Der Leiter des Planetariums Tim Florian Horn vor einer zerstörten Scheibe des Planetariums

Vandalismus am Planetarium

von Victoria Scherff 8. November 2018

Überfüllte Mülleimer, eingeschlagene Scheiben und Ratten rund um das Zeiss-Großplanetarium: „Ich kann den Müll nicht länger ertragen“, sagt Planetariumsleiter Horn.


„Es ist mittlerweile die vierte Scheibe, die innerhalb von vier Wochen eingeschlagen ist.“ Tim Florian Horn runzelt die Stirn, während er über den Vandalismus am Zeiss-Großplanetarium spricht. Anfang Oktober gab es das erste gesplitterte Glas, erzählt der Planetarium-Direktor, danach zerbrach wöchentlich entweder vor oder hinter dem Gebäude eine weitere Scheibe. Die Täter kamen meist gegen Mitternacht, warfen Glasflaschen in die Scheiben und verschwanden unerkannt. 

Eine Scheibe sei durch eine Rangelei kaputt gegangen. Der Mann, der so im Glas gelandet ist, habe noch auf die Polizei gewartet; seine Versicherung komme für den Schaden auf, erzählt Horn. Die Reparatur der anderen drei Scheiben zahlt die Stiftung Planetarium Berlin, dessen Vorstand Horn auch ist. Er hat keine Ahnung, wer hinter der Zerstörung steckt: „Wir haben niemandem etwas getan, das wird Übermut sein.“

 

„Die größte Ratte nennen wir Freddy“

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Die kaputten Scheiben ärgern Horn nicht so sehr wie der Müll rund um das Planetarium: „Das ist ein täglicher Eindruck, den die Gäste von uns bekommen. Ich kann den Müll nicht länger ertragen.“ Auf der Grünfläche vor dem Planetarium gibt es nur einen kleinen Mülleimer – und der sei ständig überfüllt. 2016 hat der Bezirk zwar einen zusätzlichen Abfallcontainer auf der Wiese hinter dem Planetarium aufgestellt, doch anscheinend reicht das nicht. Besucher sprächen Horn an, warum der Park um das Planetarium so verdreckt sei.

Kaputte Scheibe am Planetarium / Foto: Tim Florian Horn

Kaputte Scheibe am Planetarium / Foto: Tim Florian Horn

„Auf dem Weg ins Planetarium müssen die Besucher an Raben vorbei, die im Müll picken“, erzählt er. Und wo Müll ist, da sind Ratten nicht weit. Horn versucht, die Sache mit Humor zu sehen: „Die größte Ratte nennen wir Freddy.“

Das Zeiss-Großplanetarium ist ein Besuchermagnet – nach der Wiedereröffnung im Jahr 2016 verdreifachten sich laut Horn die Besucherzahlen. 200.000 Besucher aus dem In- und Ausland strömen auf dem Weg zum Planetarium nach Prenzlauer Berg.
Viele Besucher bedeuten auch mehr Müll, aber nicht nur sie seien verantwortlich für den Müllzuwachs. Auch der Rekordsommer 2018 habe mehr Menschen dazu eingeladen, oft und lange Zeit in den Grünanlagen zu verbringen. „Es ist mindestens eine Verdopplung der Nutzung des Parks spürbar“, beobachtete Horn. Er freut sich, dass der Park rege genutzt wird, nur: Die Zahl der Mülleimer ist gleich geblieben, und die werden laut Horn zu selten geleert. Die Stufen vor dem Planetarium seien beliebt für nächtliche Treffen – dass sein Wissenschaftstheater deswegen zur Zielscheibe wird, will der Leiter nicht hinnehmen.

Mülleimer vor dem Zeiss-Großplanetarium / Foto: Victoria Scherff

Mülleimer vor dem Zeiss-Großplanetarium

Zeiss-Großplanetarium: mehr Polizei und Videoüberwachung

Horn hat sich mit seinen Sorgen an die lokale Politik gewandt. Über die Vermüllung und den Vandalismus im Bereich des Zeiss-Großplanetariums wurde Ende Oktober in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Pankow gesprochen. Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) sieht die Sache so: Der Bezirk habe zu wenig Geld, um noch mehr Mülleimer aufzustellen oder die bestehenden häufiger zu leeren. Die betroffenen Grünflächen beim Planetarium sieht Kuhn nicht als „Kriminalitäts- oder Vandalismus-Schwerpunkt“; allein die Anzahl der Obdachlosen habe sich erhöht.

Horn sieht das anders und hat sich deshalb an die zuständige Polizeiwache gewandt – künftig soll es nun einen Haltepunkt für die Polizei-Streife beim Planetarium geben. Auch eine Kamera will der Planetariumsleiter am Gebäude installieren.

 

BSR soll Park reinigen

Müll im Ernst-Thälmann-Park / Foto: Tim Florian Horn

Müll im Ernst-Thälmann-Park Foto: Tim Florian Horn

„Ich würde mir wünschen, dass die Pflege des Parks an die BSR übertragen wird“, sagt Horn. Vergangenes Jahr wurden bereits fünf Grünflächen in Pankow in das Pilotprojekt für eine Reinigung durch die BSR aufgenommen, doch darüber entscheidet die Senatsverwaltung und nicht der Bezirk. Künftig könne der Bezirk jedoch den Ernst-Thälmann-Park mit auf die Vorschlagsliste nehmen, heißt es im Protokoll der BVV.

Dass der Bezirk keine Ressourcen für die Grünpflege und Müllbeseitigung hat, versteht Horn, daher sucht er nach anderen Lösungen: „Wir könnten den vorderen Teil in eine Art Wissenschaftspark umgestalten.“ Die Flächen würden dann an die Stiftung Planetarium Berlin gehen, die vor und um das Planetarium Außenausstellungen wie einen Planetenlehrpfad realisiert. „Somit würde dieser Teil des Parks eine eigene Funktion und Wertigkeit bekommen und wir können uns selbst um Gelder für die Reinigung kümmern“, so Horn.
Tatsächlich gehört nur ungefähr ein Meter um das Gebäude herum noch zum Zeiss-Großplanetarium. „Zu DDR-Zeiten war das anders“, erinnert sich Horn. Damals habe noch die Litfaßsäule dazu gehört, von der Werbung auf das Gebäude projiziert wurde.

Bisher bleibt dem Planetarium jedenfalls nichts anderes übrig, als selbst nach dem Rechten zu sehen: Momentan reinige der Hausmeister jeden Morgen die Stufen und den Vorplatz vor dem Gebäude – ein Areal, für das eigentlich der Bezirk zuständig ist. Die kaputten Scheiben werden bald ausgetauscht, sagt Horn.

Titelfoto: Victoria Scherff

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