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Umbau soll Kastanienallee noch gefährlicher machen

20.07.2011 | Juliane Wiedemeier | 17 Kommentare

Radfahren auf der umgebauten Kastanienallee soll gefährlich werden. Das ergibt eine Analyse der geplanten Maßnahmen durch einen unabhängigen Verkehrsplaner.

Die Kastanienallee wird mit dem Umbau für Radfahrer noch gefährlicher. Diesen Vorwurf, den die Aktivisten der Initiative „Stoppt K21" seit Beginn der Diskussionen um die Straße erheben, bestätigt nun auch ein Positionspapier, das der Verkehrsplaner Joachim Seiler als Anwohner in eigenem Auftrag erstellt hat. „Stresstest" nennen die Aktivisten das 20-seitige Dokument, in dem Seiler analysiert, welche Folgen die Umbaumaßnahmen seiner Einschätzung nach auf die Straße haben werden.

Zum einen kommt er dabei zu dem Ergebnis, dass man nach dem Umbau statt bisher überwiegend mit Tempo 30 mit Tempo 50 unterwegs wäre und es somit für alle Verkehrsteilnehmer gefährlicher würde. Zum anderen vertritt Seiler die Meinung, dass die geplanten Radschutzstreifen nicht regelkonform seien, da sie rein rechtlich nur an Straßen mit geringem Radaufkommen und wenig Lieferverkehr eingerichtet werden dürften. Beides sei in der Kastanienallee nicht der Fall; vielmehr würden die vielen Radler auf dem schmalen Streifen kaum Platz finden und somit sowie durch anliefernde Autos doch von der Radspur zwischen die Tramgleise gedrängt. Gerade diese Gefahren bergende Situation solle aber durch den Umbau verhindert werden.

 

Radwege über Haltestellenkaps nur bei Straßen mit wenig Verkehr

 

Ähnliches gelte auch für die Planung der Radführung an den Tramhaltestellen, wo die Radwege, ähnlich wie in der Pappelallee bereits umgesetzt, über die barrierefreien Haltestellenkaps geleitet werden sollen. Derartiges sei aber nur an Straßen mit wenig Rad- und Tramverkehr umzusetzen, schreibt Seiler. „Es besteht daher wenig Aussicht, dass die Radverkehrsmengen in der Kastanienallee - verkehrssicher - über die geplanten Haltestellenkaps geführt werden können."

Vor diesem Hintergrund zieht der Verkehrsplaner das Fazit: „Die Planungsziele ,Verbesserung der Verkehrssicherheit' (für Radfahrer) und ,Barrierefreiheit' werden durch unzureichend bemessene Anlagen, die keinen überzeugenden Lösungen darstellen, ad absurdum geführt."

Hinzu komme, dass nach dem Umbau Unfälle auf diesen zurückgeführt werden könnten, woraus sich Haftungsrisiken ergeben könnten. Daher empfiehlt Seiler, die Umbaumaßnahmen einzustellen und noch einmal die Planungen auf Sicherheit zu überprüfen.

 

Stoppt K21 fühlt sich durch Positionspapier bestätigt

 

Ein Fazit wie Wasser auf die Mühlen von Stoppt K21. „Wir freuen uns, wenn andere unsere Einschätzung teilen", meint Matthias Aberle. Überraschend sei das Urteil des Verkehrsplaners daher nicht gewesen. „Das ist im Prinzip identisch mit dem, was auch wir erarbeitet haben."

Auch Jens-Holger Kirchner (Grüne), Stadtrat für öffentliche Ordnung, meint: „Das ist eine Zusammenfassung der bisherigen Diskussion." Die Einschätzung von Tempo 50 als Gefahrenquelle teile er, daher habe sich die BVV ja auch für Tempo 30 in der Kastanienallee ausgesprochen. Für die Planung der Haltestellenkaps sei er aber der falsche Ansprechpartner. „Das ist derzeit in Berlin der Standard, da sind BVG und Senat zuständig." Zu der Überlastung der Schutzstreifen sagt er, man hätte diese natürlich auch breiter anlegen können, dies sei aber wiederum auf Kosten des Bürgersteigs gegangen. „Das war ein Abwägen zwischen den unterschiedlichen Interessen."

 

Kirchner vermisst Lösungsvorschläge

 

Was Kirchner an dem Positionspapier vermisst, sind Vorschläge, wie man die genannten Probleme lösen könne. „Von guten Ideen lasse ich mich immer gerne überzeugen, nur fehlen die leider hier." Ein Anspruch, zum dem Planer Seiler meint, ihm sei es nur darum gegangen, die Fakten noch einmal zusammenzutragen und somit eine Basis für weitere Diskussionen zu schaffen. „Vielleicht werden meine Feststellungen ja dann auch durch gute Argumente wieder entkräftet."

An der Kastanienallee wird derweil weiter gebaut. In der nächsten Woche soll mit den ersten Pflasterarbeiten begonnen werden. Bis Ende des Jahres sei geplant, den kompletten Abschnitt zwischen Schönhauser Allee und Oderberger Straße fertig zu stellen, so Kirchner.

Kommentare

1 | marc | 20. Jul. 2011 19:32

man muss kein verkehrsplaner sien um zu erkennen, dass das radfahren durch die umbauten nicht sicherer sondern gefährlicher wird. Momentan wird die Straße durch die Straßenbahn beherrscht, welche durch ihr Tempo die nachfolgenden Autos bremst und zu mehr Umsicht zwingt. Der Umbau jedoch gewährleistet den Autos und der Tram freie Fahrt bei Tempo 60, was für Radfahrer und Fußgänger beim Queren der Straße gefährlich wird. Die neu enstehenden Radstreifen sind nicht ungefährlicher für Radler als entlang der Tramschienen zu fahren, da unachtsame Autofahrer bisweilen ihre Tür auch ohne Blick in den Rückspiegel öffnen oder den Streifen einfach zu parken, sodass auf eine nun stark befahrene Straße ausgewichen werden muss. Die jetztige Situation mit den Tramschienen ist sicherlich auch gefährlich aber großer Vorteil ist, dass die Radfahrer in den Fließverkehr integriert sind und in der Wahrnemung aller Verkehrsteilnehmer auftauchen und nicht nur Randerscheinung sind.

2 | Theo Koerner | 20. Jul. 2011 21:42

@Wiedemeier: wodurch wird Joachim Seiler denn zu einem "unabhängigen" Verkehrsexperten?

Wie man auch an den Kommentaren sieht, ist die Überschrift doch zweideutig. Man könnte meinen "für die Zeit" des Umbaus (was ja auch das Foto unterstützt) oder "nach abgeschlossenem" Umbau (was ja Seiler anscheinend untersucht).

3 | Juliane Wiedemeier | 21. Jul. 2011 09:56

@Theo Körner
Herr Seiler ist in der Hinsicht unabhängig, als dass er weder vom Bezirk noch von der Initiative für seine Arbeit bezahlt wurde.

4 | Daniel | 21. Jul. 2011 15:21

" ...Kirchner vermisst Lösungsvorschläge
Was Kirchner an dem Positionspapier vermisst, sind Vorschläge, wie man die genannten Probleme lösen könne. „Von guten Ideen lasse ich mich immer gerne überzeugen, nur fehlen die leider hier." ..."

Das Gutachten Herrn Seilers ist an Klarheit gar nicht zu überbieten - ... und seine Quintessenz ist, dass Kirchners Projekt sofort GESTOPPT werden sollte. Und zwar besser heute als morgen.
DAS ist die zentrale GUTE IDEE, die Herr Kirchner in dem Gutachten geflissentlich übersieht oder nicht wahrnehmen will, obwohl sie ganz deutlich mehrfach ausgesprochen wird.

5 | Daniel | 21. Jul. 2011 15:25

ps:
Wer nicht in der Lage ist, aus dem umfassenden und sachlich sehr guten Gutachten eigene Schlüsse (und vielleicht auch gute Ideen) zu ziehen, der hat ein Problem mit der Materie der Verkehrsplanung im allgemeinen.

6 | Theo Koerner | 22. Jul. 2011 18:31

@Wiedemeier: Seiler ist in der Hinsicht abhängig, als dass er für die Ingenieurgruppe IVV Aachen / Berlin arbeitet. Berlin ist also sein Markt bzw. der Markt seiner Firma. Siehe Link unten.

Die Frage also an Wiedemeier: haben Sie das geklärt, dass Seiler ohne logistische Anbindung seines Arbeitsplatzes und voll in seiner Freizeit dieses Gutachten erstellt hat? Ihre obige Definition von "unabhängig" ist etwas naiv.

@Dani: Kirchners Aussage von den Ideen, "die hier nun leider fehlen", bleibt derzeit bestehen. Es sind keine Verbesserungsvorschläge öffentlich genannt - weder spezifisch bezogen auf die Kastanienallee noch allgemein auf einen guten Lösungsansatz (in der Form, dass eine vergleichbare Straße nach Maßstäben xyz umgebaut wurde).

Und in dieser Sache muss man dann alle in die Pflicht nehmen - Seiler/Wiedemeier/Dani - keiner zitiert Verbesserungsvorschläge aus dem "Positionspapier", wie es genannt wird.

Und warum wird dieses "Positionspapier" nicht veröffentlicht?

zu Seiler:
http://www.ivv-aachen.de/modules/content/index.php?id=102

7 | Daniel | 22. Jul. 2011 21:14

@Koernerle
Sie können z.B. bei Herrn Seiler, bei Stoppt-K21, beim Bezirksamt, beim Senat, bei den Prenzlauer Berg Nachrichten, der Prenzlberger Stimme oder der BZ oder der Berliner Zeitung oder Tagesspiegel ... nachfragen - die schicken Ihnen sicher alle gern das Gutachten zu. Geben Sie einfach mal eine e-mail-Adresse an ... einer erbarmt sich bestimmt.
Dann können Sie selbst die Verbesserungsvorschläge zu dem derzeitigen Chaosprojekt suchen - ... Sie finden sie bestimmt eher als Herr Kirchner - der scheints ja immer noch nicht geschnackelt zu haben.

8 | Umbau Jetzt! | 23. Jul. 2011 14:48

@Daniel: Schon mal Seilers Positionspapier gelesen (und auch verstanden)? Hauptkritikpunkt ist die Unterschreitung der Mindestmaße für Radstreifen nach ERA 2010, gefordert sind da mind. 1,85 m, geplant sind 1,40 m. Aus dem einfachen Grund (und der wird ja auch gern von den Umbaugegnern ins Feld geführt), dass so das Halten auf dem Radstreifen in zweiter Reihe erschwert werden würde.

Weiterhin kritisiert Seiler die Führung der Radstreifen über die Kaphaltestellen. Nun fragen wir uns (und wir würden gern eine Antwort von Herrn Seiler dazu haben), wie er Rad- und Schienenverkehr voneinander trennen und Kaphaltestellen bauen will, ohne den Radstreifen nicht über das Kap (egal ob vor oder hinter dem Haltestellenhäuschen) zu führen und ohne Querungen des Radverkehrs über die Gleise in Kauf zu nehmen. Das ist wohl die Quadratur des Kreises.

Insofern ist Kirchners Frage berechtigt, denn Seilers Kritik (Fahrgäste sind durch den Radweg auf der Kaphaltestelle mit einer zusätzlichen Barriere konfrontiert) zur Kaphaltestelle impliziert die Frage nach einer Alternative. Seiler stellt richtig fest, dass die Umbaupläne einen Kompromiss darstellen. Das zu kritisieren ist sein gutes Recht, aber konstruktiv ist es nicht. Soll er sich doch mal grundsätzlich konzeptionell äußern, wie er alle Verkehrsträger (Fuß-, Rad-, ruhenden und fließender Kfz-Verkehr und Straßenbahnverkehr) in dieses Straßenprofil bringen will. Das ist doch die spannende Frage. Vielleicht durch Stilllegung des Kfz- oder Straßenbahnverkehrs in der Kastanienallee, schließlich werden diese Verkehrsträger seiner Meinung nach überprivilegiert.

Einverstanden sind wir mit seinen Berechnungen zu Tempo 30! Dort sollten wir ansetzen. Na warten wir mal den Wahlkampf ab und was dann SenStadt dazu sagt, soviel Eigenleben kann die Verkehrslenkung Berlin (VLB), die SenStadt (zur Zeit SPD-geführt) nicht haben, dass man da nichts machen kann.

9 | Daniel | 23. Jul. 2011 15:21

Herr Seiler stellt vor allem fest, dass in dem Kirchner-Umbauplan nichts zum anderen passt - und dass deshalb die Straße (viel) gefährlicher zu werden droht, als sie jetzt ist.

Und er prognostiziert, dass der Bezirk, der diesen Quatsch gebaut hat, sich auf jede Menge Schadenersatzforderungen und Schmerzensgeldforderungen der zukünftigen Verkehrsopfer einrichten muss, weil der Plan eben so schlecht ist, wie er ist. Nachweislich - und jetzt sogar mit offizieller Warnung aus qualifiziertem Munde.

Ich hatte euch Experten schon vor Wochen die Frage gestellt, warum die Straße überhaupt umgebaut werden sollte und hatte Euch gebeten, Eure so oft beschworenen Unfallzahlen für die Kastanienallee auch einmal zu belegen - (und zwar im Vergleich zu vergleichbaren Straßen und in Relation der dortigen Verkehrsverhältnisse und Verkehrsdichten). Das seid sowohl Ihr - wie auch der ebenfalls aufgeforderte angebliche Verkehrsexperte und ADFC-Funktionär und grüner BVV-Abgeordneter Herr Bechtler - bisher schuldig geblieben.
Dürfen wir da noch auf etwas hoffen? Oder gebt Ihr freiwillig zu, dass Eure Alarmmeldungen der Phantasie entsprungen sind, um den Umbau wenigstens IRGENDWIE zu rechtfertigen.
Oder gebt Ihr wenigstens zu, dass Herr Seiler recht hat mit der Gesamtbwertung, dass die Straße nach dem derzeitigen Umbauplan höchstwahrscheinlich wesentlich gefährlicher wird als sie jetzt ist.

10 | Theo Koerner | 25. Jul. 2011 06:47

@Dani: Koernerle???? Mensch, das ist das erste Mal, dass ich sie kreativ erlebe. Aber man muss schon sagen, die eigentliche Ehrung erfolgt durch Thilo Kerner. Dass sich jemand auf diese Weise abarbeitet, dufte.

Ansonsten, erbarmen Sie sich doch einmal. Wenn, dann am besten theo.koerner (ät) berlin.com

11 | Leserbrief | 25. Jul. 2011 09:51

Folgender Text von Stoppt-K21-Aktivist Mathias Aberle erreichte uns als Leserbrief, den wir an dieser Stelle gerne veröffentlichen:


Stresstest Kastanienallee

Man muss kein Verkehrsplaner sein, um zu der Einsicht zu gelangen, dass die amtliche Planung zum Umbau der Kastanienallee die Straße für alle Verkehrsteilnehmer nicht sicherer, sondern gefährlicher macht. Das schmälert keinesfalls das Verdienst des Verkehrsplaners Joachim Seiler, der jetzt ein Positionspapier vorgelegt hat, das die Befürchtungen der Umbaugegner im Wesentlichen bestätigt: Gefahren, die beseitigt werden sollen, werden durch den Umbau erst geschaffen.
„Die Planungsziele ,Verbesserung der Verkehrssicherheit' (für Radfahrer) und ,Barrierefreiheit' (für Behinderte, ältere und ganz junge Menschen) werden durch unzureichend bemessene Anlagen, die keine überzeugenden Lösungen darstellen, ad absurdum geführt", so das Fazit von Joachim Seiler.

Ad absurdum geführt; wer möchte einen solchen Vorwurf schon unwidersprochen auf sich sitzen lassen. Konsequent vorgeprescht ist darum nun der Hauptansprechpartner der Umbau-Befürworter, Stadtrat Kirchner („Die Grünen“). Er vermisse Vorschläge zur Lösung der genannten Probleme, kommentiert er Seilers Positionspapier. Von guten Ideen lasse er sich immer gerne überzeugen.

Gute Vorschläge und Ideen gab es genügend. Sie wurden Herrn Kirchner mehrfach vorgetragen; in persönlichen Gesprächen und in öffentlichen Diskussionen, in den so genannten „Schlichtungsrunden“ und ähnlichem als Bürgerbeteiligung deklariertem Mummenschanz. Jede Idee und jeder Vorschlag, so kontrovers die Diskussion auch manchmal verlief, war allemal besser als das, was an amtlicher Planung vorlag. Keiner der Vorschläge ist in die Planung mit eingeflossen. Keine Idee wurde auch nur ansatzweise berücksichtigt.

Vorschläge hin, Ideen her – Überzeugung ist Herrn Kirchners Sache nicht. Und bewegt hat er sich nur dort, wo es nicht darauf ankam. Bei der Festlegung der Geschwindigkeit für Auto und Tram beispielsweise. Die Einschätzung von Tempo 50 als Gefahrenquelle teile er, so Stadtrat Kirchner. Deshalb habe sich die BVV ja auch für Tempo 30 in der Kastanienallee ausgesprochen.

Über das Tempo, das letztlich in einer Straße gefahren wird, entscheidet in Berlin die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die hat sich längst für Tempo 50 ausgesprochen. Wofür sich die BVV Pankow ausspricht, spielt in diesem Zusammenhang rein gar keine Rolle. Ähnlich folgenreich hätte sie auch den Abzug aus Afghanistan beschließen können.

Jetzt vermisst Herr Kirchner also Lösungsvorschläge, und mit und für ihn sicher auch die Pankower Grünen. Noch einmal, beziehungsweise immer noch, sollen gute Ideen überzeugen. Joachim Seiler ging es aber darum, eine neue Gesprächsbasis zu schaffen. So habe ich ihn jedenfalls verstanden. Dafür hat er alle Fakten noch einmal zusammengetragen und aus verkehrsplanerischer Sicht bewertet. Dass der Weg zu weiteren und vor allem konstruktiveren Gesprächen noch weit ist, zeigt die Reaktion von Stadtrat Kirchner. An der Kastanienallee wird einstweilen weiter gebaut.

Matthias Aberle
18.07.2011

12 | Daniel | 26. Jul. 2011 00:44

Hier ist mal etwas Pressekritik fällig:
Frau Wiedemeier schreibt in ihrer Funktion als taz-Journalistin einen Artikel http://www.taz.de/Protest-gegen-Umbau-der-Kastanienallee/!75046/ , der wie der obige eines vermissen lässt - die investigative Nachfrage beim verantwortlichen Amt.
1.
Was sagt das Amt zu den wirklich schweren Bedenken und schlimmen Prognosen in dem Seiler´schen Gutachten? Tödliche Unfälle? Schadenersatzpflicht/Schmerzensgeldzahlungen des Bezirks wegen der offensichtlichen Planungsmängel?
2.
Fragt die Journaille eigentlich auch einmal, ob es ein Fachgutachten des Amtes, oder besser eines vom Amt beauftragten unabhängigen Sachverständigen gibt. Nach über drei Jahren vollkommen fruchtlosen "Meinungsaustauschs" mit dem "Amt" und den langjährigen Warnungen vor den absehbar lebensgefährlichen Verkehrsverhältnissen nach dem Umbau - so wie Herr Seiler sie jetzt ebenfalls prognostiziert - sollte es vielleicht ein solches geben?
3.
Kommt Herr Kirchner wirklich mit so einem laschen Herausreden wie oben und in dem taz-Artikel davon: Er sei ja im Grunde für vieles gar nicht zuständig, dies und das wollen die Umbaugegner ja auch nicht und er würde auch gern Tempo-30 anordnen.
Ist das die neue deutsche Phrasendreschrei? Jetzt auch in der taz und im tagesspiegel.
4.
Wenn es Herrn Kirchner wirklich um Verkehrssicherheit und weniger Unfälle ginge, dann hätte er wenigstens jetzt einmal die Fahrradpiktogramme zwischen den Straßenbahnschienen nachmalen lassen. Seit diese 2007 aufgebracht wurden (und jetzt völlig verblasst sind), hat sich nämlich die Unfallzahl auf der Kastanienallee halbiert. Das hat Herr Kirchner schriftlich von der Senatsverwaltung mitgeteilt bekommen - seine Reaktion war nur das übliche Geschwafel - das publikumswirksam von den "Medien" weitergeplappert wird.

13 | Theo Koerner | 26. Jul. 2011 22:41

Es wäre überaus interessant zu erfahren, wie Seiler die Gestaltungsvorschläge von „Stoppt K21" einordnet. Man kann sich das Szenario vorstellen, dass Seiler diese Vorschläge auch für ungünstig befindet.

14 | Daniel | 27. Jul. 2011 01:09

"Stoppt K21" hat im wesentlichen 2 Vorschläge:
1. den Verkehr zu verlangsamen und damit sicherer zu machen - dafür gibt es Tempo-30, Fahrradpiktogramme, Beibehaltung der Zweispurigkeit der Straße
2. eine Diskussion über die Verkehrsbelange und Lebensbelange in der Kastanienallee so zu führen, dass AM ENDE ein Ergebnis feststeht - und nicht schon am Anfang, wie es bei Herrn Kirchners Verfahren war.

Wir behaupten ja gar nicht, den Stein der Weisen zu besitzen - aber dass der jetzige Umbauplan vollkommener Mumpitz ist, das sieht wirklich jeder, der die Argumente und Fakten studiert.
Das Seiler´sche Gutachten bringt diese Abwägungen in einer akademisch und wissenschaftlichen Form so eindeutig, dass sich im Grunde das "Kirchner-Projekt" schon erledigt hat.
Wer jetzt noch nach den alten Plänen weiterbaut, der ist einfach nur noch verantwortungslos - sowohl den späteren Verkehrsteilnehmern wie auch dem Steuerzahler gegenüber.
Herr Seiler prognostiziert ja jetzt schon in seinem Gutachten, vollkommen zurecht, dass die Straße höchstwahrscheinlich noch einmal umgebaut werden müsste, wenn sie nach den jetzigen Plänen "fertiggestellt" werden sollte - weil es einfach nicht zusammengeht, was da jetzt gemacht wird.

ps: Wir haben übrigens immer auf den langen Anstieg am Weinbergsweg verwiesen - dort könnte zur Beschleunigung der Tram tatsächlich der Fahrradverkehr vom Tramverkehr getrennt werden - ohne große Kosten und ohne die in der Kastanienallee dadurch auftretenden Probleme.
Um auch den Vorwurf aufzugreifen, wir würden nur kleinteilig, museal konservierend und sonstwie spiessig argumentieren, möchten wir hier speziell die Grünen auffordern, ein überzeugendes ÖPNV-Konzept für ganz Berlin, inklusive deutlich geringerer BVG-Fahrpreise und deutlich erhöhter (Anwohner-)Parkgebühren in ihre Wahlproklamationen für Berlin aufzunehmen.

15 | Theo Koerner | 27. Jul. 2011 09:38

@Dani: ich will nur sagen, dass es sehr wichtig wäre, wenn Seiler sich direkt zu Ihren verkehrstechnischen Vorschlägen äußern würde; in welcher Länge oder Form auch immer.

Wie gesagt, direkt. Derzeit gibt es nur so etwas wie "indirekte" Ableitungen/Vermutungen.

16 | Daniel | 27. Jul. 2011 10:53

Hallo Herr Koerner.
Man muss es auch mal so betrachten: Unsere (Minimal-)Vorschläge würden etwa 12.000 Euro kosten (davon 2000 in der Kastanienallee für Fahrradpiktogramme und Tempo-30-Schilder - und 10.000 Euro im Weinbergsweg für die Verlegung des Fahrradwegs auf den breiten Bürgersteig).
Damit würde zumindest kein Unsinn herbeigeführt und es würde, wie alle Seiten zugeben, die Verkehrssicherheit zumindest nicht deutlich verschlechtert.

Der "Kirchner-Plan" kostet 1,5 Mio Euro und macht die Straße absehbar lebensgefährlich.

Die reine Reparatur der Gehwege kostet 165.000 Euro, wie das Amt in seiner Kostenschätzung für das Bürgerbegehren mitteilte.


17 | Severin Höhmann | 30. Jul. 2011 17:18

@Umbau Jetzt! Liebe Leute von Umbau Jetzt! Ich habe Euch ja schon an anderer Stelle und bei anderen Gelegenheiten darauf hingewiesen, dass es einfach unredlich ist, von Eurer Seite die Mindestmaße nach ERA 2010 für einen Schutz-/Angebotsstreifen (125cm zzgl. 25 cm Breitstrichmarkierung) und einen benutzungspflichtigen Radfahrstreifen (160 cm zzg. 25 cm Breitstrichmarkierung) immer wieder durcheinanderzubringen. Für die Kastanienallee ist offiziell ein Schutz-/Angebotsstreifen geplant - da bliebe also noch durchaus Spielraum, den Streifen so zu verschmälern, dass ein Falschparken durch bauliche Vorkehrungen verhindert werden könnte. Will man allerdings einen benutzungspflichtigen Radfahrstreifen anlegen, so hat Herr Seiler vollkommen recht, wenn er feststellt, dass dann die dafür erforderlichen Mindestmaße sträflich unterschritten und neue Gefahrenquellen durch den Umbau geschaffen werden. Also sagt doch bitte einmal klar und deutlich, ob Ihr davon ausgeht, dass ein benutzungspflichtiger Radfahrstreifen für die Kastanienallee kommen soll (wie es die Herren Kunst, Kirchner, Kempe, Bechtler und Schröder offensichtlich wollen), oder ob Ihr an der ursprünglich geplanten und im Beteiligungsverfahren entwickelten Variante eines möglichst schmalen, aber eben nicht benutzungspflichtigen Schutz-/Angebotsstreifens festhaltet. Ich frage das, weil ich der Überzeugung bin, dass die Frage nach Tempo 30 in der Kastanienallee ganz ursächlich mit der Entscheidung über die Art des Radstreifens zusammenhängt - wer einen benutzngspflichtigen Radfahrstreifen präferiert, riskiert einen beschleunigten Tram- und KFZ-Verkehr - wer einen Schutz-/Angebotsstreifen will, plädiert für einen Mischverkehr und reduzierte Geschwindigkeiten in der Kastanienallee!
Zu den Kaphaltestellen: Was wir dann vielleicht doch einmal als gemeinsame Position fordern könnten, ist doch, dass der Radstreifen im Haltestellenbereich mindestens so breit sein muss, wie im übrigen Straßenverlauf - oder ist es zu viel verlangt, dass Ihr irgendwann einmal auch ein bisschen sachlich fundierte Kritik an der verkorksten Umbauplanung mittragen könnt und konstruktiv auf Änderungen hinwirkt, anstatt immer nur die Rechtfertigungs-Leier zu spielen?

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