Gleimstraße 52: Wasser weg, Kompromiss gesucht

von Thomas Trappe 11. Mai 2012

In dem Haus gibt es weiter Ärger. Einige Mieter wurden mit Geld aus dem Gebäude gekauft. Jetzt will der Bezirk intervenieren.

In der Gleimstraße 52 hat der Eigentümer des Hauses Mietern Geld gezahlt, um diese zum Auszug zu bewegen. Es seien sogenannte Abstandszahlungen geflossen, bestätigte eine Sprecherin von Christian Gérome, Geschäftsführer der Allgemeinen Immobilien-Börse GmbH, auf Anfrage der Prenzlauer Berg Nachrichten. Weiterhin räumte sie ein, dass in einem Quergebäude des Hauses kein Wasser mehr läuft. Der Missstand solle allerdings am Montag behoben werden, hieß es. Im Bezirksamt Pankow wurde unterdessen erklärt, dass man demnächst mit dem Vermieter eine Vereinbarung treffen will, die die Mieter vor weiteren Problemen schützt.

In der Gleimstraße 52 wurden kürzlich die Bewohner darüber informiert, dass in ihrem Haus die Mieten nahezu verdoppelt werden sollen. Ein Großteil von ihnen zog daraufhin aus, die Mieterberatung Prenzlauer Berg sprach von einem beispiellosem Vorgang. Allgemein wird befürchtet, dass die Bestandsmieter vertrieben werden sollen, um den Weg frei zu machen für eine hochwertige Sanierung. Gestern Abend nun stellte sich Investor Christian Gérome den Vorwürfen im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung Pankow. Für den stellvertretenden Ausschussvorsitzenden Wolfram Kempe (Die Linke) erinnerte der Auftritt „an die Wildwest-Methoden, die wir in Prenzlauer Berg von früheren Investoren kennen“. Er habe den Eindruck, „dass das Haus systematisch runtergeludert wird, um es leer zu kriegen“.

 

Verwalter weiß von nichts

 

Bis jetzt, berichtet Kempe, seien 24 von 39 Wohnungen leergewohnt. Wie hoch die Abstandszahlungen an die drei Mieter, denen damit der Auszug versüßt wurde, gewesen sei, habe Gérome nicht erklärt; auch gegenüber dieser Zeitung machte er dazu keine Angaben. „Das betrifft die Privatssphäre der Mieter“, so Géromes Sprecherin.  

Warum in einem Teil des Hauses kein Wasser mehr gibt, dazu gibt es unterschiedliche Angaben. So berichtet der Bezirksverordnete Wolfram Kempe, Gérome habe eingeräumt, dass das Wasser abgestellt wurde. Der hingegen ließ über seine Sprecherin erklären, dass es sich um einen Frostschaden handle. „Dieser wurde bis zum gestrigen Abend aber dem Eigentümer gegenüber nie thematisiert. Selbstverständlich wurde keinem Mieter das Wasser abgestellt.“

Auch die Hausverwaltung weiß von nichts. Martin Schlegel, Geschäftsführer der cityofberlin Immobilien, bestritt „ausdrücklich, dass wir irgendwo Wasser abstellen. So was machen wir nicht und werden wir auch nicht tun.“ Der für Sanierungen zuständige Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) sagte, dass der von der Wasserabkappung betroffene Mieter sich nicht an das Bezirksamt gewendet habe, man deshalb auch nicht mit der Bauaufsicht einschreiten konnte. Jetzt sei das nicht mehr nötig, da Gérome versprochen habe, das Wasser wieder anzustellen.

 

Mietdrosselung angestrebt

 

In den kommenden Wochen wird es nun weitere Treffen mit Gérome und den Vermietern geben, kündigte Kirchner an. Es sollen konkrete Vertragsverhandlungen werden. „Angestrebt ist ein Vertrag analog zur Gewobag-Vereinbarung.“ Kirchner weist damit auf eine Abmachung hin, die sein Amt Anfang des Jahres mit der landeseigenen Wohnungsbaugenossenschaft Gewobag abgeschlossen hatte.

Dieser Vertrag sieht vor, dass im mehreren Gewobag-Häusern zwar saniert wird, die Mieten aber nicht so sehr erhöht werden, wie es theoretisch möglich wäre. Ob Gérome sich auf solch eine freiwillige Vereinbarung einlässt, kann Kirchner nicht abschätzen. „Begeistert schien er zwar nicht. Aber er hat zugesagt, dass er eine vertragliche Regelung anstrebt.“

 

 

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