Google+

Politik

Kita Streik Bobbycar Spielplatz

Politik | Kitas

Zu wenige Erzieher für zu viele Kinder

07.04.2017 | Kristina Auer

Wir haben Euch gefragt, welche Erfahrungen Ihr mit den Kitas in Prenzlauer Berg gemacht habt. Das Ergebnis: Der Personalmangel ist schon jetzt ein gravierendes Problem.

 "Zu große Gruppen", "viele Schließtage", "Überlastung der Erzieherinnen" oder schlicht "Personalmangel" - die Liste Eurer Antworten war lang und teils erstaunlich einstimmig: Es gibt einfach nicht genügend gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher, und das führt zu einer ganzen Reihe von Problemen in den Prenzlauer Berger Kitas, lautet Euer Urteil.

Als die Kita-Angestellten im Januar und Februar zweimal kurz hintereinander in den Warnstreik traten, wies auch der größte kommunale Kitabetreiber Kigäno (Kindergärten Nordost) auf den starken Mangel an fachlich qualifiziertem Personal hin. Der werde durch die schlechtere Bezahlung beispielsweise im Vergleich zum Nachbarbundesland Brandenburg noch verschärft, weil viele ErzieherInnen dorthin abwanderten, sagte Kigäno-Sprecherin Mareen Kirste den Prenzlauer Berg Nachrichten.

 

Dreiviertel sehen das größte Problem im Personalmangel

 

Das Verständnis für die streikenden Erzieher unter unseren Lesern, die an unserer Kita-Umfrage teilgenommen haben, ist groß: Knapp zwei Drittel haben vollstes Verständnis für ihre Unzufriedenheit, nur vier hatten wenig oder gar kein Verständnis. Viele von Euch haben die schlechte Bezahlung der Erzieher als Problem identifiziert. "Unsere Erzieherin sitzt oft noch nach Feierabend da und arbeitet diverse Sachen ab", schreibt Jeanna, die lieber nicht erzählen möchte, an welcher Kita sie als Mutter diese Beobachtung gemacht hat.

Fast Dreiviertel der Antworten stimmte Kigäno in der Aussage zu, der Mangel an qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern sei das größte Problem an den Prenzlauer Berger Kitas. Daraus ergeben sich laut Eurer Antworten viele weitere Probleme: Angefangen von zu wenigen Kitaplätzen insgesamt und langen Wartezeiten über verkürzte Öffnungszeiten oder ganze Schließtage bis hin zu zu vielen Kindern pro Erzieher oder schlichtweg einer Überforderung des Personals reichen die Beschwerden. Drei LeserInnen haben auch nicht ausreichend qualifiziertes Personal, mangelndes Engagement und teils schlechte Behandlung der Kinder als Probleme angebeben. Manche ErzieherInnen redeten zu viel miteinander und überließen die Kinder sich selbst, heißt es in diesen Antworten.

Immerhin: Eine Befragte hat angegeben, bisher überhaupt keine Probleme gehabt zu haben. "Alle drei Kinder haben sofort einen Platz bekommen und es gibt in unserer Kita auch keine nicht besetzten Stellen", schreibt Nicole. Clara findet, es gibt zu wenige gute Plätze für zu viele Bewerber, ist inzwischen aber auch zufrieden. "Wir haben für unseren Sohn einen Platz in einer kleinen, sehr guten Kita bekommen", schreibt sie.

 

Immerhin: Tarifstreit beigelegt

 

Der Tarifstreit im öffentlichen Dienst ist inzwischen beigelegt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat eine Lohnerhöhung um zwei Prozent oder mindestens 75 Euro mehr im Monat für alle Beschäftigten erreicht. Ab 2018 kommen noch einmal 2,25 Prozent mehr Lohn hinzu. Außerdem bekommen Erzieherinnen und Erzieher sowie Kitaleitungen eine Zulage von monatlich 80 Euro. Die Gewerkschaft ist sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Es bleibt zu hoffen, dass die Lohnangleichungen zumindest das Abwandern des Berliner Erziehungpersonals in andere Bundesländer eindämmt. Den Fachkräftemangel bei den Erziehern lösen, wird es nicht. Die Senatsverwaltung für Bildung rechnet damit, dass bis zum Kitajahr 2019/2020 berlinweit 7 000 Erzieherinnen und Erzieher mehr gebraucht werden.

 

Du findest unabhängigen Journalismus aus nächster Nähe wichtig?

Dann sorge dafür, dass es ihn auch in Zukunft noch gibt: Unterstütze unsere Arbeit mit Deiner Mitgliedschaft und werde Teil dieser Zeitung! Vielen Dank!

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Unsere Wochenpost

Auszeichnung / Presserat

Folgen Sie uns!