Totgesagte clubben länger

von Susanne Grautmann 27. Dezember 2016

JAHRESRÜCKBLICK 2016: Allen Abgesängen zum Trotz: Es tut sich wieder was im Nachtleben von Prenzlauer Berg. Neue Clubs haben eröffnet und mit dem Klub der Republik und dem Knaack Klub kehren auch die alten zurück.

WIEDERHOLUNG vom 13.01.2016:

Noch ist nicht alles startklar, aber fast. Der Klub der Republik (KdR) hat eine neue Heimat im Trafohäuschen der Willner Brauerei an der Berliner Straße gefunden. Schon in wenigen Wochen sollen sich seine Türen wieder öffnen. Die alten und neuen Betreiber müssen nur noch dem Tresen den letzten Schliff verpassen, die Sofas abstauben und die riesigen Kugellampen wieder aufhängen. Schließlich war all das vier Jahre lang eingelagert. 

„Es war uns immer ein Herzensanliegen, den Klub der Republik wieder an den Start zu bringen“, sagt das KdR-Team. Das klang allerdings auch schon mal anders. Nach dem Aus des Clubs hieß es noch 2012 aus KdR-Kreisen, das Nachtleben in Prenzlauer Berg sei praktisch tot. Einer der Macher sagte damals der Berliner Morgenpost: „Ich würde niemandem mehr raten, hier auszugehen“. 

 

Der Knaack Club soll am Mauerpark wieder aufmachen

 

Und jetzt das: auch der Knaack Klub soll zurückkommen. Seine neue Heimat soll an der Eberswalder Straße am Mauerpark liegen. Dafür soll ein Neubau entstehen, das Architekturbüro soll schon beauftragt sein. Wenn alles klappt, könnte der Klub noch in diesem Jahr die Wiedereröffnung feiern. Näheres war vom Betreiber noch nicht zu erfahren. 

Für Jahrzehnte war der Knaack Klub an der Greifswalder Straße einer der angesagtesten Läden hier in der Gegend. Bis neue Anwohner kamen, die sich von dem nächtlichen Treiben gestört fühlten. Sie zogen vor Gericht und bekamen Recht.

In den Jahren um 2010 wiederholte sich das gleiche Szenario immer wieder, ein Club nach dem anderen musste schließen. Der Knaack Klub nach immerhin 58 Jahren. Dass viele von denen, die sich beschwerten, erst Jahre nach den Clubs in die Nachbarschaft gezogen waren, sorgte für großen Unmut. Die Frontverläufe schienen klar verteilt: alte Szene gegen Neuberliner, Nachtleben gegen Nachtschlaf.

 

Die Feiermassen kommen nicht automatisch vorbei

 

Als schließlich auch noch der KdR in der Pappelallee 2012 weichen musste, fiel für viele die letzte Bastion in Prenzlauer Berg. Ein Klub in einem alten DDR-Genossenschaftshaus, mit ostigem Charme und Original-Inventar aus dem Palast der Republik als Sahnehäubchen. Magnet, Icon und Knaack Klub waren zu dem Zeitpunkt schon von der Bildfläche verschwunden. 

Und jetzt? Natürlich seien die Hotspots der Stadt im Moment anderswo, sagen die KdR-Betreiber: „Die Feiermassen kommen hier nicht automatisch vorbeigelaufen.“ Die ganz großen Freiräume, wie sie hier kurz nach der Wende existiert hätten, seien nun mal verschwunden. Noch einmal versuchen wollen sie es trotzdem. 

Die Willner Brauerei ist für die KdRler ein absoluter Glücksfall. Auf dem Gelände kommen die Elemente der magischen alten Formel aus leerstehendem Fabrikkomplex, bezahlbarer Miete und Zwischennutzungsverträgen noch einmal zusammen. „Dort kann man mit Kreativität und Energie noch etwas umsetzen“, meinen die Klubbetreiber. Streng genommen liegt die Adresse natürlich schon drei Meter hinter der Prenzlauer Berger Grenze in Pankow. Die Brauerei sei aber das letzte Refugium dieser Art in der Gegend, meinen die KdRler.

 

Das Erwachen der Nacht 

 

Dass man in Prenzlauer Berg noch immer sehr gut feiern kann, steht für Jewels, die Chefin des Horns and Hooves an der Danziger Straße, schon länger fest. Sie hat ihren Club Ende 2014 aufgemacht und meint: „Irgendwann muss das Clubleben ja hierhin zurückkehren. Es wird Zeit!“

Sie betreibt den Club zusammen mit ihrem Mann, einem Musiker. Gemeinsam veranstalten sie Abende zwischen Bar, Show und Tanz. „Alle unsere Freunde wohnen hier. Die können aus dem Club nach Hause rollen“, sagt die Clubchefin, die auch als Schwertschluckerin auftritt. Ärger mit den Nachbarn haben sie nicht. Der Club ist komplett schallgeschützt. „Wir haben hier schon siebzehnstündige Parties gefeiert, beschwert hat sich noch keiner“, sagt sie. 

  

Eine Hommage an Lemmy und David

 

Auch Armin Wörner hatte noch keine Probleme mit Anwohnern. Er hat im Februar den Phono-Club an der Pappelallee eröffnet, nur wenige Meter entfernt vom früheren Standort des Klub der Republik also. Der Club liegt im Keller der Fußballkneipe Schwalbe, die Wörner ebenfalls betreibt. Im Phono-Club experimentiert Wörner mit verschiedenen Partyformaten und Musikstilen. 

Am Donnerstag dieser Woche startet dort ab 22.00 Uhr die neue Partyreihe Anyone Can Play Guitar. Die DJs Alaska und Klaas van Karlos, die auch in der 8mm Bar und der Neu Bar auflegen, haben gitarrenlastige Bands wie Radiohead, Velvet Underground, The Libertines oder Stone Temple Pilots auf ihrer Playlist. DJ Alaska sagt: „Berlin ist extrem dominiert von elektronischer Musik. Wir machen das Gegenprogramm dazu.“ An diesem ersten Abend werden zwei Namen eine besondere Rolle spielen: „Motörhead und David Bowie“.

 

Weitere Infos: 

Horns and Hooves, Danziger Straße 1, 10435 Berlin

Klub der Republik, Berliner Straße 80-82, 13819 Berlin

Phono Club, Pappelallee 65, 10437 Berlin

 

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