR-Betrieben zuständig und übernahm auch die einst staatlichen Kaufhallen, in Prenzlauer Berg unter anderem am Teutoburger Platz, in der Winsstraße sowie der Pappelallee. In allen drei Fällen ist das Grundstück bis heute im Besitz der TLG, die im vergangenen Jahr vom Bund an den US-amerikanischen Finanzinvestor Lone Star verkauft wurde. Mieter und Betreiber eines Supermarkts ist jeweils Kaiser’s Tengelmann.

 

Ein Stockwerk ist nicht genug

 

Am Teutoburger Platz hat sich die TLG nun zum Verkauf entschlossen. „Wir haben das Grundstück ausgeschrieben und zahlreiche Kaufinteressenten“, bestätigt Olaf Willuhn von der TLG. Und schiebt gleich hinterher, dass das aber noch lange nicht bedeute, dass der Supermarkt verschwände. „Im Moment sieht es so aus, als ob das Lebensmittel-Angebot erhalten bleibt“, sagt Willuhn. Allerdings würde es wohl ergänzt durch weitere Nutzung. Konkret bedeutet das, dass der alte Flachdachbau abgerissen wird, ein mehrstöckiger Neubau kommt und im Erdgeschoss wieder eine Kaufhalle einzieht.

In der Ausschreibung für das Grundstück ist nachzulesen, dass Kaiser’s Tengelmann schon vor Ablauf des aktuellen Mietvertrags 2015 einem Neubau zuzustimmen würde, wenn das Unternehmen dort wieder unterkäme. Demnach ginge es dem Kaiser’s am Teutoburger Platz so wie dem Rewe in der Pasteurstraße oder dem Netto in der Gotlandstraße. Auch dort versuchen die Eigentümer aus den gestiegenen Grundstückspreisen mehr zu machen, als die einstöckigen Bauten derzeit zulassen, ohne die Supermärkte endgültig zu vertreiben.

 

Nahversorgung bleibt

 

Im Bezirk sieht man diese Entwicklung gelassen, so lange nur der Einzelhandel und damit die Nahversorgung für die Nachbarschaft gesichert bleiben. „Zur Not würden wir das über einen Bebauungsplan vorschreiben – aber derzeit sehe ich dazu keine Veranlassung“, so Stadtrat Kirchner. Schließlich seien Supermärkte zahlungskräftige Mieter, und ein neuer Eigentümer müsse schon „mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn er sich das entgehen lässt.“

Ähnlich argumentiert auch Roland Schröder (SPD), Vorsitzender des Pankower Stadtentwicklungsausschusses. „Wir werden uns für den Erhalt der Nahversorgung einsetzen. Das bedeutet aber nicht, dass die Kaufhallen in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben.“

Der gewohnte Anblick auf den 1982 errichteten Flachdachbau wird am Teutoburger Platz also bald der Vergangenheit angehören. Die Standorte Winsstraße und Pappelallee ständen hingegen derzeit nicht zum Verkauf, betont Willuhn von der TLG. „Das ist nur eine Frage der Zeit, bis auch dort verkauft wird“, meint Stadtrat Kirchner.

 

Nachtrag, 13, September, 10.30 Uhr

Die Berliner Zeitung berichtet in ihrer Online-Ausgabe von gestern, dass das Grundstück am Teutoburger Platz für 17 Millionen an einen Münchner Investor gegangen sei. 

 

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