Schwimmhallen: es ist eng im Becken

written by Kristina Auer 15. Juni 2017

UPDATE: Ab Beginn der Wintersaison 2017 im September soll das Frühschwimmen für die Öffentlichkeit in der Schwimmhalle Thomas-Mann-Straße wieder aufgenommen werden.

UPDATE  vom 15. Juni 2017:

Zum Beginn der Wintersaison 2017 – also ab September – planen die Berliner Bäderbetriebe (BBB), die Schwimmhalle in der Thomas-Mann-Straße wieder früh morgens für die Bevölkerung zu öffnen. Das teilte Sportsenator Christian Gaebler (SPD) auf Anfrage des Abgeordneten Dennis Buchner (SPD) mit. Das Frühschwimmangebot von 6.30 bis 8.00 Uhr für die Öffentlichkeit wurde nur wenige Wochen nach der Wiedereröffnung der sanierten Schwimmhalle wieder abgeschafft. Grund war nach Angaben der BBB Personalmangel und ein hoher Krankenstand. Während des Betriebs der Sommerbäder würde zudem aktuell ein Großteil des Stammpersonals in den Sommerbädern eingesetzt, weswegen das Frühschwimmen in der Thomas-Mann-Schwimmhalle noch bis September ausgesetzt bleiben müsse.

 

ARTIKEL vom 9. März 2017:

 

Die Freude über die Wiedereröffnung der Schwimmhalle in der Thomas-Mann-Straße im Januar ist bereits wieder gebremst. Das Frühschwimmen für die Öffentlichkeit von 6.30 Uhr bis 8 Uhr morgens wurde nur kurze Zeit nach der Eröffnung schon wieder ausgesetzt, und zwar auf unbestimmte Zeit. Der Grund ist laut Bädersprecher Matthias Oloew der hohe Krankenstand wegen Grippe beim Personal. Auf der Webseite der Berliner Bäderbetriebe (BBB) wurden die Öffnungszeiten angepasst. Dort steht jetzt der Hinweis, man möge für das Frühschwimmen die Halle im Ernst-Thälmann-Park benutzen. Immerhin: Das Schul- und Vereinsschwimmen wurde durch die Grippewelle nicht beeinträchtigt. Es sei noch nicht abzusehen, wann früh morgens wieder geschwommen werden könne, so Oloew. „Das hängt von der Dauer der Krankheitswelle bei unseren Mitarbeitern ab“, sagte Oloew den Prenzlauer Berg Nachrichten.

 

Schwimmen und Kurse: Bedarf nicht gedeckt

 

Für die Bevölkerung ist die Schwimmhallenversorgung nun – zumindest vorerst – wieder die Gleiche wie vor der lang ersehnten Wiedereröffnung der Schwimmhalle in der Thomas-Mann-Straße. Und die ist ohnehin nicht ausreichend, Thomas-Mann-Schwimmhalle hin oder her. Das geht aus einer kleinen Anfrage aus der Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hervor.

Der Verordnete Matthias Böttcher (SPD) fragte das Bezirksamt nach der Aufteilung der Hallennutzung zwischen Vereinen und Öffentlichkeit. Das Ergebnis: Laut Bäder-Anstaltsgesetz hat der Lehrauftrag des obligatorischen Schulschwimmens zwar Vorrang, die Bäderbetriebe hätten sich aber verpflichtet, mindestens die Hälfte der Wasserfläche der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das Problem: „Der tatsächliche Bedarf an Nutzungszeiten kann weder für die Öffentlichkeit noch für die Vereine gedeckt werden.“

Der Mangel betrifft laut Bezirksamt nicht nur die Versorgung mit Schwimmhallen, sondern ebenso die darin angebotenen Kurse: „Der Bedarf an Aqua- und Schwimmkursen ist berlinweit größer als das Angebot. Die Nachfrage wird auch dauerhaft nicht vollkommen befriedigt werden können, da die vorhandene Wasserfläche begrenzt ist“, heißt es in der Antwort des Bezirksamts. Zu wenigPlatz, zu wenige Kurse also. Ein Blick auf die Kurslisten genügt, um das zu bestätigen: Alle Kurse sind meist bereits kurz nach Anmeldesstart ausgebucht.

Laut Bezirksamt gibt es außerdem einen Mangel an Trainern, beispielsweise in der Halle im Thälmannpark. Das Bezirksammt möchte sich bei den Bäderbetrieben aber dafür einsetzen, dass dort möglichst bald wieder Aquafittness-Kurse am Abend und Nachmittag angeboten werden. Bädersprecher Oloew bestätigte außerdem eine erhöhte Nachfrage nach Babyschwimmkursen und Einzelschwimmunterricht.

 

Auch am Wochenende bleibt in der Thomas-Mann-Straße geschlossen

 

Derweil zeigen die Nutzungszahlen, wie stark sich die Prenzlauer Berger Schwimmhallen in Kapazität und Nutzungsart unterscheiden. Die Halle im Ernst-Thälmann-Park zählte im Jahr 2016 115.700 öffentliche Nutzer. Sie wird nicht von Schulen oder Vereinen genutzt. Ganz anders die SSE an der Landsberger Allee: Hier kamen 2016 352.000 öffentliche Nutzer zum Schwimmen in der Einschwimmhalle, 102.000 Mal wurde die Wettkampfhalle von Schülern und 136.000 Mal von Vereinsschwimmern genutzt. Kursteilnehmer machen sowohl im Thälmannpark als auch in der SSE rund sechs Prozent der öffentlichen Nutzer aus. Während die Schwimmhalle im Thälmannpark 2017 zu 97 Prozent der geöffneten Stunden und Beckenbahnen für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht, ist die Halle in der Thomas-Mann-Straße zu 91 Prozent für Schulen und Vereine reserviert. Die SSE kann mit ihren zwei Schwimmhallen sowohl der Öffentlichkeit als auch dem Vereinssport fast zu 100 Prozent offenstehen. Das Schulschwimmen ist hier mit nur rund vier Prozent der Gesamtnutzung relativ gering vertreten.

Wäre die Halle in der Thomas-Mann-Straße auch am Wochenende geöffnet, könnten private Schwimmer in Prenzlauer Berg mehr von der frisch sanierten Halle profitieren. Vor dem Hintergrund des ausgesetzten Frühschwimmens fehlt hierfür natürlich erst recht das Personal. Auch unabhängig vom Krankenstand haben die Bäderbetriebe Personalmangel. „Wir können immer Leute gebrauchen, weil es einen Mangel an Bäderfachpersonal gibt“, sagte Oloew. Für eine Öffnung am Wochenende sieht der Bädersprecher aber derzeit auch keine Nachfrage. „Wir haben hier drei Schwimmhallen im Umkreis von zwei S-Bahn-Stationen, das ist eine gute Versorgung“, sagte Oloew. Der Schwimmhallenbetrieb sei außerdem immer defizitär. Für länger Öffnungszeiten müssten stets mehr Steuergelder beantragt werden. Dies sei bei der Schwimmhalle in der Thomas-Mann-Straße vorerst nicht gerechtfertigt.

 

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