Was aus dieser Wiese werden könnte

von Kristina Auer 6. Juli 2017

Okay, ein paar Beachvolleyballfelder, eine Tankstelle, zwischenzeitlich ein Supermarkt – aber im Großen und Ganzen passiert auf der Werneuchener Wiese am Friedrichshain seit Jahrzehnten vor allem: nichts. Könnte sich das doch noch irgendwann ändern?

Hier könnte eine dringend benötigte Schule für hunderte Prenzlauer Berger Kinder stehen – oder wie wäre es mit einem Krankenhaus, mehreren hundert bezahlbaren Wohnungen, einer Unterkunft für Geflüchtete, oder wenigstens unserem Lieblingsvorschlag: endlich einem Freibad für Prenzlauer Berg!? Für die Werneuchener Wiese am westlichen Ende des Volksparks Friedrichshain gab es schon viele Pläne. Bis letzten Herbst stand auf ihr der für den Neubau in der Pasteurstraße zwischenzeitlich ausquartierte Rewe-Supermarkt. Sogar eine Bürgerinitiative wurde schon gegründet, um sich der Zukunft dieses unbebauten Fleckchens Prenzlauer Berg anzunehmen.

Trotz alledem wächst auf der Werneuchener Wiese noch immer das Gras, so weit das Auge reicht. Und bietet damit die optimale Projektionsfläche für allerlei erwähnte städtebauliche Fantasien. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Wiese nämlich schon einmal komplett mit gründerzeitlichen Wohnhäusern bebaut (mehr zu ihrer Geschichte steht hier). In Zeiten des Wachstums und der Verdichtung stellt sich die Frage: Warum also nicht wieder bebauen?

 

Brandreste und Trümmer

 

Wer sich nicht so recht mit der spärlich genutzten Grünfläche abfinden kann, ist die Pankower SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) . Von dort kommen immer wieder Anfragen zum Verbleib der Werneuchener Wiese, so geschehen auch jetzt gerade wieder. Diesmal fragte die Verordnete Anna Howind Moreno (SPD) das Bezirksamt unter anderem nach den Besitzverhältnissen des Grundstücks. Außerdem wollte sie wissen, was über die Unterwelt der Wiese bekannt ist.

„Auf der gesamten Fläche ist mit Fundamentresten und Leitungen der ehemaligen Bebauung sowie mit unterirdischen Hohlräumen zu rechnen, schreibt Bezirksstadtrat Torsten Kühne (CDU) in seiner Antwort. Es sei anzunehmen, dass die früheren Gebäude alle unterkellert gewesen und nach dem „nur einfach mit Schutt verfüllt und mit Erde abgedeckt“ worden seien. Laut Kühne gibt es außerdem mündliche Informationen, dass auf einem Teil der Wiese zu DDR-Zeiten eine unterirdische Schießanlage angelegt worden sei.

Das Bezirksamt vermutet unter der Wiese außerdem allerlei „belasteten Bodenaushub“ und Trümmerschutt sowie Brandreste. Im Fall einer geplanten Bebauung müsste der Boden also zuerst gründlich untersucht werden. Und abschließend: „Es muss mit erheblichen Zusatzkosten für die Herrichtung des Geländes gerechnet werden“.

 

Für Feuerwehrstandort vorgemerkt

 

Etwas zuversichtlicher in Sachen Bebauung stimmen da die Besitzverhältnisse: Die Wiese gehört bis auf das Grundstück mit der Tankstelle in der Margarete-Sommer-Straße dem Land Berlin. Allerdings ist sie derzeit als öffentliche Grünfläche gewidmet und zählt zum sogenannten „Fachvermögen“ des Straßen- und Grünflächenamts. Für die Wiese gibt es außerdem seit 1994 den Bebauungsplan IV-13, der sie als öffentliche Grünfläche festlegt. Für andere Pläne müsste also zunächst der B-Plan geändert werden.

Das an der Ecke Danziger und Kniprodestraße gelegene Flurstück 90 zählt zwar auch zu diesem Fachvermögen, wird aber als Teil des Sondervermögens Immobilien des Landes Berlin (SILB) von der Berliner Immobilien Management (BIM) verwaltet. Laut Bezirksamt hat die BIM das Grundstück als Standort für eine Feuerwache eingeplant.

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin

 

Wenn die Werneuchener Wiese also überhaupt irgendwann eine andere Funktion erfüllen wird als die des überdimensionierten Hundeklos, dann wird dies zumindest noch eine ganze Weile dauern. Übrigens: Zu DDR-Zeiten wurde für einen geplanten Neubau auf der Wiese schon mal eine Baugrube ausgehoben. Dort befindet sich jetzt eines der Beachvolleyballfelder. Na, wäre das nicht ein guter Anfang für ein schönes Schwimmbecken? Die Redaktion freut sich über Bürgerinitiativen-gründungswillige Mitbürger und Mitbürgerinnen!

 

Heute schon was fürs Karma getan? Wie wärs hiermit: Unabhängigen Lokaljournalismus unterstützen!

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3 Kommentare

Sebastian W. Merkel 6. Juli 2017 at 14:43

Ich bin für eine Schule!

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Rainer 6. Juli 2017 at 20:37

Auf dem Gelände standen auch nach dem Krieg einige Häuser, wie man auf alten Fotos und Luftbidern sehen kann, z.B. hier: https://interaktiv.morgenpost.de/berlin-1953-2016/
Warum wurden die abgerissn? Bei einer Neubebauung sollte man sich daran orientieren, gerne auch eine Schule und bezahlbare Wohnungen!

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Zürn-Kasztantowicz 7. Juli 2017 at 10:24

Hi, ich wollte vor 10 Jahren genau das machen: eine Gemeinschaftsschule bauen. Manches Problem wäre dann gar nicht entstanden. Leider habe ich (Weißenseerin) die Prenzlauer Berger falsch eingeschätzt. Die Werneuchener Wiese ist heilig. Geweihte Erde. Da geht gar nichts. Schon die Feuerwehr ein Sündenfall. So ist das ebend 😉
Liebe Grüße
Lioba Zürn-Kasztantowicz

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