Preis für Stadtbad-Kauf bleibt geheim

von Thomas Trappe 20. Dezember 2011

Der Vertrag für das Bad in der Oderberger Straße ist unterschrieben, Summen wurden nicht genannt. In zwei Jahren soll es saniert sein – nach historischem Vorbild.

Barbara Jaeschke konnte vor Adrenalin nicht sitzen. Sicher war ein bisschen Koketterie dabei, als die Chefin der GLS Sprachenzentrum am heutigen Dienstagnachmittag offiziell den Kauf des alten Stadtbads in der Oderberger Straße verkündete – aber die Erlösung, dass jetzt alles wie geplant über die Bühne gegangen ist, konnte man der Frau abnehmen. Immerhin bemühen sich Bezirk, der Liegenschaftsfonds Berlin und die Stiftung Denkmalschutz schon seit Jahren darum, das Bad zu verkaufen und es so möglich zu machen, dass es wieder als öffentliche Badeanstalt genutzt werden kann. Nach zähen Verhandlungen zwischen GLS und der Stiftung konnte nun also Vollzug gemeldet werden. Und nach zehn Minuten schaffte es Barbara Jaeschke heute Nachmittag dann auch, sich wieder zu setzen.

Die Umrisse der Pläne waren ja schon länger bekannt. Die GLS, die in der Kastanienallee, also um die Ecke des Bads in der Oderberger Straße, bereits die Sprachschule und ein Hotel betreibt, wollte das Bad in dieses Konzept integrieren. Das Bad sollte dabei, das war eine Forderung des Bezirks und des Liegenschaftsfonds, öffentlich zugänglich sein, also nicht etwa zum Luxustempel für GLS-Schüler und -Gäste umgebaut werden. Bei der Pressekonferenz wurden nun Details genannt, wenn auch längst nicht alle.

 

Solaranlage und Blockheizkraftwerk

 

Demnach soll das Bad nach dem Vorbild etwa des Stadtbads Neukölln saniert werden. So weit wie möglich soll dabei die historische Substanz erhalten bleiben, so der im Familienunternehmen GLS für architektonische Fragen zuständige Hans-Dieter Jaeschke. Die Haupthalle soll wie das gesamte Haus entkernt, aber nicht in der Struktur verändert werden, das gleiche gilt für die Außenfassade. „Das ist eine große Herausforderung“, räumte Hans-Dieter Jaeschke ein, die GLS arbeite dabei eng mit der unteren Denkmalschutzbehörde zusammen. Auf dem Dach des GLS-Komplexes soll eine Solaranlage für Energie sorgen, außerdem sollen ein oder zwei Blockheizkraftwerke eingebaut werden.

Einher mit der Sanierung geht eine Ausweitung des Hotelbetriebs. Bereits jetzt stehen den laut GLS jährlich rund 5.000 Sprachstudenten 50 Hotel-Zimmer zur Verfügung – nach der Sanierung sollen es 70 mehr sein. Auch wenn im Rahmen der Verhandlungen immer wieder darauf verwiesen wurde, dass ein Hotel nicht für mehr Verkehr im Kiez sorgen würde, da die meisten Gäste mit der Bahn anreisten, wurde nun erklärt, dass das Konzept auch den Bau einer Tiefgarage vorsieht.

 

Vier Wochen konstruktiv

 

Barbara Jaeschke sieht das neue Bad als ein „Melting Pot“, in dem sich Sprachschüler und Berliner Badende begegnen können. Dazu soll das Bad mindestens fünf Tage geöffnet sein, die Eintrittspreise lehnten sich an die Tarife der öffentlichen Bäderbetriebe an. Für Besuch geschlossen werde das Bad, wenn es für Veranstaltungen gebraucht würde.

Christian Melcher, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Denkmalschutz, machte während der Pressekonferenz deutlich, dass er sich erst in den letzten Wochen mit dem Gedanken anfreunden haben könne, dass eine Sprachschule ein öffentliches Bad betreibe. „Das dauerte bei uns länger als bei der Öffentlichkeit, bis wir das verstanden haben“, sagte er. Lange Zeit favorisierte seine Stiftung als Käufer eine Gruppe von Unternehmen um den Projektentwickler Realace.

Inzwischen sei Melcher aber überzeugt, dass die GLS im Sinne der Stiftung agieren werde. Und falls sie es nicht wolle, fügte er hinzu, „ist es ja nun eindeutig vertraglich festgehalten“. Gegenüber den Prenzlauer Berg Nachrichten erklärte Barbara Jaeschke, dass „in den letzten vier Wochen sehr konstruktiv verhandelt wurde“. Und ergänzte: „Man hätte zu dem gleichen Ergebnis sicher schon früher kommen können.“

 

Öffentliches Interesse und privates Engagement

 

Zu dem Kaufpreis indes schwiegen sich die Vertragspartner aus, entscheidend sei, dass es jetzt vorangehe, hieß es unisono. Auch, wann das Stadtbad saniert übergeben werden kann, ist noch offen. Die verantwortliche Architektin vom Berliner Architekturbüro cpm, Britt Eckelmann, erklärte, dass eine Fertigstellung in zwei Jahren „realistisch“ sei. Wie lange es auch dauert und wieviel es auch gekostet hat – der für Stadtentwicklung zuständige Pankower Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) fasste es so zusammen: „Es ist ein guter Tag für Prenzlauer Berg. Und ein gutes Beispiel, wie privates Engagement und öffentliches Interesse zusammengehen können.“

 

 

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