Niemand hat die Absicht, Thälmann abzureißen

von Thomas Trappe 16. April 2012

Wieder da: Die Forderung, das kommunistische Monument zu beseitigen. Die Denkmalstürmer sind allerdings chancenlos.

Eine jüngere Zeitungsmeldung und ihre Geschichte. Der Berliner Kurier macht mit Ernst Thälmann auf. Jenem eisernen, dutzende Tonnen schweren Thälmann, seit 26 Jahren thronend am Eingang des Ernst-Thälmann-Parks. Der soll weg, lautet die Überschrift. Zitiert wird eine ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin, Angelika Barbe, ab 1986 aktiv im Pankower Friedenskreis und heute Referentin bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Dresden. Das Thälmann-Denkmal sei ein „falsches Symbol in Erinnerung an den Kommunismus und seine Verbrechen“. Ein richtiges Symbol hatte Barbe auch parat: „Ich wünsche mir an diese Stelle das Wort Freiheit als Hochhaus gebaut.“ Aus den von der Zeitung eingeholten Statements ließ sich herauslesen, dass Kommunalpolitiker das Anliegen unterstützen. 

Grund genug, mal nachzufragen, ob er jetzt bald abgerissen werden soll, der alte Thälmann. Um es kurz und vorneweg zu sagen: Wohl kaum.

 

„Keine hysterischen Debatten“

 

Angelika Barbe selbst war nicht zu erreichen. Doch auch der Fraktionschef der CDU in Pankow schien laut Bericht der Zeitung ein Befürworter des Abrisses zu sein. Johannes Kraft wünsche sich eine „Debatte über den Fortbestand“ des Denkmals, hieß es. Seitdem hat Kraft viele empörte Mails bekommen, wie er das sagen könne. Jetzt ist es ihm wichtig zu sagen, dass er keineswegs für einen Abriss sei. Er habe nur darauf hinweisen wollen, dass es mit dauernden Schmierereien am Denkmal und sonstigem Vandalismus eine Ende haben, der Bezirk eingreifen sollte. „Das heißt aber nicht, dass ich den Ort des Übels weg haben will“, so Kraft. Ein Abriss des Denkmals wäre außerdem nicht dem sozialen Frieden dienlich, da es doch sehr viele Anwohner gebe, die das Denkmal mögen.

Bei der SPD gäbe es geteilte Meinungen zum Thema, hieß es außerdem in dem Bericht, berufen wurde sich auf Fraktionschefin Rona Tietje. Roland Schröder, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses und Tietjes Parteifreund, weiß davon nichts. Es gebe keine Diskussion darüber, und er selbst sei unbedingt für den Erhalt. „Ich mag keine hysterischen Debatten über Umbenennungen von Straßen und den Abriss von Denkmälern“, sagt er. „Ein Denkmal soll erinnern, und das tut das Thälmann-Denkmal. Und man kann Thälmann vielleicht manches vorwerfen, aber nichts, was mit der DDR zu tun hat.“ Der Kommunist Thälmann starb 1944 im KZ Buchenwald, fünf Jahre vor Gründung der DDR.

 

In die Zukunft mit Thälmann

 

Der Linken-Bezirksverordnete Wolfram Kempe hat kann die Forderung Barbes in gewisser Weise nachvollziehen. Schließlich habe er 1984 sehr darunter gelitten, als das Denkmal, das übrigens eher wie Lenin denn Thälmann aussehe, geplant wurde – weil dafür das Gasometer, bis dahin ein Prenzlauer Berger Wahrzeichen, abgerissen werden musste. „Es ist eine Kulturbarbarei, Denkmäler zu schleifen“, dachte er damals. Und denkt er heute. Deshalb findet er einen Abriss abwegig, „diese Debatte hatte man in den 90ern ja außerdem schon einmal geführt“. Mit bekanntem Ergebnis.

Das Thema Abriss ist wohl also durch. Dass an dem Monument nichts geschehen soll, heißt das aber nicht. Fraktionsübergreifend besteht Einigkeit, dass es besser vor Vandalismus geschützt werden soll. Entsprechende Maßnahmen seien denkbar, das können sich alle Befragten vorstellen. Erst Ende März wurde die Verwaltung von der Bezirksverordnetenversammlung beauftragt, ein Entwicklungskonzept für den Thälmannpark auszuarbeiten. Dabei wird wohl auch die Entwicklung des Denkmalplatzes eine Rolle spielen. Dass ein Abriss erwägt wird, kann wohl aber endgültig ausgeschlossen werden.

 

 

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