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Alltag

Juliane Anders und Sebastian Becker

Alltag | Gärtnern

Mein Freund der Baum

16.03.2017 | Kristina Auer

UPDATE: Fünf neue Obstbäume für das Projekt "Essbarer Bezirk" werden an der Storkower Straße gepflanzt. Obstbaumeltern haben sie gespendet - ernten dürfen sie alle.

UPDATE vom 16.03.2017:

Das Projekt "Essbarer Bezirk" startet die nächste Etappe: Nach den ersten Baumpflanzungen im Anton-Saefkow-Park pflanzt der Verein Mundraub jetzt fünf neue Obstbäume auf dem Gelände von Kaufland in der Storkower Straße 139. Die Bäume werden von sogenannten Obstaumeltern gepflanzt und gepflegt, dürfen aber von allen geerntet werden.

Wegen des hohen Interesses an neuen Obstbäumen und Baumpatenschaften arbeitet Mundraub nun auch mit privaten Partnern wie der Supermarktkette Kaufland zusammen. Die Fläche für die ersten Baumpflanzungen hat der Bezirk Pankow zur Verfügung gestellt. Ziel von Mundraub ist es, Obstbäume im öffentlichen Raum zu pflanzen, dadurch heimische Obstäume zu erhalten und auf öffentliche Ressourcen aufmerksam zu machen.

 

ARTIKEL vom 13.12.2016:

Es ist eine Kirsche! Und nicht irgendeine: "Sie heißt Kassin's frühe Herzkirsche. Die hat als erste im Jahr reife Früchte", sagt Juliane Anders. Sie und ihr Freund Sebastian sind seit neuestem nicht nur die stolzen Eltern ihrer einjährigen Tochter Pauline, sondern auch besagter Herzkirsche. Die haben die beiden gerade eigenhändig im Anton-Saefkow-Park eingepflanzt, und zwar gemeinsam mit elf weiteren Baumeltern. Die Pflanzung der sogenannten Geburtsbäume ist der Startschuss des essbaren Bezirks Pankow, den der Bezirk seit zwei Jahren gemeinsam mit der Initiative Mundraub plant.

 

Obst für alle

 

Kurz gesagt ist die Idee des essbaren Bezirks: Menschen spenden Obstbäume, die auf öffentlichen Flächen gepflanzt werden. Die  stellt der Bezirk zur Verfügung. Die Gemeinschaft der Baumspender kümmert sich um die Pflege, aber der Baum ist Allgemeingut und darf von allen geerntet werden. Das soll die Städter wieder in Verbindung mit der Natur bringen und ihnen die Herkunft ihres Essens bewusst machen. Und so kommt es zur kollektiven Baumgeburt im Anton-Saefkow-Park. Das Pilotprojekt richtete sich an junge Eltern, der Baum schlägt dann symbolisch für die Familie Wurzeln im Bezirk.

Pflanzlicher und menschlicher Nachwuchs, Seite an Seite im Anton-Saefkow-Park.

 

"Es sind je zwei Kirschen und Birnen, weil die als Paare gepflanzt werden müssen", sagt Andie Arndt von Mundraub. "Dazu kommt eine Zwetschge und der Rest sind Äpfel." Die Initiative möchte, dass wo immer es geht Pflanzen und Sträucher mit essbaren Früchten im öffentlichen Straßenland gepflanzt werden. Gemeinsam mit dem Bezirksamt hat Mundraub schon ein Vorkonzept für den essbaren Bezirk entwickelt. Weitere Baumpflanzungen sind in Planung, Genaueres wird aber noch nicht verraten. Bisher ist nur zu hören, dass bald noch mehr Apfelbäume ganz in der Nähe des Anton-Saefkow-Parks gepflanzt werden sollen. Bis dahin muss da aber noch so ein Problem gelöst werden: Weil Jens-Holger Kirchner (Grüne) unlängst zum Staatssekretär ernannt wurde, fehlt in Pankow nämlich vorerst der zuständige Stadtrat für das Projekt. "Das hat unsere Planung etwas durcheinandergebracht", sagt Arndt. "Jetzt müssen wir abwarten, bis sich das Bezirksamt neu sortiert hat. Dann kann es weitergehen."

 

Grober Fahrplan

 

"Der essbare Bezirk ruht jetzt erstmal, bis der neue Stadtrat oder die neue Stadträtin gewählt ist", bestätigt Diana Kerait vom Bezirksamt. Das solle dann hoffentlich gleich in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Januar passieren. "Es wird aber auf jeden Fall weitergehen." Laut Kerait ist mit dem Vorkonzept erst die grobe Planung abgesteckt worden. Es gehe darum zu klären, welche Flächen zur Verfügung stünden und welche weiteren Schritte zu unternehmen seien. Konkrete Pläne für den essbaren Bezirk müssen also erst noch gemacht werden.

Andie Arndt von Mundraub betreut das Projekt vom essbaren Bezirk.

 

Und die frisch gepflanzten Bäumchen brauchen auch noch ihre Zeit. Wie Andie Arndt erklärt, bekommen sie demnächst einen ersten Pflanzschnitt und werden regelmäßig gewässert. Im Frühjahr kommt dann der sogenannte Erziehungsschnitt, bei dem die Baumkrone angelegt wird, damit die Bäume in die richtige Richtung wachsen. Bis tatsächlich Kirschen, Birnen, Pflaumen und Äpfel geerntet werden können, dauert es dann noch zwei bis drei Jahre. Wo in ganz Europa essbare Pflanzen auf öffentlichen Flächen zu finden sind, hat Mundraub übrigens auf einer Karte im Internet vermerkt. Wenn alles läuft wie geplant, können wir uns also bald direkt an der nächsten Straßenecke eine Zwischenmahlzeit pflücken.

 

(Fotos: ka)

 

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