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Politik

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Noch mehr Parkzonen in Prenzlauer Berg

03.12.2010 | PBN | 5 Kommentare

Ab nächsten Juni wird es wohl nicht nur im Bötzowviertel Parkautomaten geben. Auch weite Teile nördlich des S-Bahn-Rings sollen gebührenpflichtig werden. Das erwartet Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne).

Für die einen sind sie reine Abzockerei des Staates, für die anderen ein probates Mittel, um die Stadt von Autos freizuhalten und Anwohnern zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Rede ist von den Parkzonen, die am 1. Oktober im südlichen Teil von Prenzlauer Berg eingerichtet wurden. Besonders umstritten ist die neue Parkraumbewirtschaftung bei den Bewohnern des Bötzowviertels. Dort wurde zwar keine Parkzone eingerichtet, dafür aber leiden die Anlieger jetzt unter dem Ausweichverkehr aus dem angrenzenden Kiez rund um die Winsstraße. 

Der Druck aus dem Bötzowviertel ist offenbar so groß, dass die Bezirkspolitik jetzt schnell handeln will. Schon im Januar könnte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Pankow die Weichen für eine weitere Parkzone stellen, sagte Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) den Prenzlauer Berg Nachrichten. Noch vor Weihnachten soll eine erste Untersuchung zur Veränderung von Verkehrsströmen vorliegen. Unabhängig davon scheint die politische Willensbildung schon weit fortgeschritten zu sein. "Das ist jetzt reif zum Pflücken", sagt Kirchner. Es gebe bereits Bürgeranträge an die BVV, die schnellstmöglich die Einrichtung einer Parkzone im Bötzowviertel forderten. Mit Widerstand aus der Bevölkerung rechnet der Stadtrat nicht. "Ich glaube, das ist eher der Fall, wenn wir uns mit einem Beschluss zu lange Zeit lassen."

Die Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung wird aller Voraussicht nach nicht auf das Bötzowviertel beschränkt sein. Parkzonen sollen nach Kirchners Vorstellung auch in Gebieten jenseits des S-Bahn-Rings, auch nördlich der Bornholmer Straße, errichtet werden. Als nördlichste Grenze nennt er die Stavanger Straße, die das skandinavische Viertel abschließt. Zur Parkzone würde auch das Gebiet um den Humannplatz werden, das allerdings besonders heterogen ist. Während im Norden eine reine Wohnbebauung existiert, wird der Süden rund um die Wichertstraße auch von Kneipengängern frequentiert.

Kirchner bezeichnet es im Nachhinein als Fehler, dass nicht von Beginn an auch im Bötzowviertel Parkautomaten aufgestellt wurden: "Ich habe mit Verdrängungseffekten gerechnet, aber nicht damit, dass sie in diesem Bereich so groß sind." Im Bezirksamt war man davon ausgegangen, dass die Greifswalder Straße als natürliche Barriere für nach Parkplätzen suchende Autofahrer wirkt. Außerdem hatte man bei einer Untersuchung des Parkverkehrs 2008 noch ermittelt, dass im Durchschnitt mehr als 80 Prozent der parkenden Autos im Bötzowviertel Anwohnern gehören. Eine Parkraumbewirtschaftung mache erst dann Sinn, wenn mehr als 20 Prozent des Parkverkehrs von außerhalb des Viertels stamme, sagt Kirchner. Davon gehe er im Bötzowviertel inzwischen aber aus.

Die Probleme, die es bei der Aufstellung der Parkscheinautomaten im Herbst gab, hält der Stadtrat für überwunden. "Wir kennen uns da jetzt aus." Es sei aber eine Herausforderung, die Überwachung der Parkzonen zu organisieren. Zusätzlich zu den 100 bereits in diesem Jahr eingestellten Parkwächtern würden dann noch einmal 60 bis 70 zusätzliche Mitarbeiter rekrutiert.

 

 

 


Kommentare

1 | Wolfgang Schmidt | 10. Dez. 2010 22:19

Nach der Lektüre des Gutachtens zur Parkplatzsituation im Bötzowviertel habe ich mich gefragt, wann dessen Autoren eigentlich die Messungen vorgenommen haben - eine solch entspannte Situation, wie sie dort beschrieben wird, habe ich hier im Viertel noch nie erlebt. Aber gut, das Unternehmen kommt nicht aus Berlin, kennt also die Lage vor Ort nur von Kurzbesuchen. Warum aber ein sich selbst als Stadtteilmensch verstehender Grüner Bezirksstadtrat und die Bezirksversammlung so locker die Annahmen der Gutachter abnicken und sich der Stadtrat dann hinterher überrascht zeigt vom Verdrängungseffekt, das erstaunt mich schon.

Klar sein sollte nun: Die Zone 42 (Winsviertel) sollte so schnell wie möglich ausgedehnt werden auf das Bötzowviertel (und schafft bloß keine neue Zone nur für diesen Kiez hier...); als Zwischenlösung sollten die Automaten auf der rechten Seite der Greifswalder Straße aus der Zone 42 herausgenommen werden - die Seite gehört zum Bötzowviertel, nicht zum Winskiez; und schließlich sollten die sehr großzügigen Parkmarkierungen an den Kreuzungen diverser Straßen im Viertel der Realität angepasst werden: Querparken statt längsparken sollte erlaubt sein.

Sonst befürchte ich (als Fahrradfahrer und BVG-Nutzer und nur gelegentlicher Familienrumkutschierer) irgendwann spät in der Nacht gewalttätige Zusammenstösse entnervter Parkplatzsucher...

2 | Vorname (Optional) Nachname (Optional) | 10. Dez. 2010 22:45

Ursprünglich fand ich die Parkzonen auch eine gute Idee. Aber ich glaube, jetzt schießen die Verantwortlichen übers Ziel hinaus. Ich wohne im Winskiez, bin Radfahrer ohne Auto und sehe mich plötzlich mit Problemen konfrontiert, die ich früher nicht hatte. Zum einen maulen mir Besucher mit Autos die Ohren voll und zum Zweiten habe ich nun selbst ein Problem, wenn ich mir ein Auto ausleihe. Der Wagen meiner Eltern, den ich für eine Woche habe, steht jetzt übrigens auch im Bötzowkiez;) Eine Parkzone von 9 bis 24 (!) Uhr finde ich übertrieben. Sollte das noch ausgeweitet werden, müsste man ein Auto, das für längere Zeit stehen soll, richtig weit abstellen.

Letzlich ist es ein Anreiz, sich hier im Kiez ein Auto zu halten, weil man es dann besser parken kann. Da komme ich fast schon wieder selbst auf die Idee, mir eines anzuschaffen. Damit hätte ich nicht die Probleme, die ich mit geliehenen Autos hätte.

3 | jonny | 06. Jan. 2011 12:49

Lieber Wolfgang Schmidt,
die Kreuzungen müssen frei von geparkten Autos sein. Fünf Meter Abstand habe ich in der Fahrschule gelernt. Da hält sich in Berlin fast niemand dran. Mir geht es aber nicht um das Recht, sondern Autofahrer sind nich die einzigen Verkehrsteilnehmer, sondern es gibt auch Fußgänger mit und ohne Kinderwagen, mit und ohne Laufrad, mit und ohne Rollator, mit und ohne Rollstuhl. Und die sollen die Straßen doch auch sicher überqueren können, oder?
Ich glaube, viele müssen sich auch noch an die Parkzone gewöhnen. Die gleiche Erfahrung habe ich in Mitte gemacht, als dort die Parkzone eingeführt wurde. ArbeitskollegInnen sind erst nach einer Weile auf die Öffentlichen oder das Fahrrad umgestiegen, dann aber konsequent. Und schwups wieder ein paar Autos weniger in der City.

4 | frank naber | 10. Mai. 2012 12:32

kirchner hat also nicht damit gerechnet, dass autofahrer zb. von der greifswalder str. 5, 8 oder 10 meter laufen, um sich die gebühren zu sparen? oder das die ganzen pendler, gäste, besucher des winsviertel, etc. im bötzowviertel parken?
na das ist ja mal wieder ein schreiender beweis für seine kompetenz & urteilskraft.

by the way - vor den ämtern in der fröbelstr. ist ja auch parkzone. ich beobachte jeden morgen eine kleine völkerwanderung hier aus dem bötzowviertel hin zur tramhaltestelle richtung fröbelstr... jede wette, dass das die ganzen ordnungsamts-typen, etc. sind, die in brandenburg, etc. wohnen. man muss ja wohl mit guten beispiel voran gehen... wenn es nicht so traurig wäre...

5 | frank naber | 10. Mai. 2012 12:35

@2 | Vorname (Optional) Nachname (Optional) | 10. Dez. 2010 22:45

das kann ja wohl nicht ihr ernst sein? damit sie es bequem haben, dürfen wir im bötzowviertel spätestens ab 19 uhr eine halbe stunde, ab 20 uhr eine ganze stunde einen parkplatz suchen und spätestens ab 22 uhr im auto schlafen???

ich glaube, ich spinne. sie ignorant.

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