Werneuchener Wiese Beachvolleyball

Hier steht bald eine Schule

von Kristina Auer 5. Januar 2019

JAHRESRÜCKBLICK 2018 – Oktober: Für einen Schulstandort auf der Werneuchener Wiese sollen Beachvolleyballfelder geopfert werden.


ARTIKEL vom 25. Oktober 2018:

Kaum zu glauben: Auf der Werneuchener Wiese sollen nun doch bald Kinder lernen! Doch dafür müssen die Beachvolleyballer gehen – nach 22 Jahren.

Die Werneuchener Wiese – die ewige Brache an der Grenze zwischen Volkspark Friedrichshain und Prenzlauer Berg – ist jäh aus ihrem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf erwacht: Bisher wurden Pläne für die Wiese entweder verworfen oder auf die lange Bank geschoben. Doch jetzt ist dem Bezirk offenbar aufgefallen, wie dringlich sein Problem mit der Schulsanierung ist. Diesmal soll alles ganz schnell gehen: schon im nächsten Jahr sollen auf dem verwahrlosten Stück Stadtgrün an der Ecke Danziger und Kniprodestraße die Bagger rollen. Nur: Die Pläne gehen auf Kosten derer, die die Werneuchener Wiese bisher als Einzige sinnvoll zu nutzen wussten.

 

Ausweichschule auf der Wiese

Pankow möchte auf dem südlichen Teil der Grünfläche eine Ausweichschule bauen. Für etwa füns bis zehn Jahre soll die sogenannte „Drehscheibe“ Schulen ein würdiges Exil bieten, deren Gebäude grundlegend saniert werden müssen. Die Schülerinnen und Schüler der Kurt-Schwitters-Schule in der Greifswalder Straße werden laut Bezirk als erste in dem Ersatzstandort die Schulbank drücken. Danach soll auch die dringend sanierungsbedürftigen Tesla-Schule in der Rudi-Arndt-Straße in die Ausweichschule im Grünen ziehen.

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Geplant sind auf rund 6000 Quadratmetern der Werneuchener Wiese dreistöckige Container- oder Modulbauten für etwa 600 Schülerinnen und Schüler. Dazu kommen eine Zweifeldsporthalle als Zelt- oder ebenfalls Containerkonstruktion, ein Schulhof mit Garten und 220 Fahrradstellplätze. Schon nächstes Jahr soll mit der Aufstellung begonnen werden. Bis 30. November müssen die Pläne aber noch mit allen zuständigen Fachämtern abgestimmt werden.

 

Beachvolleyballer wollen bleiben

Der Wermutstropfen: Für die Ersatzschule wurde dem Beachvolleyball-Verein „City Beach“ gekündigt, der seit 22 Jahren mit Idealismus und Engagement die ersten Beachvolleyballfelder in Berlin betreibt. Schulen und soziale Projekte dürfen die Felder sogar gratis nutzen. Muss es denn ausgerechnet hier sein, fragt man sich angesichts des größten Teils der Wiese, wo statt braun gebrannter Ball-Athleten höchstens Büsche und Gestrüpp mit einem überlegenen Team aus Hundehaufen konkurrieren.

Die Beachvolleyballer wollen sich jedenfalls noch nicht geschlagen geben und wenigstens einen Teil ihrer Flächen behalten. Dafür hat der Verein eine Online-Petition gestartet. „Beachvolleyball verbindet und findet im Gegenteil zu anderen Sportarten völlig freundschaftlich, friedlich und ohne jeglichen Rassismus statt. Wir sind der Meinung, dass genau diese Fakten in unserer heutigen Zeit umso mehr zählen“, heißt es in dem Antrag. Die Sportstätte sei Aushängeschild und Bereicherung für den Bezirk und die ganze Stadt. Schon über 1700 Menschen haben die Petition unterschrieben.

 

Kompromiss vage angedeutet

Die Schule kann laut Bezirk nicht auf einem anderen Abschnitt der Werneuchener Wiese gebaut werden, denn: Der nördliche Teil nahe der Danziger Straße wird nicht vom Bezirk sondern von der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) verwaltet und muss für eine seit Jahren geplante Feuerwache freigehalten werden. Der Abschnitt, auf dem einst der Rewe-Supermarkt aus der Pasteur-Straße sein Wiesen-Exil fand, ist für die geplante Ausweichschule wohl zu klein.

Ganz vage hat der Bezirk aber angedeutet, dass sich vielleicht doch noch eine Lösung für den Verbleib finden könnte. Die Kündigung stelle für den Bezirk eine Rechtslage her, „auf der Verhandlungen erst möglich werden“, schreibt Stadtentwicklungsstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) in der Antwort auf eine mündliche Anfrage in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV) aus der vergangenen Woche. Laut eines Berichts im rbb-Fernsehen hat Kuhn außerdem angedeutet, die Volleyballfelder könnten möglicherweise temporär auf den nördlichen Wiesenabschnitt ziehen. Solange eine Feuerwach nicht konkret in Planung ist, wäre eine vorübergehende Nutzung durch die Beachvolleyballer denkbar – darüber müsste allerdings die BIM entscheiden.

Klar ist: Die Werneuchener Wiese soll nach dem Willen des Bezirks langfristig eine Grünfläche bleiben, um das Defizit an Stadtgrün des benachbarten Bötzowviertels zu lindern. Ein dauerhafter Schulstandort, für den die gesamte Wiese benötigt würde, ist deshalb nicht geplant. An den Plänen zu einer Bürgerwiese mit Gemüsegärten will der Bezirk festhalten.

 

Foto: Victoria Scherff

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