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Alltag

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Filmriss in der Schönhauser

18.12.2012 | Juliane Wiedemeier

In der Video Collection bekam man auch Filme ohne Bruce Willis oder Robert Pattinson. Nun wurde den Betreibern des Ladens an der Schönhauser Allee gekündigt.

Kleine Independent-Produktionen, alte Film-Klassiker und aktuelle Blockbuster, das alles bekommt man, nein, nicht nur im Internet, sondern auch in einem richtigen Laden. Mit Beratung. Von echten Menschen. Oder besser: Bekam. Denn seit Sonntag ist die Video Collection an der Stargarder Straße, Ecke Schönhauser Allee geschlossen. „Uns wurde zum Ende des Jahres gekündigt", sagt Geschäftsführer Holger Puhlmann. Die verbleibenden Tage werden jetzt noch zur Auflösung des Ladens genutzt.

Zwanzig Jahre lang hat die Videothek die Prenzlauer Berger auch mit Filmen abseits des Mainstreams versorgt. Durch ein verändertes Freizeitverhalten der Menschen und direkte Konkurrenz in der Nachbarschaft sei es in den letzten Jahres aber immer schwieriger geworden, mit dem Verleihen von Filmen Geld zu verdienen, meint Puhlmann. Zudem fehle in Prenzlauer Berg mit den Studenten mittlerweile eine sichere Kundschaft. „Unsere Schließung ist damit endgültig - wir suchen keinen alternativen Standort", so der Geschäftsführer. „Letztendlich sind wir ein Wirtschaftsunternehmen."

 

Kündigungsgrund: Sanierung

 

Mit dem Auszug der Video Collection verliert die Schönhauser Allee wieder einen Laden, der die Straße in den vergangenen Jahren mitgeprägt hat. Anders als etwa die Betreiber des Nährreichs oder des Männergifts, die ebenfalls in diesem Jahr ihr Geschäft aufgeben mussten, sieht Pulmann sich jedoch nicht primär durch steigende Mieten verdrängt. Die Kündigung gehe rechtlich völlig in Ordnung, das Geschäftsmodell Videothek habe in den letzten Jahren gelitten. Die Kündigung habe die Gewobag als Eigentümerin des Hauses mit einer anstehenden Sanierung begründet. Von der Wohnungsbaugesellschaft heißt es auf Anfrage, man habe für das Mietverhältnis keine Zukunft mehr gesehen. „Grundsätzlich sind wir immer an langfristigen Mietverträgen und ,treuen' Mietern interessiert", sagt Sprecherin Gabriele Mittag. Nur in besonderen Fällen gebe es keinen anderen Weg, als sich von einem Gewerbemieter zu lösen. „Ein solcher Fall liegt bei der Videothek vor."

Der Filmbestand der Videothek wandert zum Teil in die Filiale an der Breiten Straße in Pankow, zum Teil wird er verkauft. „Bislang ist noch keine Entscheidung gefällt worden, wer die Räume zukünftig mieten wird", sagt Gabriele Mittag. „Wir befinden uns in Gesprächen."

 

Dieser Artikel wurde am 18.12 um 14.45 Uhr um das Statement der Gewobag ergänzt.

 

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