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Der Boden der NUK Picasso 620_320

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Notunterkunft nach unhaltbaren Zuständen geschlossen

06.12.2015 | Philipp Schwörbel

Keine Sicherheit, kein Trinken, kein Licht auf den Toiletten. Nach unhaltbaren Zuständen in der NUK in der Sporthalle der Picasso-Schule im Komponistenviertel werden Flüchtlinge verlegt.

Die am Freitagabend neu eröffnete Notunterkunft (NUK) für Flüchtlinge in der Sporthalle der Picasso-Grundschule in Weißensee wird aufgrund unhaltbarer Zustände (wir berichteten) vorrübergehend geschlossen. Die Sporthalle bleibt aber eine Notunterkunft.  Die Flüchtlinge wurden am Sonntag in Bussen in andere Unterkünfte gefahren.

Grund waren untragbare Zustände in der NUK mit seinen rund 160 Flüchtlingen, die eine längere Unterbringung und eine sinnvolle ehrenamtliche Hilfe unmöglich machten. Die Liste der chaotischen Zustände ist lang:

Die sanitären Anlagen (zwei Waschräume, drei Innentoiletten) und andere Bereiche waren schon am Samstagabend verdreckt. Eine Reinigungsgfirma gab es nicht, ebensowenig ausreichend Putzmittel. Die sieben auf dem Hof aufgestellten "Dixie-Toiletten" waren unbeleuchtet und deswegen ab Einbruch der Dunkelheit nicht mehr sinnvoll nutzbar.

Die professionelle Versorgung mit grundlegenden Lebensmittel war mangelhaft, so wurden weder Wasser noch andere Getränke zum Abendessen geliefert, zum Frühstück lediglich rund sechs Liter Milch. Die Versorgung konnte nur durch spontane Wasser-Spenden sichergestellt werden. Zudem war die Versorgung durch einen Caterer nur bis Montag gesichert.

Berichten von ehrenamtlichen Helfern zufolge, hat es zunächst keinen professionellen Wachschutz gegeben. So hätten zwei Mitarbeiter einer Security-Firma die ersten 24 Stunden freiwillig und durchgehend diese Aufgabe übernommen. Überhaupt gab es, mit Ausnahme eines Leiters, kein weiteres Personal.

 

Lageso überlässt NUK einem völlig überforderten Leiter

 

Grund für die chaotischen Zustände war offensichtlich die Überlassung der NUK durch das Lageso an einen Ein-Mann-Betreiber, der keine ausreichende Erfahrung mit der Leitung einer solchen Einrichtung hat und der dieser Aufgabe nicht gewachsen war. Der Betreiber hatte nach Auskunft von Ehrenamtlichen noch keinen Vertrag. Helfer hatten schon früh am Samstag mit dem Abbruch ihrer Unterstützung gedroht, für den Fall, dass es keinen Betreiberwechsel gäbe. 

Bis Sonntag wurde die NUK ausschließlich durch ehrenamtliche Helfer, unter anderem aus bereits gut organisierten Unterstützerkreisen von Notunterkünften in Prenzlauer Berg, sowie durch die Spendenbereitschaft der Bevölkerung aufrecht erhalten. Die Helfer und Helferinnen treffen sich am Sonntagabend zu einem ersten Unterstützertreffen, um die weitere Hilfe zu koorzdinieren, sobald die NUK mit einem neuen Betreiber wieder geöffnet wird. Weitere Information liefert die Facebook-Gruppe des Unterstützerkreises. 

Die Schließung geht dem Vernehmen nach auf Initiative der Pankower Sozialstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) zurück, die nach einem Besuch der NUK am Sonntagvormittag politisch Druck auf die Senatsverwaltung und das Lageso ausgeübt hatte.

 

Information: Der Autor war am Samstag und Sonntag in der Notunterkunft, um zu unterstützen. 

 

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