Hart an der Bezirksgrenze arbeiten Konrad Braun, Ludger Lemper und Stefan Sprenker (v.l.n.r.) an einer mobilen Begegnungsstätte für den Mühlenkiez (Foto: Constanze Nauhaus)

Kieztreff auf vier Rädern

von Constanze Nauhaus 15. Februar 2018

Café, Theaterbühne und Kaufhalle in einem – auf 15 Quadratmetern. Im Mühlenkiez sind Visionäre am Werk. Und Mitstreiter willkommen.


Schon auf dem Rad schlägt das Herz höher, nicht nur der Sonne wegen. Sondern auch aus schierer Freude darüber, dass es solche Orte noch gibt im Prenzlauer Berg. Auch wenn die Bildhauer-Werkstatt von Stefan Sprenker, die sich auf einem alten Industriegelände noch hinter Michelangelo- und Kniprodestraße entlang der Mauer des jüdischen Friedhofs Weißensee auf 1000 Quadratmetern erstreckt, wirklich nur noch haarscharf an Lichtenberg vorbeischrammt. Draußen steht ein schicker Bauwagen – selbstgebaut – neben einer Art Geräteschuppen. Ansonsten: Skulpturen, Euro-Paletten, schweres Gerät, ein alter Kühlschrank.

Eine Begegnungsstätte für den Mühlenkiez

Hier, auf diesem weißen Fleck auf der Landkarte, entsteht gerade etwas. In der weitläufigen Baracke wird an diesem Vormittag bereits gewerkelt, Holzlatten werden vermessen. Im hinteren Teil des Raumes: Ein Trailer, sechs mal zweieinhalb Meter groß, darauf Holz. Viel ist noch nicht zu sehen von dem geplanten „Kulturmarktmobil“, das diesen Frühling in drei Bauwochen zusammengehämmert werden soll. „Der Mühlenkiez braucht eine Begegnungsstätte“, findet Ludger Lemper, der eigentlich Theaterregisseur ist, sich aber ehrenamtlich im 2016 gegründeten „KulturMarktHalle Berlin“ e.V. engagiert.

Die Idee: Einen Ort für „niedrigschwellige Treffen“ schaffen – in einer Gegend, die mit sozialer Infrastruktur nicht gerade verwöhnt ist. In unmittelbarer Nachbarschaft, in der Storkower Straße, leben zudem rund 1000 Neuberliner. Menschen mit und ohne Fluchtgeschichte sollen sich im und am mobilen Kulturmarkt begegnen können, auf kleinstem Raum – der von Architekt Konrad Braun mitentworfene zweietagige Holzbau ist angelehnt an die weltweite „Tiny House“-Bewegung. Ein Café wird auf den 15 mobilen Quadratmetern Platz finden, eine kleine Bühne für Musik, Theater, Performances und bildende Kunst sowie ein modularer Marktstand, auf dem Waren feilgeboten werden können – als „Existenzgründungsmaschine für Ankommende“, wie es Konrad Braun formuliert. Das geplante Café etwa wird von einem jungen Syrer betrieben.

So soll das Kulturmarktmobil dereinst aussehen (Skizze: KulturMarktHalle Berlin e.V.)

So soll das Kulturmarktmobil dereinst aussehen (Skizze: KulturMarktHalle Berlin e.V.)

 

Die Idee: Eine richtige Markthalle

Der mobile Marktstand dient als Auftakt zu einem größeren, dem Ursprungsprojekt: Der Verein ist dran an einer alten Kaufhalle in der Hanns-Eisler-Straße 93, die der jüdischen Gemeinde gehört. Hier, wo bis vor fünf Jahren noch ein aus der Zeit gefallener Indoor-Flohmarkt residierte, soll die „KulturMarktHalle“ entstehen: Nachbarschaftstreff, Veranstaltungsort – und Markthalle. „Wir wollen Neuankommern die Chance geben, in der Dienstleistung, dem Handel oder im künstlerisch-kreativen Bereich eine eigene Existenz aufzubauen“, lautet die Vision. Nach jahrelanger Unklarheit sieht es nun gut aus mit den Plänen. „Seit einer Woche wissen wir nun, dass die jüdische Gemeinde einen Eintritt in Nutzungsverhandlungen mit uns zugestimmt hat“, freut sich Lemper. Heißt: Sobald die Finanzierung steht, kann es losgehen. Bislang gibt es lediglich eine kleine Förderung für die mobile Variante, die ab Mai in Betrieb gehen soll. „Es wird nicht so sein, dass wir hier in zwei Monaten einen neuen, hippen Ort für Kultur schaffen“, warnt Lemper lachend vor. Dafür mahlen die Mühlen im Mühlenkiez einfach zu langsam.

Wer beim Bauen mithelfen will, tue sein Interesse unter info@markthalle-berlin.de kund. Hier steht, welche Skills sonst noch gesucht werden.

 

 

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